SOULSECRET
Flowing portraits
Soulsecret - Flowing portraits Italiener im Rausche von Neoprog und Progmetal, zwischen DREAM THEATER, PENDRAGON und THRESHOLD, von deren Mastermind Karl Groom sie ja auch produziert wurden. Die ganze Wildheit z.B. der aktuellen DREAM THEATER Scheibe erreichen sie nicht, aber ihre Songs klingen angenehm und der nicht zu übertrieben hohe Gesang schmeichelt mit seinem Charisma den Ohren.
Es gibt spieltechnisch natürlich wieder gehobenen Standard, das sollte wirklich klar sein. Mir gefallen dabei insgesamt die Keyboards am besten, die mit warmem, zuweilen analogem Sound ein angenehmes Retrogefühl aufkommen lassen und noch tolle, oft euphorische und doch nicht aufgesetzte Melodien spielen. Wären diese Keyboardlinien von etwas geradlinigeren Gitarrenläufen und Rhythmen begleitet worden, hätte ich tatsächlich auf eine britische Band um 1983/84 getippt.
Irgendwie war ich beim ersten Durchlauf noch gelangweilt, das hat sich gegeben und ist einer ungeahnten Faszination gewichen. Und das sage ich als bekennender Nichtprogmetaller, naja, Freizeitprogmetaller. Was haben SOULSECRET also richtig gemacht? Sie lassen die Schrägheit außen vor, die beim aktuellen progressiven Heavystoff oft die Oberhand gewinnt. Auch sind ihre Gitarrenparts nicht mit dieser oft ätzenden Modernität behaftet, kommen nicht von zu tief gestimmten, nach Computer klingenden Klampfen. Es ist lebendige Musik, die hier geboten wird, Musik, die trotz sperrigerer Grundstrukturen durch die schönen Harmonien immer nachvollziehbar bleibt und Deine Seele zum Schmelzen bringt.
Es ist ein geschickter Schachzug, wieder und wieder kleine Schlenker in regulären Classic Rock und Heavy Metal zu unternehmen, auch wenn das nur sekundenlang passiert. Daneben scheut man sich auch nicht vor balladesken Einsprengseln oder ruhigen Passagen mit nachdenklich stimmender Atmosphäre, wie im wunderschönen, unaufdringlichen "Regrets", welches durchaus von DREAM THEATER stammen könnte, aber mehr als nur einen bloßen Aufguss der Kreativität unserer Amihelden liefert.
Die ganz oben genannten Vergleichsbands sind natürlich ein grober Ansatz, das gesamte Mosaik von Vorbildern zusammenzufassen, bei denen sich die Italiener hemmungslos bedienen, um die Zutaten wiederum mit ihrem ureigenen Geist zu würzen.
Einen Longtrack gibt es dann auch noch, ganz am Ende der Scheibe, mit dem fast siebzehnminütigen "Tears of Kalliroe", welches zwischen blumigen, ruhigen Momenten und eingängigem Hardrock auf Basis vertrackter Strukturlinien von Gitarre, Rhythmustruppe und Keyboards pendelt. Vorallem dieser Heavysound ist sehr aggressiv zuweilen, hier nähert sich die Band der Aktualität an, bleibt aber von allem damit einhergehenden Klangschund unberührt. Wundervoll sind hier die klassischen Neoprogläufe und - melodien, die gerade vom wie wild sein Instrument besteigenden Keyboarder geliefert werden.
Insgesamt hinkt der DREAM THEATER Vergleich ein wenig und man muß doch THRESHOLD als Haupteinfluß gelten lassen. Das ist, angesichts der gebotenen Klasse, allerdings komplett egal. SOULSECRET spielen sich in einen Rausch, sie wechseln zwischen den knüppelharten, intensiv wilden, sanft dahinschwebenden und treibend arschtretenden Parts ohne erkennbare Alibiübergänge, weil sie einfach den Fluß der Inspirationen gefunden haben. Südländisches Temperament, westeuropäisches Gespür für grandiose Melodien, amerikanische Perfektion, ein gigantisches Dreiergespann.


Tracklist:
01. Dance Of The Waves
02. First Creature
03. Inner War
04. Learning to Lose
05. Regrets
06. Tears of Kalliroe
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Label:
Progrock Records

Verfasser:
SirLordDoom

Autorwertung:
8,5 v. 10 Punkten
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Datum:
29.06.2008

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