COMMUNIC
Interview mit der Band
Interview: Communic

zu "Conspiracy In Mind"

Für mich sind sie bereits jetzt DER Newcomer des Jahres: COMMUNIC aus Norwegen, die mit ihrem Debüt „Conspiracy In Mind“ eine Klassescheibe vorgelegt haben, die vor allem Sanctuary-/Nevermore-Fans erfreuen dürfte, aber auch dem etwas progressiver veranlagten Hörer wohlige Schauer über den Rücken jagen wird. Doch tauchte diese Band wirklich aus dem Nichts auf, um fortan die Massen zu begeistern? Sänger/Gitarrist Oddleif Stensland klärt auf:

„Während ich bei der norwegischen Band Scariot zockte, reifte die Idee in mir, ein Sideproject aus der Taufe zu heben. Mit Scariot konnten wir zwar auf einen Album-Release und 2 ½ gute Jahre zurück blicken, doch stillte dies nicht meinen musikalischen Hunger, denn in Sachen Songwriting war ich quasi nicht eingebunden. Ich war nur der Sänger und meine Gitarristen-Seite kam nie zum Tragen. Mit der Zeit wurde es mir zu langweilig nur Texte und Gesangsmelodien zu verfassen. Zudem wurde die Musik von Scariot extremer und ließ kaum noch Raum für Melodiebögen meinerseits, was mich dazu veranlasste, zu Beginn des Jahres 2003 Communic ins Leben zu rufen und Tor Atle, der als Drummer auch bei Scariot tätig war, schloss sich mir an. Wir begannen Songs zu schreiben und die Ideen raus zulassen, die sich seit Jahren angesammelt hatten. Irgendwann rief ich Erik Mortensen an, mit dem ich in früheren Zeiten schon in diversen Bands aktiv war. Er war mein einziger Wunschkandidat und bestens geeignet für diesen Job. Unser Grund-Line-Up war komplett und ich beschloss den Fokus auf Communic zu richten und Scariot den Rücken zu kehren, was letztendlich auch zum Split der Band führte.“

Aber schon vor Scariot war das Trio im Underground Norwegens aktiv. „Tor spielte in einigen lokalen Death/Black Metal-Bands, wovon eine auf den Namen Opus Forgotten hörte. Ich startete meine erste Band Clarivoya 1994, in der ich auch das erste Mal mit Erik zusammen spielte. Clairvoya waren ziemlich cool und wir veröffentlichten 1996 eine Demo-CD und spielten einige Gigs unter anderem mit Spiral Architect. 1998 legten wir aber diese Band zu den Akten und ich begann mit einem Projekt namens Ingermanland, woraus zwei Full-Length-Demo-CDs in den Jahren 1999 und 2000 resultierten. Irgendwie hat uns aber keiner richtig verstanden, da die Mucke recht komplex und experimentell ausfiel. Unser Drummer verließ dann die Stadt und ich heuerte bei Scariot an. Erik war bei Ingermanland übrigens auch am Bass zu hören ehe er mit Dimension Psychosphere einige coole Demos ablieferte. Aber jetzt genießen nur Communic unsere Aufmerksamkeit.“

Gibt es irgendwelche offiziellen Demoveröffentlichungen von euch? „Als ich anfing mit der Communic-Idee hausieren zu gehen, war dies eine Art Fortführung von Ingermanland. Lediglich mit einem neuen Bandnamen und nicht ganz so komplexer Musik bestückt. Als ich damit Tor Atle auf meine Seite zog, buchten wir ein für uns kostenloses Wochenende in einem Studio in der Nähe, wo vier Songs just for fun aufgenommen wurden. Das Ergebnis klang richtig cool und so war uns klar, dass wir in dieser Richtung weiterarbeiten wollten. Daraufhin ging es in ein besseres Studio in Norwegen, wo unser erstes Demo realisiert wurde, welches nur in einer Auflage von 100 Stück existiert. Die paar Magazine, die sich eines dieser Teile sichern konnten, waren eigentlich durch die Bank weg angetan und im Rock Hard wurden wir sogar zum Demo des Monats auserkoren.“

… und bei den Kollegen vom Heavy, oder was?! konntet ihr den Titelsong eurer CD auf deren ‘Heavy Metal Crusade’-Compilation positionieren. „Ja, auch von Ihnen erhielten wir ein großartiges Feedback und sogleich das Angebot für diesen Sampler, das wir natürlich nicht ausschlagen konnten.“

Man denkt ja eigentlich, dass die schmissigen und kurzen Bandnamen im Metal-Bereich alle vergeben wären, aber ihr habt euch mit Communic noch ein passendes Banner gesichert. „Meine erste Idee war eigentlich CommunicHate, was aber letztendlich irgendwie keinen Sinn ergab, zumal wir auch gar keinen Haß gegen jemanden hegen, haha! Ich hab’s dann einfach auf Communic verkürzt, was sicherlich von dem Wort ‘communicate’ herrührt und mit unserer Musik versuchen wir eine Art Kommunikation zu führen. Und in irgendeiner Weise machte das dann Sinn für uns ...”

Irgendwie läuft es ja seitdem fast schon zu gut für euch, denn jetzt seid ihr auch noch beim Branchenriesen Nuclear Blast gelandet. „Wir waren selbst überzeugt genug von unserem Demo, um damit direkt die Labels anzugehen und den harten Weg über den Underground dieses Mal außen vor zu lassen. Einen Monat nachdem die Demos ausgesandt waren, unterschrieben wir beim dänischen Intromental Management und gemeinsam mit ihnen wurden die Labels bearbeitet, von denen bereits nach zwei Monaten interessante Angebote eintrudelten. Nuclear Blast waren auch darunter und da dieses Label eine hervorragende Promotionarbeit leistet und zudem ihre Bands auf Tour schickt, war eine Entscheidung schnell gefällt. Mehr oder weniger wurde damit bereits ein kleiner Traum wahr.“

Obwohl ihr nie den Hang zu genialen Melodien und tollem Songwriting verliert, spielt sich alles auf technisch hohem Niveau ab, so dass man meinen könnte, es mit ausgebildeten Musikern zu tun zu haben. „Nein, alle Mitglieder haben sich ihr Spiel selbst beigebracht. Mit der Zeit entwickelt man sich einfach weiter und lernt, aus seinen spieltechnischen Fehlern.“

Einflüsse von Sanctuary und Nevermore lassen sich dabei sicherlich nicht verleugnen. „Wir werden öfters mit diesen und auch einigen anderen Bands verglichen, aber ich glaube, die Einflüsse sind bei uns sehr unterschiedlich, weil auch die Jungs in der Band mit unterschiedlichen Sounds aufgewachsen sind. Tor interessiert sich mehr für die moderne und auch gerne mal extreme Seite des Metals, Erik steht auf Manowar und Konsorten und meine Lieblingsmucke ist der gute, alte Progressive Metal vor circa 10-15 Jahren, aber auch einige Thrash-Bands aus dieser Ära. Diese unterschiedlichen Geschmäcker machen das Ganze auch erst richtig interessant.“

Aber gerade stimmlich konnte ich es kaum fassen, dass es da noch jemanden gibt, der der einzigartigen Stimme eines Warrel Dane verdammt nahe kommt. „Das kann ich nur als Kompliment auffassen. Ich mache einfach nur mein Ding und höre mich eigentlich schon seit 10 Jahren so an, als ich das erste Mal mit dem Gesang vor’s Mikro trat. Aber im Bezug auf die Power und die Stimmbreite hast du sicher nicht ganz unrecht.“

Was darf man sich unter dem Albumtitel ‘Conspiracy In Mind’ vorstellen? „Der Albumtitel bezieht sich auf ein paar Dinge, die wir in der Gesellschaft und der Welt an sich beobachten. Es ist etwas schwer zu erklären, aber ich denke, dass die Leute einen Eindruck von unserer Idee bekommen, wenn sie das Video dazu sehen.“ Bezieht sich diese doch eher realistische Thematik auf das gesamte Album? „Ja, es geht um Dinge, die mich in meinem alltäglichen Leben inspirieren. Schau dir die Nachrichten an und überlege, ob dies wirklich alles der Wahrheit entspricht??? Manche Texte sind dagegen eher persönlicher Natur. Es gibt aber eine Art roten Faden, der die Songs verbindet, ohne in ein Konzeptalbum auszuarten. Allerdings ohne Happy-Endings, da es auch kein fröhliches Album ist J ….“

Die Live-Umsetzung der Songs stelle ich mir zu dritt etwas problematisch vor. „Nun, wir werden zumindest keinen zweiten Gitarristen einstellen, wenn du darauf hinaus willst. Wir haben die Songs zu dritt kreiert, was uns mehr Freiheiten im Bezug auf die Dynamik der Songs und des Sounds lässt. Wir haben vor dem Studiobesuch versucht, einen zweiten Gitarristen zu integrieren, hatten aber das Gefühl, das dadurch einige Details verloren gingen. Unser Plan ist, dass Peter Jensen, der die Keyboards im Studio übernommen hat, uns bei Live-Shows unterstützt, damit wir diese weitere Facette auch auf der Bühne präsentieren können – auch wenn dies letztendlich nicht der entscheidende Part unserer Songs ist. Wir haben bereits im Studio darauf geachtet, dass wir den Keyboard-Parts nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken. Eine Herausforderung bleibt die Umsetzung als Trio aber allemal. Der offiziell erste Gig fand übrigens am 26.02.2005 in Dänemark mit Mercenary statt. Im April geht’s dann auf Europatour mit Graveworm und Ensiferum – vielleicht im ersten Moment eine etwas seltsame Mischung, aber sicherlich hochinteressant. Das Rock Hard-Festival ist ebenfalls bestätigt und vielleicht läuft gerade auf der Festival-Schiene noch etwas mehr.“



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Verfasser:
Hansy

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