DEW-SCENTED
Leif Jensen über die neue Scheibe `Issue VI´

Kurz vor Veröffentlichung des mittlerweile bereits erschienenen, aktuellen DEW-SCENTED Hammers „Issue VI“ schnappte ich mir Sänger Leif Jensen, um mit ihm ein wenig über die Band und das neue Album zu plaudern… so have fun!

Das neue Album ist ja noch nicht veröffentlicht. Aber habt ihr schon irgendwelche Reaktionen Seitens Presse, Fans und dergleichen erhalten?


Ja, wir kriegen derzeit die erste Vorpresse rein, es melden sich auch ein paar Leute zu Wort, die wahrscheinlich irgendwo ein paar MP3’s aufgeschnappt haben und bisher ist es das, was wir uns erhofft haben. Eben dass die Leute verstehen, dass es eine andere Herangehensweise der selben Band ist, die ihren Stil nicht verändert hat. Und es scheinen auch einige neue Leute an die Band heranzukommen, was natürlich sehr begrüßenswert ist.

Inwiefern gab es denn eine andere Herangehensweise?

Wir haben mit „Impact“ ein Album gemacht, das von uns her in Sachen Härte eigentlich nicht mehr zu übertreffen ist. „Impact“ sollte einfach geradlinig, auf den Punkt und sehr aggressiv sein - da haben wir versucht aus einem schnellen Song einen noch schnelleren zu machen. Auf „Issue VI“ wollten wir einfach mehr in die Breite gehen, zur selben Zeit verspielter und melodischer sein, aber auch wieder das Geradlinige nicht außen vor lassen.
Wir haben dieses mal halt auch genommen was beim Jammen so rauskam und uns gefallen hat. Bei „Impact“ war das noch ein bisschen anders. Da gab es Parts, die zwar geil waren, aber einfach nicht in das Muster passten.

Die früher mehr herausstechenden SLAYER-Anleihen habt ihr auch mehr rausgenommen. War das bewusst so geplant?

Eigentlich nicht. Aber natürlich sind wir glücklich, dass der Vergleich, der in meinen Augen eigentlich schon immer gehinkt hat, nicht mehr so oft fällt. Es hat uns zwar immer geehrt, aber ich habs immer mehr als unglücklich und unpassend gesehen. Sicherlich hat man immer ein paar Einflüsse von Bands, die man selbst hört, auf die man steht und mit denen man aufgewachsen ist, aber DEW-SCENTED hatten dennoch schon immer ihr eigenes Wesen. Wir haben uns auch nie daran gemessen und orientiert, und es war halt auch immer ein wenig erschreckend, dass man versucht ein besseres Album als zuvor zu schreiben und dann haufenweise Vergleiche mit Bands hört, auf die wir gar nicht schauen.
Wenn das nun nicht mehr so ist, umso besser.

Vom Drumming her habt ihr auch ein paar Parts und Breaks drin, die so auf alten Platten nicht zu hören waren und auf „Issue VI“ teils richtig geil herausstechen. Wolltet ihr da gezielt technischer werden oder hat sich das so ergeben?

Hat sich so ergeben. Unser Schlagzeuger, der Uwe, ist schon immer ein sehr fitter Drummer. Auf den letzten Platten hat er einfach gerader gespielt, weil sich die Songs dafür angeboten haben. Er hat ein halbes Jahr zwischen Sommer und Winter 2004 wegen Studium von der Band ausgesetzt und kam daher umso motivierter wieder zurück zum finalen Songwriting für die Platte. Wir haben ihn auch dazu animiert sich ein bisschen mehr auszutoben. Die Sachen können ruhig technischer werden, so lange es den Songs selbst nicht schadet.
Mich beeindruckt das bei technischen Bands auch immer, dass sie sehr gute Songs schreiben können und dann tausend kleine Details mit einbauen, die einem erst nach und nach bewusst werden. Sei es bei Soli, Übergängen, Harmonien oder auch der Schlagzeugarbeit. Ja, solange es nicht von dem Song ablenkt, kann eine Band so technisch sein wie sie will. Ist ja oftmal sowieso nur für das geübte Ohr oder für Musiker wirklich erkennbar.

Eure neue Scheibe hat ja schon wieder einen Titel der mit dem Buchstaben „I“ beginnt. Wird das weiterhin so laufen?

Bis es irgendwann unpassend oder peinlich wird, auf jeden Fall. Der Titel ist auch irgendwie symbolisch zu sehen. „Issue“ kann ja auch für Problem, Zerwürfnis oder was weiß ich stehen. Fanden wir im Zusammenhang mit dem Artwork, dem Status der Band, Line-Up Wechsel, dem letzten Album und dem Drang eines Musikers, auf die letzte Platte, auf die man immer noch stolz ist, noch einen drauflegen zu müssen, einfach passend.

Du hast ja das Artwork schon angesprochen. Die ganzen Arme ziert jeweils ein tätowierter Barcode…

…nee, nicht alle… 6 davon nur.

Ah, okay. Und was hat es damit auf sich?

Dass es sechs sind hat natürlich was mit dem Titel „Issue VI“ zu tun. Ansonsten hat die Tätowierung eigentlich nur was mit dem Gesamtkonzept der Platte zu tun, das du, wenn du das komplette Layout der Scheibe in der Hand hast, auch eher verstehen wirst als nur mit der Promo. Es schlägt einfach die Brücke zu den Texten mit Themen wie „Verlust des eigenen Ichs“ in der Gesellschaft, dass wir einfach immer maschineller und unpersönlicher werden und uns als solches geben. Man ist einfach nur noch „Müller Nr. 3“, „Hartmann Nr. 6“ oder „Schneider Nr. 1“. Nicht mehr das, was man wirklich ist. Nämlich eine einzigartige, besondere Persönlichkeit, die als solches auch durch das Leben gehen sollte.

Okay, kommen wir mal auf die Produktion zu sprechen. Die klingt meiner Meinung nach wirklich furztrocken.

Jap, wir haben die Scheibe wieder beim Andy Classen im Stage One Studio aufgenommen, wo wir auch schon die letzten beiden Platten gemacht haben. Wir sind halt etwas anders rangegangen, wollten einen neutraleren, offeneren und transparenteren Sound haben als bisher. Das ist ganz gut gelungen und für dieses Material hat sich das mehr angeboten als eine hochdigitale, „peakige“ Aufnahme, die aufs Maximale ausgereizt ist.

Im Gegensatz zu anderen Bands seid ihr ja auch sehr weit verstreut über die gesamte Republik. Wie läuft das dann bei euch ab?

Naja, ein bisschen unspontaner als damals als wir angefangen haben und alle noch aus demselben Ort kamen. Heutzutage ist das ganze ein bisschen fokussierter und man trifft sich und arbeitet wirklich etwas. Man nutzt seine Zeit einfach mehr. Ist komplizierter als vorher, aber so gesehen vielleicht auch irgendwo professioneller.
Klar vermisst man irgendwo die Kumpels in der Band, mit denen man nicht mehr ständig abhängen kann, aber im Prinzip haben wir uns da mittlerweile daran gewöhnt.

Gibt’s auch Momente, in denen du dir denkst „jetzt reichts, hörn wir auf damit, Ende!“?

Ja, aber das sind meistens irgendwelche Launen und Anflüge. Ernsthafte Gedanken in diese Richtung gab es aber natürlich auch schon. Sei es durch Misserfolge in finanzieller Hinsicht oder dass man durch Line-Up Veränderungen durch muss. Sowas frustriert schon, aber es überwiegt das Ziel mit der Musik vorwärts zu kommen und etwas was in uns drin steckt einfach bei der nächsten Platte oder dem nächsten Konzert wieder rauszulassen. Gerade Sachen wie eine anstehende Tour oder neue Möglichkeiten machen die Zweifel dann auf jeden Fall wett. Momentan sind wir sehr motiviert, haben sehr viel Lust darauf und ich denke das hört man dem Material auch an. Sonst würde es anders klingen…


Mit welchen Bands hast du denn angefangen überhaupt Metal zu hören?

Also ich hatte das Glück, dass ich durch Tape-Trader-Freunde sehr früh an die harten Underground-Sachen rangekommen bin. Ich bin ja in Südamerika aufgewachsen, und da hat es so eine Tape-Trader-Szene gegeben. Ich hab auch selbst bei nem Fanzine mitgearbeitet. Reingekommen bin ich eigentlich durch Sachen wie SLAYER, TESTAMENT oder POSSESSED. Naja, und viele der Bands, die für mich Ende der 80er das Größte waren, sind nun heute leider nicht mehr aktiv… Aber Metal hat ja viel mit Nostalgie zu tun, und da bin ich schon sehr froh, wenn dann Reunions wie letztens von DEATH ANGEL oder auch DESTRUCTION vor einigen Jahren stattfinden. Auch wenn man sich manche eher schenken könnte.
Im Prinzip höre ich aber alles quer durch den Garten. Ich kann mir genauso gut ne TORI AMOS-Platte anhören und danach ne neue HATE ETERNAL. Mir kommt es darauf an, dass es etwas Besonderes in dem Bereich ist, was die Band tut und dass es mich irgendwie bewegt. Manchmal aggressiv, manchmal etwas emotionaler, manchmal unterhaltend und manchmal einfach nur im Background…. Zum Glück gibt es heutzutage einfach sehr viel Qualität in den unterschiedlichsten Richtungen.

Okay! Damit wären wir dann auch schon wieder durch! Besten Dank für die Zeit und das Interview!

Danke ebenfalls und danke an alle, die uns bisher auf unserem Weg unterstützt haben!



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Verfasser:
Päddl

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