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Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
NOMADSON
First light
Nomadson - First light Acht Songs auf knapp 50 Minuten, yeah, das passt doch wie der Arsch auf den Eimer. NOMADSON sind rein vom Namen her noch nicht so leicht zu kategorisieren, aber wenn ich Albert Bell, seines Zeichens Basser der malteser Doomsquad FORSAKEN, als Bandmitglied erspähe, dann weiß ich sogleich woran ich bin.

Und siehe da, eine Melange aus mittelschnellem Heavy Metal, der durch eine mit viel Leidenschaft bearbeitete Orgel aufgewertet wird und doomigem Geschleppe sorgt für eine Gänsehaut, obgleich man dieses Material nicht unbedingt innovativ nennen kann. Die Melodien, die Riffs, die Strukturen, das kommt einem schon wohl vertraut vor. Aber es ist, as usual, die Frische und Lust, mit der die Band sich an die Materia heranwagt. Und da stimmt alles.

Doom ist auch mehr als nur Popularmusik, Doom ist eine Sache von religiöser Bedeutung. Und bei anderen Religionen weiß man doch auch genau, dass Aufklärung und Erneuerung der direkte Weg in den Abgrund sind. Also bleibt man orthodox und frönt mit intensiver Hingabe den Traditionen. NOMADSON tun dies auf eine sehr eindringliche Weise.

Der Opener hat diese typischen mittelschnellen Heavypassagen, die sich vom Heavybluesrock der späten 60er irgendwann in den Heavymetal hinein entwickelt haben, dazwischen walzen sich wieder und wieder bleischwere und dabei höllenheiße Doomparts bereits erstarrender Lava gleich über den Hörer hinweg. Ein guter Opener, wenn er auch nicht übermäßig spektakulär daherkommt. Aber das ist auch kein Song hier.

„Shallow grave“ ist dann noch doomiger als „Forever twilight“, mit vielen dahinkriechenden Parts, einem von düsteren Orgeln untermalten Stampfpart in der Mitte, worüber der Shouter mit dreckiger Stimme sehr boshaft singt, einem eingängigen und dabei sinisteren Refrain und einigen zurückhaltenden, von Bass und klarer Gitarre dominierten Parts, welche die Atmosphäre noch weiter verdüstern.

„Seven notes in black“ führt diesen Stil fort. Die Orgel dröhnt immer schön unter den Gitarren herum, unverzerrte Passagen, die auch hier vom Basslauf dominiert werden, dringen Dir tief unter die Haut und lehren Dich das Gruseln. Dieser Songs stapft majestätisch aus den Boxen und hat doch einen extrem diabolischen Ausdruck. In der Mitte gibt es dann eine NWoBHM Passage mit tänzelndem Beat und einfachen, aber packenden Riffs von der Gitarre. Die Soli brodeln und dampfen regelrecht, was auch zum Doom gehört wie die Säge zum Tischler.

Mir fällt ein gut ausgesteuerter, transparenter, sehr wuchtiger, dennoch aber natürlicher Sound auf, der die Musik richtig gut in Szene setzt und nichts als die Band präsentiert. Spielerisch und kompositorisch braucht sich das NOMADSON Kollektiv auch nicht zu verstecken, sie haben locker internationales Format. Sie sind anders als ihre FORSAKEN Brüder, kein schwebender symphonischer Schönklang, sondern dreckiger, bluesiger Malocherdoom und urbritischer Heavymetalsound. Eine Mischung aus WITCHFINDER GENERAL, ANGELWITCH, WHITE SPIRIT, dazu Nicky Moore von SAMSON als Frontgaul. So könnte eine derartige Zusammenkunft tatsächlich klingen.

„Delirium“ ist mir nicht weiter aufgefallen, also überspringen wir das und kommen zu „At the thresholds of consciousness“, treibendem Britenmetal mit ruppiger Orgel und feurigen Leadgitarren, der hier und da mal ein wenig langsamer wird, aber sonst im flotteren Mid Tempo verweilt. Das Stück ist so urklassisch aufgebaut und doch packt es Dich und wirbelt Dich umher. Das ist die hohe Kunst des Musizierens, aus den Traditionen die Moderne zu schmieden ohne mit den Wurzeln zu brechen und lieblos armselige Songs dahinzuschlampen. NOMADSON sind eine der wenigen Bands heutzutage, an denen man in keinster Weise herummäkeln kann.

„The wraith“ beginnt mit einem kurzen Orgellauf, dann wird die Melodie von Gitarren und Gesang aufgegriffen. Der Gesang klingt völlig schizophren, weil der Sänger noch eine andersartige Spur in den Hintergrund hat mischen lassen. Die Struktur an sich ist sehr geradlinig, die Atmosphäre extrem endzeitig und bedrohlich. So will ich meinen Doom hören. Keine Kompromisse, einfach nur sprudelnde Magie. Doch da ist dann eine weitere Tanzpassage, wie ich sie nennen möchte, wo Beats und Riffs ohne Ende grooven und in die Runde springen. An sie schließt sich ein verspielter Heavyprogablauf an, dann geht es ins Gitarrensolo über dahinschlendernden Rhythmen und weiter ins Orgelsolo über straightem Doublebassrollen. Der Gesang kommt zurück und die Band beginnt zu wirbeln, während der Gitarrist gleich einem Besessenen soliert. Aus.

„Empyrean fade“ hat etwas erhabenes und schwebendes, was an den hypnotischen Rhythmusläufen der Bassgitarre und dem Orgelteppich liegt. Das Schlagzeug stampft schwerfällig darunter seine Beats und die Gitarre sägt eindringliche Akkordfolgen. Gesanglich gibt es eine straighte, irgendwie boshaft klingende Linie, die sich trotz der bluesigen Boogie Stimme sehr majestätisch anfühlt. Im etwas treibenderen Mittelteil geht der Shouter sehr aus sich heraus, zürnt und donnergrollt den unwerten Erdlingen. Ein kurzes Solo explodiert geradezu in den Song hinein, dann geht man wieder zum schleichenden Stapfen über, welches den Hörer in einen Trancezustand versetzt.

Doommetal ist genau das, beschwörend, hypnotisierend, quasi der musikalische Schlüssel zu den Toren anderer Dimensionen. NOMADSON sind beseelte Doomer, die ihre eigenen Klangrituale vollführen, abseits vom Streben nach Ruhm und Reichtum.

Fehlt noch ein Stück, „The light at the end“ und wenn das nicht episch wird, dann weiß ich auch nicht. Der Titel deutet doch schon drauf hin. Ein Teppich von einem Keyboard im Mellotronsound, ein simpler, aber emotionsgeladener Basslauf, eine klare Gitarre, die immer mal wieder einen kurzen Lick einspielt, ein wenig Piano und ein mit Jazzbesen gespieltes, zurückhaltendes Schlagzeug. „The light at the end“ scheint eine Ballade zu sein. Sanft dahinfließend, den Hörer einlullend, ruhig und doch höchst gefühlsintensiv mit sehr tiefer Atmosphäre. Ich spüre eine Art Traurigkeit der Musik entfleuchen. Der Sänger hält den Ball zwar flach, dennoch ist seine Verzweiflung unüberhörbar, als sähe er sich mit einer Situation konfrontiert, die er nicht mehr ändern kann und die er doch noch zur Kehrtwende zu zwingen versucht. Dieses Stück ist eindeutig zu modern produziert, ansonsten gäbe es eine feine Ballade auf einem BLACK SABBATH Album von 1970 bis 74 ab. Man erwartet eventuell noch eine Steigerung, eine plötzliche Eruption innerhalb des Songs, doch man wartet vergebens. „The light at the end“ schwebt dahin und ist auf einmal vorüber. Betörend schöner Abschluss eines großen Albums.

Tracklist:
01. Forever twilight
02. Shallow grave
03. Seven notes in black
04. Delirium (Instrumental)
05. At the thresholds of consciousness
06. The wraith
07. Empyrean fade
08. The light at the end
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Skull Weitere Infos: Skull

Label:
Metal on Metal

Erscheinungsdatum:
11.07.2008

Verfasser:
SirLordDoom

Autorwertung:
9 v. 10 Punkten
Info: so benoten wir ...

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Datum:
28.09.2008

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