Metal District präsentiert...
Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
DARK FORTRESS
E-Mail Interview

"Stab Wounds" war schon ein wahrer Hammer, aber "Séance" übertrifft den Vorgänger sogar noch! Mit welchen Erwartungen seid ihr an die Scheibe herangegangen? Gab es von vorneherein eine Ausrichtung die ihr einschlagen wolltet?

Wir setzen uns selbst nie unter Druck. Das läuft bei uns immer nach dem Motto „expect the unexpected“. Die Ausrichtung war schon bald klar, genauer gesagt in dem Moment als das lyrische Konzept nahezu fertiggestellt war und daraufhin das Songwriting begann. Uns war klar, dass auch die musikalische Ausrichtung viel düsterer und bizarrer ausfallen müsste als noch bei „Stab Wounds“, damit die Musik zu der lyrischen Message passt.

Gerade in den ersten paar Tracks klingt der Gesang verdammt nach Mayhems "De Mysteriis Dom Sathanas", war das so geplant? Oder eher Zufallsprodukt? Denn auch Gitarrenparts und Drumming erinnern oftmals an genannte Scheibe.

Zufallsprodukt würde ich nicht sagen. Es war schon beabsichtigt. Wir hatten zuerst lediglich vor unsere bisherige Tradition was Gastmusiker anbelangt zu wahren und wollten für die von Dir angesprochenen Parts Attila von MAYHEM gewinnen, aber dann überlegten wir uns, dass einfach mal selbst zu versuchen und bei „Ghastly Indoctrination“ hat Seraph diese Vocals übernommen und seinen Job da wirklich hervorragend gemacht. Hatte also alles schon einen Sinn, da wir nach wie vor der Meinung sind, dass „De Mysteriis Dom Sathanas“ so ziemlich das schwärzeste und böseste Album im Black Metal Bereich ist und bis heute von seiner Intensität her unerreicht ist und eine ähnliche Stimmung wollten wir eben auch bei einigen Songs schaffen.

Habt ihr beim Songwriting viel Mayhem, Carpathian Forest und ein wenig Marduk sowie Dark Funeral gehört? Zumindest höre ich, trotz eures eigenen Stils, hin und wieder Parts, die auch zu genannten Bands wunderbar passen würden.

Wir haben uns nicht bewusst mit diesen Bands auseinandergesetzt, falls Du das meinst? Klar machen, bzw. machten diese Bands alle hervorragende Musik, die uns mit Sicherheit auf die ein oder andere Art und Weise inspiriert hat, aber wir sind jetzt nicht hergegangen und haben gesagt: „Song A muss nach MAYHEM klingen, Song B nach CARPATHIAN FOREST, etc...“ Das ist eher eine Art Automatismus, wobei ich ehrlich gesagt Einflüsse von MARDUK und DARK FUNERAL auf „Séance“ nicht erkennen kann.

"Stab Wounds" hatte schon ein leicht verschwommenes Cover, "Séance" nun wieder. Welche Bedeutung hat das Coverartwork für euch und warum habt ihr euch von Zeichnungen wie auf "Profane Genocidal Creations" oder "Tales From Eternal Dusk" abgekehrt?

Nicht nur das Coverartwork, sondern die komplette visuelle Gestaltung ist für uns ebenso wichtig, wie Texte und Musik, weil wir stets darauf abzielen, dass diese drei genannten Komponenten eine möglichst perfekte Symbiose bilden und dafür könnte ich mir niemand besseren als Travis Smith vorstellen, weil seine Werke „Séance“ noch stimmungsvoller und realistischer machen. Genau das ist auch ein Grund, warum wir uns seit „Stab Wounds“ von gezeichneten Coverartworks abgewendet haben. Ich verbinde mit gezeichneten Bildern nämlich immer fiktive Geschehnisse, und da sowohl die Thematik auf „Stab Wounds“ als auch auf „Séance“ real war, weil ich diese Thematiken auf die eine oder andere Art alle erlebt habe, wollte ich auch ein möglichst reales und authentisches Cover, dass dem Hörer die Texte und die Musik noch näher bringt.

Wie wichtig sind euch Klischees?

Klischees gehören in gewisser Weise zum Black Metal dazu. Dinge wie Corpsepaint, Patronengurte usw. sind wichtige Utensilien, die allerdings einzig und allein dazu dienen, die Stimmung der Musik und der Texte zu untermalen. Sobald Image die Musik verdrängt, wirkt es nur noch aufgesetzt.

Ihr seid nach einigen Labelwechseln nun bei Century Media gelandet. Wie sind eure Erfahrungen bisher? Was lief bei den vorherigen Plattenfirmen schief?

Bisher sind wir überaus zufrieden mit Century Media. Anfangs waren wir schon fast erschrocken, wie professionell ein Label eigentlich arbeiten kann, denn damit waren wir speziell bei unserem vorigen Label nicht gerade gesegnet. Mit Red Stream waren wir eigentlich ziemlich zufrieden. Das einzige Problem bestand in der Entfernung, weil es schon schwierig ist, wenn der Sitz des Labels in den USA ist. Da kann man nicht mal eben zum Telefon greifen und anrufen, wenn was nicht stimmt, weil das schon gar nicht zu finanzieren wäre, regelmäßig in die USA zu telefonieren. Ausserdem war dadurch bedingt auch die Promotion in Deutschland kaum vorhanden und wir hatten den Eindruck, dass wir mehr Fans in den USA als in Europa hatten. Tja, und bei Black Attakk war dann die Promotion überaus gut, aber null Vertrauen da, weil stets leere Versprechungen gemacht wurden, man musste immer wieder seinem Geld hinterherlaufen und alles mündete dann in ein totales Chaos, was eine weitere Zusammenarbeit unmöglich machte. Und bei Century Media ist auf einmal alles so einfach, dass es richtig angenehm ist.

Gibt es eine Veröffentlichung mit der ihr überhaupt nicht mehr zufrieden seid? Was würdet ihr gerne ändern?

Naja, „Tales from eternal Dusk“ war ein solides Debüt, nicht mehr und nicht weniger. Es offerierte qualitativ gute Musik und meines Erachtens fehlt dem Album eine eigene Note, die eigene Identität. Am wenigsten zufrieden sind wir nach wie vor mit „Profane Genocidal Creations“. Wir waren schon nach Fertigstellung des Albums höchst unzufrieden damit und mich eine Zeit lang viele Leute nicht verstanden, warum ich denn unser eigenes Album in Interviews schlechtreden würde, weil das ja kaum gute Promotion wäre! Tja, aber warum sollte ich ein Album über den grünen Klee loben, wenn darauf so viel schiefgelaufen ist, dass ich es mir selbst nicht anhören kann??? Da bleibe ich lieber bei der Wahrheit und sage, wenn ich es scheisse finde. Wenigstens haben wir aus den Fehlern von „Profane...“ gelernt. Wir dachten damals, ein derart renommiertes Studio wie das Grieghallen Studio könnte uns den perfekten Sound wie auf „In the nightside eclipse“ z.B. verpassen und in einem solchen Soundgewand würden viele der Songs bestimmt auch anders wirken, aber die Realität sieht halt leider so aus, dass wir nur 10 Tage Zeit hatten um ein knapp 70-minütges Album aufzunehmen und zu mixen und das ist schier unmöglich! So kam es dazu, dass es erst mal schon Probleme mit den Gitarrenamps gab, was zur Folge hatte, dass der Gitarrensound auf dem Album total dünn klingt. Zudem kam noch meine schlechte gesangliche Leistung, weil ich in solch sterilen Tonstudios so gut wie nie an meine Leistungsgrenze gehen kann. Ausserdem wurden wir dann gerade noch mit den Recordings fertig und den Mix mussten wir aus der Hand geben. Nichts gegen Pytten und Davide, die im Grieghallen wirklich hervorragende Arbeit leisten, aber unter solchem Zeitdruck so ein langes Album aufzunehmen und dann noch zu mixen, geht halt leicht in die Hose und genau so kam es auch. Aber wie gesagt haben wir aus all diesen Fehlern gelernt und schon bei „Stab Wounds“ die komplette Produktion selbst in die Hand genommen und schon war auch das Resultat gleich viel besser und nahezu perfektioniert haben wir das Ganze erst auf „Séance“.

Wie reagiert ihr auf "fehlgeleitete" Typen, die sich mit der rechten Hand nach oben gerichtet in eure Konzerte stellen? Wie steht ihr allgemein zu rechtsgeneigten "Black Metal"-Fans und -Bands?

Solche Leute habe ich auf unseren Konzerten schon lange nicht mehr gesehen. Diesen Leuten sind wir viel zu „untrue“ und kommerziell! Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Politik, egal welcher Ausrichtung, nichts mit Metal zu tun hat! Leider hat sich diese „Szene“ halt nun mal so entwickelt, dass es extrem viele dieser NSBM-Bands gibt, worunter andere deutsche Bands zu leiden haben, die nichts damit zu tun haben, weil immer wieder Vorurteile existieren und alle Bands über einen Kamm geschoren werden. Eine ziemlich negative Entwicklung, an der die Medien meines Erachtens eine gewisse Teilschuld tragen, weil sie derartigen Bands immer wieder eine Art Plattform bieten, und wenn es nur Boykottaufrufe gegen derartige Bands sind, aber auch negative Publicity ist gute Publicity und davon profitieren solche Bands auch ungemein. Man braucht sich ja nur mal vor Augen führen, welche Bands bei Ebay am meisten Geld bringen. Das sind nicht etwa irgendwelche Black Metal-Raritäten von Anfang der 90er, nein, es sind Bands, die noch gar nicht so lange existieren, aber eindeutig dem NSBM-Lager zugehörig sind. Und diese Entwicklung liegt bestimmt nicht daran, dass diese Bands so einzigartige Musik machen würden! Metal war schon immer ein Stück weit Rebellion und Provokation und irgendwann hat halt Satanismus niemanden mehr geschockt oder provoziert und dann fing das mit dieser NSBM-Bewegung an und offensichtlich ging deren Konzept auf!

Wie steht ihr zum "Comeback" von Dissection? Habt ihr sie live gesehen? Was haltet ihr von dem neuen Material?

Wir haben auf ihrer Comeback-Tour zwei Konzerte in München mit ihnen gespielt und was ich gesehen habe, hat mich schon sehr enttäuscht, weil ich früher ein sehr großer DISSECTION-Verehrer war, aber sowohl bei diesen beiden Konzerten als auch bei ihrem Auftritt in Wacken fand ich sie ehrlich gesagt ziemlich langweilig und ihre Darbietungen total uninspiriert. Da fehlte bei Songs wie „Night’s Blood“ die Magie früherer Tage und das neue Material klang für mich eher nach alten IN FLAMES als nach DISSECTION.

Was treiben Dark Fortress, wenn sie nicht gerade auf den Bühnen der Welt unterwegs sind und dem stinknormalen Alltag nachgehen?

Wir sind ziemliche Chaoten und manchmal fragen wir uns selber, wie es ein Chaotenhaufen wie wir so weit schaffen konnte haha! Oftmals sind wir alle ziemlich verplant und Organisation ist bei uns meistens ein Fremdwort! Ausserhalb der Band gehen wir alle normalen Berufen nach oder studieren. Genauer gesagt arbeiten nur Asvargr und V Santura und der Rest studiert.

Wie sehen eure Zukunftspläne in Sachen Band aus?

Erstmal wollen wir „Séance“ bestmöglich promoten und wir werden definitiv ein bis zwei Touren im Jahr 2006 spielen, was schon längst mal Zeit wurde. Genaueres hierzu kann ich aber noch nicht sagen. Festivals wären auch sehr gut gewesen, aber leider haben die meisten Festivals ihre Planungen schon nahezu abgeschlossen, was das Billing angeht, also müssen unsere Fans da eher auf 2007 warten.

Besten Dank für eure Zeit und "Séance"!

Dank Dir für das Interview und den Support!



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Verfasser:
Päddl

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