

Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
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CATARACT
Interview mit Simon |
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Die Schweizer CATARACT sind zur Zeit neben den wieder erstarkten, aber höchst umstrittenen CELTIC FROST, das Aushängeschild extremer Musik ihres Heimatlandes. Mit den letzten drei Alben lieferte man nicht nur international anerkanntes Kraftfutter der höchsten Qualitätsstufe ab, man konnte im Zuge des Metalcore-Hypes auch immer mehr Fans aus dem Metal-Lager dazu gewinnen. Höhepunkt dieser beidseitigen Annäherung ist der aktuelle Silberling „Kingdom“, der in allen bekannten Mags mit Lob und guten Bewertungen überhäuft wird. Gleichzeitig stellt sich die große Frage, inwieweit man hier überhaupt das schubladenhafte Denken Death/Thrash/Metal/Core überhaut noch aufrecht erhalten kann/will. Zu diesem und anderen Themen hatte Gitarrist Simon einiges zu erzählen.
Hi, zugegebener Maßen habe ich mich bei den ersten Durchläufen zu „Kingdom“ sehr schwer getan. Eine Möglichkeit, warum die Scheibe am Anfang nicht bei mir einschlug war die hohe Erwartungshaltung meinerseits an die neuen Songs nach den letzten beiden Kracher-Alben. Habt ihr im Vorfeld etwas von der allgemein gestiegenen Erwartungshaltung an euch gespürt und wie seid ihr damit umgegangen?
Schwer getan? Das ist seltsam. Es ist 100% CATARACT. Hm, das kann sein, aus deiner persönlichen Warte heraus gesehen. Wir hatten nie Druck oder haben uns um Erwartungen geschert, um ehrlich zu sein. Wir haben das auch gar nicht so mitgekriegt. Uns war es einfach wichtig, uns nochmals einen Schritt nach vorne zu bewegen, ohne uns zu „verraten“. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen.
Das du dich schwer getan hast, kann auch daran liegen, dass sich ein paar Sachen stark weiterentwickelt haben und einen Einfluss auf die CD hatten. Z.B. die Vocals. Sie wurden von uns viel klarer in den Vordergrund gesetzt. Mehr wert auf Dynamik und Brutalität gelegt. Oder auch der Gitarrensound wurde verändert. Viel mehr auf den Punkt. Dies ist allgemein so. Hinzu kommt, dass wir zum ersten Mal Sachen ausprobiert haben, die vielleicht auf den ersten Blick nicht richtig erkennbar sind, sondern einfach beim Durchlauf unbewusst wahrgenommen werden.
Erwartungsdruck hat uns jeden Falls nicht dazu bewogen, nur unser Wille und unser Ziel vor Augen.
Eine zweite Möglichkeit ist die mittlerweile völlig aus dem Ruder gelaufene Veröffentlichungsflut an CDs. An jede zweite Melodic Death-Band wird mittlerweile der Sticker „Metalcore“ geklebt und die Bands fügen klaren Emo-lastigen Gesang ein. Egal ob es passt oder nicht. Wie steht ihr zu dieser aktuellen Entwicklung?
Ich glaube nicht, dass wir in die gängige Veröffentlichungsflut der Metalcore Alben passen. Persönlich bin ich deiner Meinung, es ist wie bei jedem Trend, irgendwann ist alles zuviel. Ich persönlich mag diese emo-lastigen Gesangseinlagen eh nicht. KSE sind meine absolute Lieblingsband in dem Bereich und damit hat sich’s. Als Band sind wir allgemein keine Fans davon, darum wird es auch nie irgendwelche Emo-Teile bei uns geben.
Es ist zum Teil wirklich absolut bewusst und berechnet von Bands, wenn dies heute als neues Element hinzugefügt wird, nachdem die Band seit Jahren existiert. Ich weiß nicht, ob das gut ist, aber darüber mache ich mir nicht viele Gedanken.
Wir bleiben uns treu und ich denke, somit stechen wir aus dem ganzen Kuchen heraus. Es gibt keine Metalcore-Band die klingt wie wir.
Apropos Etikett Metalcore. Ich schrieb im Review, dass sich vor allem die Gitarrenfraktion auf „Kingdom“ das Dreigestirn SLAYER, MACHINE HEAD, BOLT THROWER als Haupteinflüsse auf die Fahne geschrieben haben. Auf „Great Days Of Vengeance“ war das noch nicht so ausgeprägt und auf „With Triumph Comes Loss“ wurde es zumindest schon angedeutet. Woher kommt diese deutliche Entwicklung Richtung oldschool Thrash und Death (wobei dies keine Kritik darstellt, mir gefällts!) und kann man bei CATARACT überhaupt von einer Metalcore-Band sprechen? Wäre das Etikett Metal für euch mittlerweile nicht viel passender? (Um mal den Erbsenzähler und Schubladendenker raushängen zu lassen;-))
Danke erst mal für das das Kompliment. Damit hast du auch schon einen weiteren Grund dafür gegeben, warum wir anders sind als das gängige Metalcore-Genre. Nein, wir hängen uns keine Etikette auf den Banner. Wir sind CATARACT. Es ist lustig, praktisch niemand steckt uns mehr in diese Schublade, eher wieder mehr zum Hardcore oder Thrash/Death Metal. Also liegst du mit dem Erbsenzählen richtig, hahahahaha.
Zur Frage der Entwicklung: Diese kam ganz natürlich zu Stande. Wenn du viel live spielst und auch sonst eine Band bist die sich 3-4 mal in der Woche trifft um zu jammen und spielen, dann wächst dein können in irgendeine Richtung. Wir wollten immer brutaler und härter werden und uns ganz klar zu unseren Einflüssen bekennen. Wir machen keinen Hehl daraus. Die Welt kann man nicht mehr neu erfinden, aber sich abgrenzen und seinen Weg gehen ist etwas, dass wir verfolgen. Das Etikett Metal kann genauso gut für uns stehen, wie jedes andere im harten Musiksektor. Wir sind CATARACT und machen CATARACT Musik. Die Produktion geht meiner Meinung auch mehr Richtung typischem, organischem Thrashsound und steht somit dem Trend der hochdigitalisierten Gitarrensounds gegenüber, welche ihr noch auf der letzten Scheibe hattet. Dieser passt natürlich bombig zur musikalischen Ausrichtung der Gitarren. Dies entspricht aber nicht einer typischen Tue Madsen-Produktion. Hattet ihr mit Hr. Madsen ein paar Kämpfe auszutragen um diesen Sound zu bekommen und was waren generell die Unterschiede zu euren sonstigen Studioaufenthalten?
Damit liegst du richtig. Hand gemachte, live klingende Musik ist seltener geworden und wir stehen nun mal auf Echtheit in der Musik. Ich hasse Bands, die live total anders klingen als auf CD! Das ist doch Verarschung. Und du hast auch recht damit, dass die Aufnahmen, etc. zur Musik passt. Das ist und war auch das Ziel.
Nein, Kämpfe hatten wir überhaupt nicht. Es war eher so, dass Tue uns bis zu den Aufnahmen hin stetig begeleitet hat und den Prozess gefördert hat, auch soundmässig. Er ist für uns wie ein 6. Bandmitglied, wenn es um Aufnahmen geht. Schon als wir begonnen haben, die ersten Songs fertig zustellen, hat er diese gehört. Die ganze Pre-Production Phase hat er mitgekriegt und dann seinen Input zum Sound gegeben. Er hat diesen Prozess mitgefördert und auch den Sound dazu.
Das ist zugleich auch der Hauptunterschied zu den letzten Aufnahmen: Der Produzent war viel mehr Teil vom Ganzen um eine Einheit zu bilden. Er ist mittlerweile ein guter Freund und wir wollten enger zusammenarbeiten, weil wir beim letzten Aufenthalt schon gemerkt haben, dass wir auf einer Wellenlänge sind und uns beide zu Höchstleistungen anspornen können. Somit ist eigentlich auch auf diesem Sektor eine Entwicklung die sich als ganzes Team so ergeben hat. Wir sind sehr froh darüber, so arbeiten zu können. Das hilft bei der Kreativität enorm. Und uns war allen bewusst, dass wir natürlich und live klingen wollten.
Um noch mal auf das Thema Metalcore zurück zu kommen. In Sachen Klamotten geht es ja sehr militärisch zu. Caps, Armyhosen, Stiefel, Militärjacken usw. Auch ihr habt auf eurem Merchandise so Zeug wie Wappen, Adler u.ä. Woher kommt im Metalcore und auch in manchen Teilen der Metalszene deiner Meinung nach dieses Faible für das Militär? Schließlich sind die meisten Fans und Musiker eher Kriegsdienstverweigerer, mich eingeschlossen.
Das hat wohl eher mit Image und Provokation zu tun als mit Krieg, denke ich. Wir sind auch hier anders. Wir sind Fans und normale Kids, wir steigen mit Jeans/Turnschuhen und einem Shirt auf die Bühne. Punkt. Alle sollen sehen, dass wir Menschen sind, Fans die für Fans Musik machen.
Was das Merchandise betrifft: Das hat sich aus dem Konzept für „Kingdom“ ergeben. Es hat aber nichts militärisches an sich. Wir sind alle Verweigerer und haben mit allem Kriegsähnlichem nichts am Hut! Das Merch ist natürlich auf das Layoutkonzept abgestimmt. Uns gefällt die Symbolik der Zusammengehörigkeit, quasi ein Familienwappen für die Band zu haben oder ein Goat als Erkennungszeichen. Goats sind die Wächter der Hölle, sprich des Bösen. Dass dies heute mit Krieg assoziiert wird, sagt ja wohl alles. Wir sind eine große Familie und das wollen wir auch mit dieser Symbolik an den Tag legen. Ich denke auch hier sind wir anders als alle anderen.
![]() Von LAMB OF GOD gibt es die sehr geile DVD „Killadelphia“. Meint ihr nicht, mit „Kingdom“ im Rücken und euren 8 Jahren auf dem Buckel, wäre es Zeit so ein Teil in Angriff zu nehmen? Oder spart ihr euch dies für euer 10jähriges auf?
Hahaha, das wäre was! Wir haben noch keine Ahnung, was wir machen werden, aber wir werden sicher wieder irgend etwas spezielles machen. Das steht fest, aber wie du sagst, erst zum 10-jährigen. Wir haben zwar jetzt die unglaublich geile Release-Show gefilmt, aber wir müssen zuerst mal schauen, was dabei rauskommt. Beim 10-jährigen werden wir aber sicher etwas cooles machen. Und ja, die "Killadelphia" ist eine geile DVD!
Wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst. Habt ihr alles erreicht, was ihr mit CATARACT erreichen wolltet und wo soll der Weg die nächsten Jahre hingehen? Vielleicht zum Grandprix d’Eurovision? LORDI haben ja gezeigt, dass man auch mit harter Mucke da gewinnen kann. Das wäre doch was, ein Schweizer Grandprix-Sieg, geholt von CATARACT. ;-)
Nein, noch lange nicht. Es gibt noch so viele Träume, die wir verwirklichen wollen. Klar haben wir unglaublich viele Ziele erreicht, die wir uns gesetzt haben oder wovon wir immer geträumt haben, aber das sind noch einige offen. Ich glaube auch, dass nie Ende sein kann mit Träumen, sonst wären wir arme Kerle. Hahaha, ja aufgrund von LORDI haben wir nun Chancen für die Schweiz teilnehmen zu können! Das wär ja was, hahahaha. Das wäre ja, also ob Iron Maiden für UK antreten würde... na ja, zumindest fast, hahahaha.
Nein, das wird es sicher nicht geben, aber wir haben noch Ziele. Wir touren mit unseren Freunden BORN FROM PAIN in US, Australien und Japan oder auch noch eine weitere coole CD machen. Sachen, die erreichbar sind oder auch solche Sachen wie auf Tour gehen mit SLAYER. Eher unerreichbar, aber träumen darf man noch.
Zum Abschluss eine Frage aus dem Bereich Kultur. Angenommen du stehst einem Menschen gegenüber, der noch nie Punk, Metal oder ähnliches gehört hat (z.Bsp. einem Inder aus einem Dorf in der tiefsten Provinz), wie würdest du ihm erklären, was ihr macht, so dass er dies auch versteht?
Das würd ich kurz halten: Wir machen dasselbe wie sie in Ihrer Kultur: Handgefertigte, bodenständige Musik mit Instrumenten, die nichts mit Computern zu tun haben. Wir legen unsere Passion in die Musik und drücken damit aus, was wir am meisten lieben. Mehr kannst du nicht.
So, für dich noch die letzte Chance ein Wort an die Leser zu richten. Ansonsten danke für das Interview!
Vielen lieben Dank für das Interview. Ich hoffe, du hast dich nun angefreundet mit dem AlbumJ. Hoffe, wir sehen alle, die das lesen live! Check www.cataract.cc für die exakten Daten! Danke für den Support!
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