„Das größte Abenteuer aller Zeiten beginnt und endet mit einem Buch.“
Es kommt leider viel zu selten vor, dass man die ersten Seiten eines neuen Buches liest und bereits nach kürzester Zeit derart von der Handlung gefesselt ist, dass man gar nicht mehr genug bekommen kann und Seite um Seite regelrecht verschlingt.
Doch es gibt solche Bücher und der New Yorker Bühnenautor und Regisseur Gordon Dahlquist hat eines von ihnen erschaffen. „Die Glasbücher der Traumfresser“, so der geheimnisvoll anmutende Titel, ist Dahlquists erster Roman, der bereits kurz nach seiner Veröffentlichung für reichlich Furore sorgte und schon jetzt als künftiger Klassiker behandelt wird.
Die düstere Handlung des Buches spielt im viktorianischen England und dreht sich in erster Linie um die drei detailreich, lebendig und authentisch dargestellten Hauptcharaktere: die Plantagenbesitzerin Miss Temple, den Auftagskiller Kardinal Chang und Doktor Svenson, den Leibarzt des mecklenburgischen Prinzen. Alle drei erzählen unabhängig voneinander ihre eigene Geschichte und finden eher zufällig zusammen, nachdem sie mit einer faszinierenden aber tödlichen Geheimgesellschaft in Kontakt kommen, die mittels eines infernalischen Verfahrens Erinnerungen und Gefühle von Menschen auf blaue Glasbücher übertragen und diese dadurch kontrollieren kann. Fortan müssen die drei Protagonisten gemeinsam um ihr Leben kämpfen und geraten dabei immer wieder in morbide Situationen, die sie auf eine harte Probe stellen.
„Die Glasbücher der Traumfresser“ ist ein rasanter, dunkler und abgefahrener Schauerroman, der vor Spannung, Erotik und Detailverliebtheit nur so strotzt. Einmal eingetaucht in die originelle, skurrile Handlung und die überraschenden Wendungen, kann man kaum mehr an etwas anderes denken.
Allein schon die optische Aufmachung des Buches ist extravagant: das Gesamtwerk, das in einem stilvollen dunkelblauen Pappschuber zu erwerben ist, ist in zehn einzelne großformatige Taschenbücher unterteilt – in jedem davon wird ein Kapitel abgehandelt. Das macht sich nicht nur hervorragend im Bücherregal, sondern erleichtert auch das Lesen ungemein, da man nicht immer den gesamten Wälzer mit sich tragen muss, sondern eben nur die „dünnen“ Kapitel-Heftchen.
Zugegeben – für den Leser ist Dahlquists Debüt sicherlich keine leichte Kost für zwischendurch. Seite für Seite begegnet man neuen Charakteren und die Geschichte erscheint stellenweise so verworren und miteinander verknüpft, dass man sehr aufmerksam lesen muss, um nicht eine Kleinigkeit zu verpassen, die zum Verständnis des Plots beträgt. Doch die Originalität und die Magie von Dahlquists Erstling bestechen durch und durch und machen „Die Glasbücher der Traumfresser“, das seinesgleichen sucht, zu einem der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
„Und so werden sie untergehen und so werden sie auferstehen!“
Wer immer noch nicht genug von Dahlquist bekommen kann, darf aufatmen: die Fortsetzung der Glasbücher, „The Dark Volume“, ist bereits fertig gestellt und soll schon im Frühjahr in Großbritannien erscheinen. Hierzulande muss man sich wohl noch ein wenig gedulden. Aber das Warten wird sich sicherlich lohnen.
Weitere Infos:
Autor: Gordon Dahlquist
Umfang: 896 Seiten
Sprache: Deutsch
Größe: 23,8 x 15,2 x 8,2 cm
Preis: 24,95 €
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