Metal District präsentiert...
Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Interview mit Fuchs

FRIEDE SEI MIT DIR …



… ist der neue Leitspruch der apokalyptischen Reiter und der Opener des neuen Hammeralbums ‚Riders On The Storm’. Wir sprachen mit Frontmann Fuchs über Liebe, Leidenschaft und Alltag.

„Über die Entstehung des Werks könnte ich eigentlich ein Buch schreiben. Das Album ist schon länger im Kasten, wurde aber aus labeltechnischen Gründen verschoben, und wir sitzen quasi auf heißen Kohlen, um endlich wieder auf Tour gehen zu können. Sicherlich ist ‚Riders On The Storm’ realitätsbezogener als der Vorgänger ‚Samurai’, der noch stark von meinen Reiseerlebnissen beeinflusst war. Jetzt war ich viel mehr zu Hause und habe auch Entsprechendes mitbekommen. Dr. Pest (Keyboards) hat ja ein kleines Studio hier in Weimar und dort haben wir zunächst an den Songs gearbeitet, um diese letztendlich im Principal Studio zu Münster aufzunehmen. Es war klasse dort zu arbeiten, denn es liegt sehr abseits und außer Musik kann man da eigentlich auch nichts machen. Obwohl das Studio über ein eigenes Kino, einen Billardtisch etc. verfügt. Auch die Aufnahmezeiten kamen uns Musikern sehr entgegen und wenn du nachts um 3 Uhr Bock gehabt hast zu proben, war das auch möglich. Da stand sogar ein echter Flügel rum, den wir auch für die Aufnahmen verwendet haben.“

Du hast schon erwähnt, dass ‚Riders On The Storm’ realitätsbezogener geworden ist. Daneben würde ich auch noch anmerken, dass in Sachen Härte und Brachialität auch wieder ein wenig zugelegt wurde. „Ich selbst bin zu voreingenommen, um das nachvollziehen zu können. Aber da dies schon mehrere Leute gesagt haben, ist es dann wohl auch so.“

Bis auf einzelne Sätze habt ihr dieses Mal quasi völlig auf englische Texte verzichtet. „Das war eigentlich keine wirklich bewusste Entscheidung. Wenn du komplizierte Themen oder Gefühle thematisierst, ist es natürlich leichter, sich in seiner Muttersprache auszudrücken. Uns ist auch aufgefallen, dass wir kaum noch englische Songs im Liveprogramm haben, denn es ist einfach ein sehr schönes Gefühl, wenn die Leute Zeile für Zeile deine Lieder mitsingen. Bei den englischen Songs ist es mir auch noch nicht passiert, dass hinterher einer zu mir kam und meinte ‚Hey – der Song hat mir echt Kraft gegeben und mich durch die schlechte Phase meines Lebens geleitet!’“

Den Reitern gelingt es selbst einen auf den ersten Blick kitschigen Titel wie ‚Liebe’ absolut klischeefrei und mit ihrer ureigenen Art behaftet rüber zu bringen. „Komischerweise finden die Männer den Song alle gut und die Frauen nicht so, haha! ‚Schenk mir heut Nacht’ finden dagegen die Frauen toll. Und ich dachte immer, dass müsste genau anders herum sein. Den textlichen Inhalt von ‚Liebe’ kennt wahrscheinlich jeder. Die Suche oder der Wunsch nach der reinen Liebe, die hier natürlich als Ideal beschrieben wird. Die Realität sieht natürlich viel rationaler aus. Entstanden ist der Song in Portugal als ich am Strand saß, die Sonne gerade unterging und die Fischer mit ihren Booten nach Hause kamen. Ich hatte schon ganz gut Vino getankt und Stress mit meiner damaligen Freundin und so entstehen eben solche Songs.“

Wie kommen die Reiter eigentlich im nicht deutsch sprechenden Ausland an? „Bislang sind die Reviews sehr gut. Selbst in England, die sich ja gerne massiv gegen deutsche Bands stellen, sind wir im dortigen Metal Hammer akzeptiert. Die USA ist natürlich auch sehr schwierig für uns. Aber das ist eher ein patriotisches Problem, da die Leute dort doch sehr auf ihre eigene Musik schwören. Frankreich hingegen läuft sehr gut. Das ist nach Deutschland unser zweitstärkstes Land. Aber auch Italien, Spanien oder Portugal ziehen langsam nach.“

Wenn du auf die letzten 10 Jahre der apokalyptischen Reiter zurück blickst, bist du dann der Meinung, dass euer angepeiltes Ziel in etwa erreicht wurde? „Sicherlich war es kein gradliniger Weg. Mir kann eigentlich keiner erzählen, dass etwas ohne die üblichen Höhen und Tiefen abgeht. Wenn du auf den großen Festivals spielen kannst und die Leute mächtig abgehen, dann ist das natürlich schon eine tolle Sache, genauso wie ein Charteinstieg. Dann gibt es natürlich die Schattenseite, wie das Problem von mir und unserem Drummer mit den Gelenken. Da steht die Band dann schon vor einer Bewährungsprobe. Aber in solchen Momenten beweist man sich auch, was einem das alles wert ist. Letztendlich ist alles schön so und begründet, wie es mit uns gelaufen ist.“

Auch wenn ich weiß, dass dir Fußball völlig irgendwo vorbei geht, brennt mir doch die Frage auf den Lippen, was du so über die Weltmeisterschaft und vor allem über die Emotionen und Stimmungen im Land denkst. Glaubst du, dass dies eine Art Aufschwung in unserem Land mitbewirken kann? „Ich denke eher nicht. Das fiel wohl mehr unter die Kategorie ‚Brot und Spiele’. Die Leute waren abgelenkt und in dieser Zeit wurden ja gleich einige Sachen von der Regierung beschlossen, die aufgrund dieses sportlichen Ereignisses sicherlich weniger kritisiert wurden, als dies normalerweise der Fall ist. Die Realität hat die Leute dann auch wieder schnell eingeholt. Das Jammern ist ja auch ein wenig Volksseele bei uns, was sich nicht so einfach ausschalten lässt. Ich war ja eine Weile in Portugal und muss sagen, dass die Leute dort noch mehr jammern. Deren Lieder hören sich teils an wie Klagegesänge. Meine russischen Freunde gehören auch zu dieser Fraktion, haha!“

Seit September 2006 sind die Reiter übrigens wieder flächendeckend in unseren Breiten und im restlichen Europa unterwegs.



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Verfasser:
Hansy

Datum:
11.09.2006

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