

Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
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COURAGEOUS
Interview mit Chris und den Jungs |
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Im Hause COURAGEOUS hat sich dieses Jahr einiges getan. Bassisten wanderten durch das Line up wie sonst nur Louis Trenker durch die Alpen, man wechselte das Management, es gab die obligatorischen, chaotischen Zustände im Studio, man spielte Gigs mit den Göttern VICIOUS RUMORS, bekamen das Angebot mit Tim „Ripper“ Owens BEYOND FEAR auf Tour zu gehen und spielte so nebenbei das beste Album der bisherigen Karriere ein. Gesprächsthemen gab es also wie immer mehr als genug. Um den guten Chris ein wenig zu entlasten und die anderen ein wenig maulfaulen Jungs zu fordern wurde das Beantworten der Fragen ausnahmsweise auf mehrere Schultern verteilt. Here we go!
Soweit ich mitbekommen habe, gab es bisher nur extrem positive Reviews zu „Downfall Of Honesty“. Wie fühlt man sich so, wenn selbst die größten Kritiker (wie meiner einer) euch nur so mit Lob überschütten?
Chris: Sehr geehrt und ist eine Bestätigung für die geleistete Arbeit. Du hast Recht, wir haben durchweg sehr positive Kritiken bekommen. Darauf sind wir sehr stolz, denn wir sind mit "Downfall Of Honesty" sehr zufrieden. Es wird voraussichtlich nicht der große Wurf werden, was die große Kohle betrifft, aber eine ordentliche Duftmarke dürften wir im Business hinterlassen haben. Das ist für die Zukunft nicht schlecht.
Ich denke, mit eurem 4. Album habt ihr endlich euren eigenen Stil etabliert. Auch wenn man die Einflüsse immer noch klar heraushören kann, habt ihr euch soundtechnisch meiner Meinung nach klar positioniert. Auf den nächsten Scheiben dürfte es im Prinzip nur noch ums Feintuning gehen, oder wie siehst du das?
Chris: Es geht immer weiter. [Na, als Frankfurter wirft man aber nicht mit Olli Kahn Zitaten um sich. Das gehört sich nicht.-Anm. des Verf.] Wer weiß, wie die nächste Platte klingen wird. Wir machen uns darüber nicht sehr viele Gedanken und lassen uns da auch nicht von außen beeinflussen. Unserer Meinung nach klangen wir bereits mit "Inertia" sehr eigenständig und haben das jetzt einfach fortgesetzt.
Ich denke, wenn jemand eine bestimmte Band in unserer Musik hören möchte, dann wird er auch Ansätze dazu finden. Das ist einfach so, da kannst du nicht viel machen. Wenn wir im Proberaum stehen und mit dem Songwriting für eine Scheibe beginnen, dann gibt es nur uns. Wenn mein Gesang und Olivers schräge Gitarren dazu kommen, dann klingt es immer nach COURAGEOUS. Grundsätzlich sind wir mit der eingeschlagenen Richtung sehr zufrieden, so dass kaum Notwendigkeit besteht, den Kurs nun zu ändern. Lasst euch einfach überraschen.
Zu eurem Produzenten Uwe Lulis, der im Übrigen einen richtig guten Job abgeliefert hat, habt ihr ein recht freundschaftliches Verhältnis. Wie läuft die Arbeit im Studio mit ihm ab und wollt ihr auch die nächste Scheibe wieder mit ihm aufnehmen?
Chris: Auch das kann ich im Moment noch nicht beantworten. Klar, es wäre die einfachste Variante, zumal wir uns sehr gut verstehen und die Arbeit im Studio unglaublich viel Spaß gemacht hat. So etwas hängt von vielen Faktoren ab.
Es geht um Zeit, Geld und den Vorstellungen der Band, dem Produzenten und letztendlich auch der Plattenfirma. Bei der "Downfall" hat Uwe gar nicht so viel Einfluss auf die Musik genommen, sondern lieber Tipps gegeben. Er war auch sehr wertvoll für die Stimmung in der Band, denn es läuft nicht immer alles rund während einer Produktion. Da gibt es viele Höhen und Tiefen sowie etliche Diskussionen. Uwe hat immer darauf geachtet, dass sich die Musiker wohl fühlen. Wenn es denn mal ein schlechter Tag war, hat er auch schnell abgebrochen und einem zum Essen oder zu einem Kaffee eingeladen. Nur gut, dass Uwe ohne Stechuhr arbeitet.
Ich kann mich daran erinnern in einem älteren Interview mit euch (noch für mein altes Webzine) angemerkt zu haben, dass Mausoleum nicht unbedingt den besten Ruf hat. Damals standet ihr kurz vor der Vertragsunterzeichnung und ward dementsprechend relativ euphorisch. Mittlerweile habt ihr die zweite Platte über das Label veröffentlicht und, was der Leser nicht wissen kann, gab es diverse Probleme mit den Promotion-Aktivitäten. Wie seht ihr nach den letzten Vorkommnissen die Zusammenarbeit mit Mausoleum?
Chris: Zu Beginn waren wir tatsächlich sehr euphorisch, da sich Mausoleum durch großen Enthusiasmus ausgezeichnet haben. Wir wussten schon in etwa, auf was wir uns da eingelassen haben, doch die Tücke liegt bekanntlich im Detail.
Was soll ich groß sagen? Wir haben viel gelernt – viel Erfahrung vor allem. Die Schwierigkeiten bei der Promotion zur "Downfall Of Honesty" war jetzt halt eines der letzten negativen Vorkommnisse. Es wurde sich nicht an klare Absprachen gehalten und auf eigene Faust gehandelt, ohne dass Band oder Management davon wussten. Auch die Kommunikation blieb da natürlich auf der Strecke. Das sind alles andere als gute Voraussetzungen. Unser Management hat dann ja die Sache in die Hand genommen und auf eigene Faust (in Absprache mit uns) versucht, zu retten, was noch zu retten war.
Alles in allem sind wir Mausoleum sehr dankbar, uns die Möglichkeit gegeben zu haben, die Musik einer breiteren Masse präsentieren zu können. Mittlerweile sind wir beidseitig aber an Grenzen gestoßen, die jetzt nicht einfach ignoriert oder vom Tisch gefegt werden können. Darüber muss man reden oder getrennte Wege gehen.
Apropos Zusammenarbeit. Seit ein paar Monaten habt ihr das Management gewechselt. Wie kam der Wechsel von Indevent zu Skydra zustande und warum habt ihr den Wechsel überhaupt vollzogen?
Chris: Das war in beidseitigem Einvernehmen. Wir dachten, wir bräuchten frisches Blut, denn "Indevent" war zum damaligen Zeitpunkt zu eng mit Mausoleum Records verbunden. Auf der anderen Seite wollten sie mehr in den Rock'n'Roll-Bereich investieren und eh ein paar Bands abstoßen. Das galt zwar nicht uns, vereinfachte aber die Entscheidung. Der Kontakt zu "Skydra Management" war dann eher Zufall. Ein guter Freund kannte die Damen und Herren und stellte den Kontakt her. Wir waren uns gleich sehr grün und der Vertrag eigentlich nur noch Formsache. Es fühlt sich alles sehr gut an und ich denke, wir werden noch viel Spaß miteinander haben.
Kommen wir zu den aktuellen Touraktivitäten. Ihr habt jetzt eure erste größere Tour mit BEYOND FEAR und VICIOUS RUMORS gefahren. Wie war’s? Gibt es irgendwelche Anekdoten die man unbedingt erfahren sollte?
Chris: Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Durch unsere Freundschaft mit VICIOUS RUMORS hatten wir natürlich einen vereinfachten Start, aber ich denke, am Ende waren alle Bands und der komplette Tourtross eine eingeschworene Gemeinschaft.
Es gibt viele Anekdoten zu erzählen. So musste Jan in Wien und ich in Bochum kurz ins Krankenhaus, unser Tourbassist ist Mitten in der Tour ausgestiegen, wir haben in Ludwigsburg nur zu Viert gespielt (Gitarrist Gerd übernahm den Bass), wir kämpften uns auf dem Weg nach Wörgl durch ein Schneechaos und kamen erst mit Einlass an der Halle an, Geoff Thorpe hatte während der Tour Geburtstag und vieles mehr.
Die Reaktionen auf unsere Shows waren wirklich überwältigend. Wir hatten auch keine Einschränkungen in Sachen Ton, Licht, Bühne oder Backline – das war echt der Hammer. Bitte mehr davon.
Gerd, wie hat sich die Sache mit eurem neuen und mittlerweile wieder alten Bassisten eigentlich abgespielt? Bei einem Gig musstest du dir sogar den Bass umschnallen.
Gerd: Es traf uns wie ein Schlag ins Gesicht; Jürgen verkündete, COURAGEOUS bis Ende des Jahres zu verlassen und gegebenenfalls schon die Tour nicht mehr mitspielen zu können, was schon schockierend genug war! Umso glücklicher waren wir, recht schnell einen vermeintlich adäquaten Ersatz für ihn gefunden zu haben! Ich kenne Boris und seine Fähigkeiten als Bassist und Showman schon seit unserer gemeinsamen Schulzeit und so war ich der festen Überzeugung, DEN Bassisten an Land gezogen zu haben. Umso trauriger waren wir über seine Entscheidung, wenn auch aus familiären Gründen, die Tour und schließlich auch die Band so kurzfristig wieder verlassen zu wollen!
Für mich bot sich aber so mal die Gelegenheit mir den Bass unter meine Eier zu hängen und ohne Soli und ständiges Steppen auf dem Effektboard einfach mal zu rocken! Mir ging zwar der Arsch auf Grundeis und ich fühlte mich in der Vorbereitung, als würde ich mein erstes Konzert spielen (Oliver übrigens auch, denn er musste ja ALLE Gitarrenparts übernehmen!), aber es hat tierischen Spaß gemacht!
Danke an dieser Stelle noch mal an Geoff Thorpe (VICIOUS RUMORS) und Dennis Hayes (BEYOND FEAR) für das Angebot, den Bass-Part zu übernehmen, aber dieses Abenteuer konnte ich mir nicht nehmen lassen!!!
Chris, wie war es für dich gleich mit zwei Gesangsgöttern wie Tim Owens und James Rivera auf Tour zu gehen? Konntest du dir ein paar Tricks und Kniffe abkucken?
Chris: Natürlich konnte ich viel lernen. Beide haben mir Tipps gegeben, aber grundsätzlich muss jeder selbst sehen, was einem am besten passt. Tim und James sind super nette Menschen, die von Gott ein ganz großes Talent mit in die Wiege gelegt bekommen haben. Sie müssen gar nicht so viel dafür tun – das tut schon manchmal weh, wenn man so etwas sieht. Wie gesagt, kopieren will ich keinen von ihnen, denn dafür sind unsere Gesangsstile und Performances zu unterschiedlich.
Es war nur sehr schön, zu ihrem Diva-Kreis gehören zu dürfen. Sie haben sich sehr rührend um mich gekümmert.
Apropos Gesang, die Refrains auf „Donwfall Of…“ sind wirklich ausgezeichnet geworden, aber auch nicht ganz einfach zu singen. Jan, wie bringst du live dein relativ ausgefeiltes Drumming mit den Backings unter einen Hut?
Jan: Seit mehr als 16 Jahren versuche ich nun schon, Schlagzeugspielen und Gesang in Einklang zu bringen. Was ursprünglich aus der Not geboren wurde (weil bei meiner ersten Band damals die Sänger einfach scheiße waren...;-), nämlich gleichzeitig zu spielen und zu singen, entwickelte sich mit den Jahren einfach immer weiter.
Es ist im Grunde wie mit allem: Wenn man gewisse Dinge so verinnerlicht hat, dass man nicht mehr darüber nachdenken muss, ist der Weg frei für andere Sachen. Ich vergleiche es ganz gern mit Fahrradfahren oder dem Steuern eines Autos, wo man sich ja neben der reinen Fahrtätigkeit auch noch unterhalten kann. So ist es eben auch mit dem Drumming. Sobald man seine Koordination und Technik soweit gebracht hat, dass sie einem sinnvoll nutzt und man nicht technische Spielereien als reinen Selbstweck betrachtet, kann man sich z.B. noch zusätzlich mit Backing- oder Leadvocals beschäftigen. (Ich habe übrigens einige Jahre auch bei einer gut gebuchten CoverBand verbracht, bei der ich von den Drums aus die Leadvocals übernommen hab).
Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass es manchmal eben nur mit ÜBEN ÜBEN ÜBEN geht. Gewisse Passagen sind allein vom Drumming her schon recht komplex, und wenn dann noch ein Chorsatz darüber erklingen soll, der nicht nur eine gegenläufige Rhythmik aufweist sondern auch noch sauber intoniert sein will, kommt man schon mal ins Schwitzen. Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier...
Für alle Interessierten: Es gibt übrigens einige sehr interessante Konzepte, wie man Drumming und Sprache miteinander verbinden kann und somit das eigene Spiel auf zahlreichen Ebenen verbessert, z.B. was die allseits gefürchtete Microtime angeht. Ich hab mit verschiedenen Schülern auch an solchen Aspekten schon überaus erfolgreich gearbeitet. Falls es da Bedarf gibt, kann man mich unter schlagzeuglehrer@email.de kontaktieren oder meine Homepage www.schlagzeuglehrer.net besuchen.
Wie sehen die Aktivitäten der Band in den nächsten 10-12 Monaten aus? Sind noch irgendwelche Tourneen geplant und wie sieht es mit Festivals im nächsten Jahr aus?
Chris: Im Moment basteln wir schon wieder an neuen Songs, werden Anfang Januar kurz ins Studio gehen, um ein paar Stücke für diverse Tributesampler einzuspielen. Weitere Tourneen sind aktuell nicht geplant. Unser Management sichtet und verhandelt zwar fleißig, aber spruchreif ist noch nichts.
Ein paar Festivals würden wir natürlich gerne nächstes Jahr mitnehmen, aber auch hier ist die Konkurrenz sehr groß und das Business allgemein kein Wunschkonzert. Wir werden jetzt bis zum Ende des Jahres die Ereignisse der vergangenen Monate sacken lassen und uns dann Anfang 2007 zusammensetzen. Mal schauen, was dann passiert. Die Reise ist auf jeden Fall noch lange nicht zu Ende.
Zu guter Letzt warf ich den Jungs ein paar Bandnamen zum Fraß vor. Nun, das Mahl hätte auch üppiger ausfallen können. Aber wie ich anfangs schon erwähnte, maulfaul halt…
SLAYER
Gerd: ... das waren noch Zeiten, als die gute Platten gemacht haben. [Hey, da hat einer Christ Illusion noch nicht gehört *grummel*-Anm. des Verf.]
KORN
Chris: Umstrittene Band im Metalbereich, auch innerhalb von COURAGEOUS. Trotzdem eine Band, die ihren Weg gegangen ist, Begründer einer neuen Bewegung war und unzählige Metalheads einer ganz neuen Generation beeinflusst hat. Dafür muss man ihnen gebührenden Respekt zollen.
METALLICA
Jan : Die wohl größte Band des Planeten. Jeder kennt diesen Namen. Zu ihren Alben habe ich trommeln gelernt und wahrscheinlich Stunden wild posend vor meinem Spiegel verbracht. Respekt und Demut! Auch wenn der Mythos und die Legende verblasst, sobald man älter geworden ist und mehr über die einzelnen Charaktere und dieses ganze Musikbusiness erfahren hat... Aber was sie geschaffen haben, bleibt nach wie vor bestehen und ist bisher unerreicht.
BEYOND FEAR
Chris: Fantastische Musiker, großartige Leute. Sie werden jedoch leider immer mit den positiven wie negativen Erwartungshaltungen der Fans hinsichtlich Tims Aktivitäten mit JUDAS PRIEST und ICED EARTH zu kämpfen haben. Wir werden ihren Weg auf jeden Fall genau beobachten.
NEVERMORE
Chris: Wie kann es sein, dass eine Band jeden Soundcheck gewinnt und in den Lesercharts die Spitze anführt, trotzdem noch immer nur im Nachmittagsprogramm jedes deutschen Festivals spielt?
LIGHTMARE
Gerd: … das waren noch Zeiten, als die Platten gemacht haben.
TOKYO HOTEL
Jan: Wer?
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