CLAWFINGER
Interview mit Sänger Zak Tell

 

Relativ still war es in den letzten Jahren um die Crossover-Pioniere Clawfinger geworden. Die letzten Alben ‚A Whole Lot Of Nothing’ (2001) und ‚Zeros & Heroes’ (2003) fanden zumindest bei der breiten Masse keinen allzu großen Anklang. Nachdem man Anfang des Jahres die ‚Best Of’-CD ‚The Biggest & The Best’ raus gehauen hat, versucht man jetzt mit ‚Hate Yourself With Style’ eine Art Neuanfang, wobei der Sound der drei Schweden immer noch unverkennbar klingt. Sänger Zak Tell ist jedenfalls bestens gelaunt und bereit sich den gierigen Anfragen der Presse zu stellen:

„Alles klar hier – viel zu tun, aber ich wäre verrückt, wenn ich mich darüber beschweren würde, haha! Ich denke, dass zukünftig alles sogar noch besser laufen dürfte.“

Schön zu hören. ‘Hate Yourself With Style’ nennt sich euer neuester Streich und dieses Mal habt ihr wirklich alles selbst in die Hand genommen. Ihr habt die Songs im Alleingang geschrieben, eingespielt und produziert. „Ja, wir haben bereits seit Jahren darüber gesprochen und beim ‚Zeros & Heroes’-Album ist uns das auch fast gelungen, bis wir im letzten Moment noch die Dienste von Jakob Hellner in Anspruch genommen hatten. Dieses Mal aber haben wir alles gemacht und es fühlt sich verdammt gut an. Der Grund hierfür liegt eigentlich auf der Hand: Wir machen diese Geschichte jetzt schon seit 1990 – wofür also sollten wir einen Produzenten benötigen?“

Wie immer habt ihr auch wieder provokante bzw. lesenswerte Lyrics am Start. Fangen wir doch gleich mal mit dem Titelsong des Albums an. „Wir alle hassen uns gelegentlich selbst auf eine gewisse Art und Weise. Viele Leute versuchen zu sehr anderen zu imponieren und leben quasi die Erwartungen der anderen aus. Diese Leute geben ihre eigene Identität und jegliches Individualgefühl auf – das ist genau der Punkt an dem du beginnst, dich selbst zu hassen. Natürlich wäre es beschämend, dies dann zuzugeben und so setzen wir unser Pokerface auf und propagieren, dass alles in Ordnung ist – an diesem Punkt hassen wir uns dann, aber mit Stil.“

Ein Titel wie ‘Right To Rape’ (‚Recht auf Vergewaltigung’) bedarf meiner Meinung nach ebenfalls der Erklärung. „Es geht darum, wie schlecht die Gesetzgebung in Sachen Vergewaltigung ist. Wie krank ist es, dass ein Mann mit einer geradezu lächerlichen Strafe davon kommen kann? Wir leben in einer Welt in der die Gesetze von Männern geschrieben werden. Was würde passieren, wenn Frauen Männer vergewaltigen könnten? Wie würde der Urteilsspruch dann aussehen?“

‘God Is Dead’ hingegen steht völlig in der Tradition eurer frühen Hitsingles. „Für mich ist es fast schon ein altmodischer Clawfinger-Song. Sicherlich auch ein Markenzeichen von Clawfinger, aber sicherlich nicht der aufregendste Moment des Albums. Verstehe mich nicht falsch: Es ist ein guter Song und der Text handelt einfach davon endlich aufzuwachen und den ‚Kaffeeduft’ wahrzunehmen, dass Religion nur aus Hokus Pokus und Märchen besteht. Glaube an dich selbst und daran, dass du die Fähigkeit hast, alles zu erreichen und die Religion wird für dich nicht mehr notwendig sein!“

Glaubst du, dass eure frühen Erfolge manchmal wie eine Art Fluch auf euch lasten, da dies natürlich immer noch die Erwartungshaltung an ein neues Album schürt? Zudem bestand euer Publikum damals doch überwiegend aus jungen Kids, was ja nicht unbedingt mit einer dauerhaften Fanbindung einhergeht. Ihr wart damals eine sehr angesagte Band, ohne euch jetzt wirklich als ‚trendy’ bezeichnen zu wollen. „Nun, ich bin stolz darauf, dass wir länger durchgehalten haben, als viele andere Bands, die in dieser Zeit mit uns auf der Erfolgswelle geschwommen sind. Wir sind uns in all den Jahren stets treu geblieben. Ich habe derzeit auch keine wirkliche Vorstellung, aus welchen Altersgruppen sich unsere Fans zusammensetzen. Es gibt sicherlich noch genügend konservative Leute, die möchten, dass wir immer noch wie 1993 klingen. Andere wiederum mögen es, dass wir uns kontinuierlich weiterentwickeln. Letztendlich sind wir aber, wie bereits erwähnt, immer Clawfinger geblieben. In gewisser Weise ist das neue Album aber schon ein Neubeginn für uns. Alleine die Tatsache, dass wir selten soviel Spaß bei den Aufnahmen hatten und sich das Material einfach gut anfühlt, belegt diese These. Was Trends angeht, so sind Metal-Fans sicherlich mit das Konservativste, was man sich in der Musiklandschaft vorstellen kann, denn die meisten lieben es, wenn sich praktisch gar nichts ändert. Wir können diese vorherrschende Meinung allerdings nicht teilen.“



Gibt es bereits Tourpläne? Und werdet ihr auf Gastmusiker zurückgreifen, da ihr ja offiziell nur noch als Threepiece unterwegs seid? „Wenn ich ehrlich bin, habe ich davon noch keine Ahnung. Aber ich bin sicher, dass unser Manager und unsere Plattenfirma (Clawfinger sind ja inzwischen beim Branchenriesen Nuclear Blast gelandet) in diese Richtung arbeiten. Wir proben jedenfalls intensiv das komplette neue Album, um im Januar/Februar bereit zu sein.“

Denkst du, dass das Wort ‘Provokation’ gut zu Clawfinger passt? „Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist zu hinterfragen, was um dich herum geschieht und nicht einfach die Klappe zu halten. Wenn man das als provokativ bezeichnet, dann sind wir sicherlich verdammt noch mal eine provokative Band. Ich habe etwas zu sagen und nehme dabei keine Rücksicht darauf, was einige Leute darüber denken werden.“

Ihr seid ja jetzt auch schon rund 15 Jahre im Geschäft. Was hat sich für dich im Musikbusiness verändert? „Keine Ahnung – Trends kommen und gehen, wie das schon immer der Fall war. Es gab schon immer eine mehr kommerzielle Seite in diesem Geschäft und eine, die sich mehr auf das musikalische konzentriert. Heutzutage ist alles sicherlich mehr auf Kommerz ausgerichtet und mit weniger Herzblut am Start. Es gibt immer noch viele gute Bands in allen musikalischen Sparten. Man muss eben einfach mal hinter den Charthorizont blicken und dann wirst du immer noch genügend Acts finden, die dich wegblasen.“

Was hältst du vom ‚Nu Metal’? Bist du der Meinung, dass Bands wie Clawfinger auf diese Acts einen gewissen Einfluss ausgeübt haben? „Ich weiß nicht, welche Acts sich speziell auf uns berufen, aber auch hier gibt es wieder großartige und schreckliche Bands und mir ist es eigentlich relativ egal, ob das unter dem Banner Nu Metal, Old Metal, Grunge oder was auch immer läuft. Ich mag einfach Musik, die mich anspricht, und ich verschwende keine Zeit damit, dies zu kategorisieren. Sollten wir wirklich andere Bands beeinflusst haben, so freut mich das. Aber ich habe mir darüber nie ernsthaft Gedanken gemacht, bis Leute wie du mich darauf angesprochen haben, haha!“

Ok – zum Abschluss könntest du vielleicht noch fünf Scheiben nennen, die für dich zum Essentiellen gehört, was das heimische CD-Regal beinhalten sollte.

Dead Kennedys - Plastic Surgery Disasters
Beastie Boys - Paul’s Boutique
Public Enemy - It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back
Faith No More - King For A Day, Fool For A Lifetime
Frank Zappa - Sheik Yer Bouti

..... und jetzt noch ein obligatorischer Abschlusssatz:

„Sei cool – sei du selbst. Genieße Musik mit deinen Ohren und schalte MTV ab!“

 


Leserkommentare:

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1 Kommentar vorhanden:

icey (11.12.2005 16:08:57)

:D

nettes interview

*daumenhoch


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Verfasser:
Hansy

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