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Letzte Aktualisierung am 06.10.2008
FIVE FIFTEEN
Alcohol
Five Fifteen - Alcohol

Finnischer Wodka ist wohl bekannt. Finnische Suffköppe sieht man auf jedem größeren oder kleineren Festival der schweren Beatmusik. Aber eine finnische Rockband, die ein Konzeptalbum über den Alkohol auf die Beine gestellt und ihn in mit verschiedenen Stimmungen von tiefster Melancholie bishin zu überschwenglicher Ausgelassenheit in allen Aspekten seiner Auswirkung zeigt, das ist originell.
Weniger originell und innovativ ist die Musik von FIVE FIFTEEN, die sich ganz dem klassischen Rock bis Hardrock mit Schlenkern in folkige Gefilde oder auch zum Singer / Songwriter Sound verschrieben hat. Wurde auch schon einmal auf einer Progwebsite besprochen, hat aber mit Progrock nichts zu tun. Diese Band musiziert straight ahead und scheint mir ihren Albumtexten nach straight edge zu sein. Wer weiß?
Kommen wir zuerst zum Sound, der da sehr tief und räumlich ist. Man bekommt ein klares Bild von jedem einzelnen Instrument, sei es noch so weit im Hintergrund platziert, dabei klingt alles zu jeder Sekunde bodenständig und sehr lebendig. Dies könnte zuweilen eine LP aus den späten 70ern sein. Digitale Klangunfälle sind mir nicht aufgefallen.
Das Spiel der Band ist exakt, lässt aber Raum für improvisationelle Ausbrüche, obschon diese nicht vorkommen. Aber Five Fifteen könnten durchaus loslegen, wenn sie wollten. Aber nichts da, man ist kompositorisch straff organisiert.
Der Titelsong kommt dreifach auf dem Album vor, als melancholische Hommage an die beliebteste legale Droge in Liedermachermanier mit nur einer akustischen Gitarre und einer Stimme, als getragener und sehr dunkler Rocksong mit trüber Herbstatmosphäre und als düsteres Outro mit Barstimmung im Monosound.
Nun vergessen wir aber nicht, daß dort noch viele kraftvolle, spritzige, eindringliche Rocker dieses Album bevölkern. Und es geht mit "Till the next time to say goodbye" schon richtig in die Vollen. Der Song rockt geradlinig, baut auf eine zweigeteilte Strophe und einen unaufdringlichen, dennoch sehr treibenden Refrain mit Ohrwurmcharakter. Auch eine Schweberpassage mit mehrstimmigem Gesang, der immer die Worte "Next time" wiederholt und an die BEATLES um 1967 angelehnt ist, kommt durchaus vor.
Die lustigen Kirmesorgeln beim zweiten Track "Two partners in crime" haben fast noch mehr beatlesquen Ausdruck. Doch insgesamt ist der Song moderner zu nennen, wenngleich am klassischen Rock orientiert. 80er KINKS mit erdigerem Klang, das könnte es sein. Es ist ein geschmeidigerer Rocksong mit vielen schönen Gitarrenläufen und eindringlichen Gesangslinien. Im hinteren Teil geht die Band sogar richtig aus sich heraus, verwendet viele härtere Riffs, lässt den Drummer poltern.
Man bereitet sich auf einen Hardrockkracher vor, "Fill your head with rock". Die Strophe ist mit Bass, etwas Orgel und Schlagzeug nicht unbedingt so deftig instrumentiert, aber es gibt eine kurze Bridge in ihrer Mitte, wo die Band bereits die Verzerrer einschaltet und lostritt, die Brücke zum Refrain und selbiger Kehrreim sind relativ heavy und dabei immer melodisch. Zweistimmige Gitarrenpassagen im Chorus erinnern mich an THIN LIZZY, insgesamt hat der Song was vom urtypischen Britenhardrock um das Jahr 1973 herum. Er hat einen eher wogenden Beat, der Dich umherwirbelt und Dich in eine schöne Trance hineintanzen lässt.
"Delirium" hiernach ist noch kräftiger, ein treibender Hardrocksong mit deutlichem DEEP PURPLE / IAN GILLAN BAND Einschlag bei der Instrumentierung. Der Gesang ist immer eigensinnig, wenn auch geschmeidig. Man hat sich eine Mädelsbrigade als Huhsummerinnen (hat nichts mit den weiblichen Einwohnern der nordfriesischen Hafenstadt HUSUM zu tun) dazugeholt, welche gesanglich gut auf das Gaspedal drückt. Die männliche Stimme in der Strophe ist fast schon emotionsloser Nichtgesang mit New Wave Ausdruck. Cool, ganz orthodox, ganz klassisch, ja, cool.
"Alcohol" kommt. Schlafgeräusche, ein Fiepen wie von einem Herzmonitor, mit dem gecheckt wird, ob man noch am Leben ist. Verwirrende Stimmen. Dann sehr getragene Musik, sehr emotional inszeniert. Ich würde sofort PINK FLOYD schreien, eventuell Roger Waters Solo. Der Resignation immer einen Schritt voraus am Abgrund, zu schwach um noch zu weinen, mit der letzten Kraft die Gedanken ans nie mehr wiedergefundene Glück verschwendent, bevor die Sinne wieder schwinden. Auch hier Huhsummerinnen, aber das passt. Die Leadgitarre weint uns eine betörende Melodie vor. Und wir weinen mit. Dies ist ein weiterer Höhepunkt auf dem reichlich damit bestückten Album. Sagen wir mal, er hätte sich auf Alben wie "Wish you were here", "The wall" oder "The final cut" sehr schön gemacht und solch einen Gesamtklang fahren FIVE FIFTEEN auch.
"Gypsy (of a strange and distant time)" ist dann sehr ausgelassen, ein wilder, treibender Hardrock mit peitschenden Riffs und Leads. Hat was vom harten US Rock Mitte der 70er, auch eine leichte Southernschlagseite. Es ist ein Stück, welches 1975 bis 1981 die Charts hätte stürmen können. Nicht ganz die Jahrhunderthymne wie "Juke box hero", aber durchaus nahe dran.
"Dollhouse" ist dann im Anfang spacig, ein merkwürdiger Schwebersong. Hat eine mit schriller Stimme gesungene Hauptmelodie auf psychedelischem Gewabere. Der Refrain hiernach groovt und donnert hardrockig, bevor man wieder in den psychedelischen Pop zurückfindet.
"I went to see the nightmare" basiert auf Blues mit akustischer Gitarre und leichten Slides, hat aber einen psychedelischeren Ausdruck mit Spätsechzigerfeeling. Ein wenig Mundharmonika, ein paar David Gilmour Gitarren, so klingt es schön. Nicht neu, nicht absolut eigenständig, aber mit Gefühl dargebracht.
Boogietime! "Mrs. Death pays a visit at On the Rocks" ist treibender Powerboogie, STATUS QUO zu besten Zeiten auf Tollwut, MOTÖRHEAD mit 60er Poprefrain? Geile Orgelsounds, Screams, Slides, eine wenig spektakuläre Refrainmelodie, die aber durch ihre Unaufdringlichkeit den Hörer gewinnt. Das Solo im Mittelteil ist brodelnd, wild, zermalmend, betörend. Wenn das keine Leidenschaft ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Auch hier gilt wieder, ganz orthodoxe Schemen werden erfrischt wiedergegeben und können dadurch punkten. Sie lassen sogar eine ihrer Huhsummerinnen einen Refrain singen. Klasse!
Der "Northern boy blues" ist weniger Blues denn vielmehr ein Mischmasch aus Liedermacher, Psychedelikfolk, ein wenig Southernromantik. Hat fast was von altem Neil Young und wieder Roger Waters. Gerade der Refrain ist Acidfolk pur, die Melodie ist wunderschön und rührt fast zum Weinen an, aber weniger aus Schmerz, vielmehr aus einer unbändigen Lebensfreude heraus. Die Stimmung ist so wie beim Höhepunkt eines wundervollen Festes kurz vor dem Abschied. Und das ohne dekadent orgiastische Instrumentierung.
"Old hairy dog almost dead" ist dann wieder ein "Wish you were here" tauglicher Downer, der allen Weltschmerz in einen gewaltigen Melodienseufzer verpackt und Dich einspinnt. Er ist getragen, er bleibt getragen, die richtige Musik zum Blick aus dem Fenster in den wolkenverhangegenen Herbsthimmel hinein. Tolle Orgelläufe, ein bischen spaciges Gewabere und diese ruhige, dennoch hyperintensive Gesangslinie werden Dich forttragen.
Das Ende kann nur kurz und doch umso trister werden. Wieder kommt "Alcohol", wie oben schon beschrieben mit kratzigem Grammophonsound und Spelunkenstimmung. Aus. Das Delirium hat einen eingeholt, hat einen gepackt und aufgesogen. Das war der letzte Drink, liebe Freunde.
Alles in allem eine wunderschöne CD für Liebhaber mainstreamtauglicher, klassischer Rockmusik vieler Facetten von den KINKS über THE WHO über PINK FLOYD, DONOVAN, ROGER WATERS bishin zu DEEP PURPLE, STATUS QUO und MOTÖRHEAD. Scheiß (Pardon!) auf Innovationen, mit Verlaub, hier spielen die Gefühle eine wesentliche Rolle und die sind sehr intensiv und erfüllend.

 



Tracklist:
01. Alcohol (Intro)
02. Till the next time to say goodbye
03. Two partners in crime
04. Fill your head with rock
05. Delirium
06. Alcohol
07. Gypsy (of a strange and distant time)
08. Dollhouse
09. I went to see the nightmare
10. Mrs Death pays a visit at on the rocks
11. Northern boy blues
12. Old hairy dog almost dead
13. Alcohol (Coda)
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Leserkommentare:

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16 Kommentare vorhanden:

trabi (05.07.2008 16:19:34)

Barkeeper zum Finnen: "Was wünschen Sie?"
Finne: "Lies es mir von den Lippen ab!"

Kurzum: Wenn die Finnen auch nur ansatzweise die Art und Weise wie Sascha rezensiert beim Komponieren ihrer Mucke an den tag legen würden, wäre womöglich nicht einmal eine Promo erschienen geschweige denn eine Aufnahme ihrer Songs!

Sorry, habs mal wieder nur bis zum Ende des ersten Drittels geschafft!

Und jetzt brauche ich ersma nen Kaffee...


Mölders (05.07.2008 21:13:11)

Was will mir der Kollege vom Russenberg damit sagen? Hurgh! :lol:


Legion (05.07.2008 21:15:49)

er mag kaffee :D


trabi (06.07.2008 00:29:07)

Was will mir der Kollege vom Russenberg damit sagen? Hurgh! :lol:

dass dein review mir eindeutig mal wieder zuuuuuuuuu lang ist! :P

die band löst das mit ihrem cover besser :D ;)


Mölders (10.07.2008 09:30:35)

Ach...alter Trunkenbold...außerdem brauchst Du mein Review nicht zu lesen... :P
Übrigens, das mit dem Kaffee ist eine gute Idee. Ich sollt auch mal fröhlichere Musik auflegen, Anathema beeinflussen das Wetter hier oben...und ich habe übermorgen ein Open Air Konzert zu geben...


trabi (10.07.2008 16:48:46)

Ach...alter Trunkenbold...außerdem brauchst Du mein Review nicht zu lesen... :P
Übrigens, das mit dem Kaffee ist eine gute Idee. Ich sollt auch mal fröhlichere Musik auflegen, Anathema beeinflussen das Wetter hier oben...und ich habe übermorgen ein Open Air Konzert zu geben...

wieso habe ich nun die befürchtung, dass regenwolken nahen?


Mölders (13.07.2008 23:47:47)

Aber mit Cachura Party Rock wird aus Regenwasser reiner Bölkstoff...geile Sause...also, was sagste zu meinen neueren Reviews?


trabi (14.07.2008 18:21:19)

Aber mit Cachura Party Rock wird aus Regenwasser reiner Bölkstoff...geile Sause...also, was sagste zu meinen neueren Reviews?

:D hab etz nur das gloria dingens angeschaut (hetz mich hier eh nur durchs forum), aber bist endlich wieder beim thema ;)

jetzt müssen nur noch zwischen den absätzen ne freizeile rein und schon schauts aus, als wenn du das öfter machen würdest ;)


velvet (14.07.2008 22:23:50)

:D


Mölders (15.07.2008 07:11:34)

Freizeilen sind PUSSY


trabi (15.07.2008 17:16:37)

Freizeilen sind PUSSY

:lol: hast du noch ne einfältigere ausrede auf lager? :P ;)


velvet (15.07.2008 17:46:48)

Freizeilen sind PUSSY

:lol: hast du noch ne einfältigere ausrede auf lager? :P ;)

Ach nu komm, wenn ich ein paar Monate zurück denke, dann gab es nicht mal Zeilenumbrüche, is doch schon n erheblicher Fortschritt :D


trabi (15.07.2008 21:08:42)

Freizeilen sind PUSSY

:lol: hast du noch ne einfältigere ausrede auf lager? :P ;)

Ach nu komm, wenn ich ein paar Monate zurück denke, dann gab es nicht mal Zeilenumbrüche, is doch schon n erheblicher Fortschritt :D

stimmt. ich will ihn ja auch nicht überfordern :D


Mölders (17.07.2008 07:57:11)

Alter Schwede, wie geht Ihr hier nur mit einem armen, gebeugten (und nicht einmal alten) Mann um? Ist ja widerhaft, Ihr Banausen...dann kriegt Ihr eben Eure Freizeilen, pffff...
Wenn ich einen von Euch erwische, das gibt Arschvoll :P


velvet (17.07.2008 13:47:14)

Alter Schwede, wie geht Ihr hier nur mit einem armen, gebeugten (und nicht einmal alten) Mann um? Ist ja widerhaft, Ihr Banausen...dann kriegt Ihr eben Eure Freizeilen, pffff...
Wenn ich einen von Euch erwische, das gibt Arschvoll :P

Ach Schnuffi, nu reg dich mal nich uff, du junger Hüpfer :D

Wir wollen dir doch nur helfen, dass die Leute deine Romane da auch lesen können und nich nach der Hälfte aufgeben :wink:


[edit]
Hatte ich schon? Ich weiss es nicht, egal

Happy Birthday nachträglich :bussi: :wink:


trabi (17.07.2008 18:05:24)


Wenn ich einen von Euch erwische, das gibt Arschvoll :P

Mit Freizeilen oder Freibier? :P :D

Außerdem...(siehe signatur)


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Skull Weitere Infos: Skull

Label:
Sweden Rock Records

Erscheinungsdatum:
22.02.2008

Verfasser:
SirLordDoom

Autorwertung:
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Datum:
04.07.2008

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