Ein Album zwischen Keyboardbombast und Kammermusik, Dark Folk und singendem Kleiderständer, eine Prise Gothic tritt hinzu. Sechs Mitglieder werden von dem Dark Wave Kammerorchester verschlissen, davon die Hälfte Frauen. Die Musik an sich macht bei mir nicht den Eindruck, als wären soviele Leute nötig, in den meisten Momenten hätten zwei, ab und an drei genügt. Aber ich will nicht den Eindruck machen, als würde ich über DARK SANCTUARY meckern wollen. Nicht heute.
Das Nachfolgealbum, welches zuvor bereits auf Peaceville veröffentlicht wurde, enthielt eine Menge Ausschuß. Die kreative Energie bei dieser durchgehend ruhigen Musik hat nicht für ein weiteres Werk gereicht. Wobei diese Franzosen in den letzten dreizehn Jahren doch einige Alben veröffentlicht haben und es sich bei beiden Scheiben, die auf Peaceville wiederveröffentlicht werden, um relativ aktuelle Produktionen von 2005 und 2004 (Reihenfolge der Reissues) handelt.
Nun, die 2005er Scheibe war zu zahm, zu unbeweglich, zu lethargisch auch. Kaum Inspirationen. "Les mémoires blessées" ist deutlich frischer, mit bezaubernden Gesangslinien, tollen instrumentalen Begleitungen. Nun, der Operngesang der guten Frau kann durchaus an die Substanz gehen, wenn sie die ganz hohen und spitzen Lagen auspackt, aber sie hält sich gut im Zaum.
DARK SANCTUARY klingen nun immer noch wie NIGHTWISH auf Valium ohne Metal, aber mit extrem durchdringenden Melodien. Ich weiß nicht, ob die zweiundsiebzig Minuten, die das Album dauert, eventuell ein wenig lang geraten könnten, aber das hier ist keine Alltagspopmusik, sondern ein Abtauchen aus der schnöden Realität, ein dahingleiten von spirituellen Ausmaßen.
Nun, man kann wohl nicht immer ein gleichsam ergreifendes Werk erschaffen und hat deswegen auf dem Nachfolgealbum eher schmählich versagt. Was sie aber hier an Pathos, Leidenschaft und Atmosphäre auffahren, ist traumhaft schön. Ich gehe davon aus, daß viele Leute von eben dieser Kombination angewidert sein werden, weil der Bombastfaktor erdrückend hoch ist und die Band nah am Kitsch agiert. Aber da steckt mehr dahinter, diese Band spielt eine stimmungsvolle dunkle und sehr gemächliche Musik, die auf Substanz fußt.
DARK SANCTUARY malen regelrechte Klanglandschaften, durch die der Hörer dahinpilgert, in deren herbstlichen Farben er schwelgt, bis ihm die Sinne zu schwinden drohen. So kann man sich anhand einer mißratenen Scheibe in einer Band täuschen.
Tracklist:
01. La Clameur du Silence
02. Présence
03. D'une Mère à sa Fille
04. L'adieu à l'Enfant (1)
05. L'adieu à l'Enfant (2)
06. Abre los Ojos
07. A quoi bon ?
08. Laissez moi Mourir
09. L'emprisonnée
10. Puisses-tu . . .
11. L'instant Funèbre (L'ultime délivrance de l'Ame)
12. Perdition
13. Les Mémoires Blessées



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