THE DEVIL'S BLOOD
Bandkopf Selim über die neue EP, Friedhöfe und allerhand Okkultes
Hey Leute, lasst euch gratulieren. Eure neue EP ist einfach der Hammer und ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich mir die beiden Songs anhöre.
Wie schafft ihr es, in der heutigen Zeit einen derart coolen Vintage-Sound hinzubekommen?
Erstens: ich höre mir den ganzen modernen Scheiß gar nicht erst an. Zweitens: man braucht ein Studio, das diesen neumodischen, digitalen Schnickschnack nicht hat, den die ganzen modernen Bands benutzen. Drittens: wir benutzen alte Verstärker, Gibson, Fender und Guild Gitarren und setzen das, was dabei heraus kommt, so gut wie möglich um. Die Songs brauchen einen ganz bestimmten Sound, und es wäre ein großer Fehler, das nicht zu erkennen. Rock’n’Roll Songs benötigen ebenso wie Black oder Death Metal Songs eine stimmige Produktion. Glücklicherweise haben wir in Pieter Kloos einen guten Freund gefunden, der die in seinem Studio ‚The Void’ aufgenommen, abgemischt und gemastert hat. Mit seiner Hilfe und seinen Tipps haben wir das alles geschafft.
Von mir ist eure EP ja mit stolzen 9 von 10 Punkten ausgezeichnet worden. Wie sieht es denn bislang mit den Reaktionen der Presse und euren Fans aus? Seid ihr denn selbst mit euch zufrieden.
Besten Dank. Für eine EP sind 9 von 10 Punkten ganz schön viel, und wir sind sehr dankbar, dass unsere Musik so gut aufgenommen wird. Wir sind stolz auf die Aufnahmen und sehr glücklich. Wir hatten ein bestimmtes Bild im Kopf und das hat offensichtlich ganz gut hingehauen. Obwohl wir nur zwei Tage Zeit hatten, um aufzunehmen und abzumischen, hat alles echt gut funktioniert.
THE DEVIL’S BLOOD sind bislang ja eine noch recht unbekannte Band, was sich natürlich in naher Zukunft ändern könnte. Stellt euch doch bitte kurz selbst vor.
Um es kurz zu halten: die Band wurde von mir und F gegründet und wir haben einige Zeit mit ein paar Leuten geprobt, aber der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Es waren zwar alles wirklich gute Musiker, aber sie hatten nicht die gleiche Vorstellung von Musik wie wir. Also sind wir wieder einen Schritt zurückgegangen und haben neue Songs geschrieben und ein Demo aufgenommen. Irgendwann sind wir dann auf die restlichen Mitglieder gestoßen und haben einen Neuanfang gewagt.
Wovon handeln die beiden Songs auf der EP und wie lange habt ihr insgesamt gebraucht, um „The Graveyard Shuffle“ fertig zu stellen?
Im Titeltrack „The Graveyard Shuffle“ geht es um die Liebe zum Tod, um das verbotene sexuelle Verlangen, jemanden zu begehren, der bereits tot ist. Umgeben von der Nacht und dem Mondlicht. Es ist die ultimative Verehrung des Todes und gleichzeitig eine Ode an die alten Horrorfilme der 50er und 60er Jahre, in denen ein Mädchen auf dem Friedhof verführt und von ihrem Möchtegern-Liebhaber brutal getötet wird.
„A Waxing Moon over Babylon“ ist da wesentlich religiöser oder okkulter. Es ist eine Art Gebet, das im Namen der ‚Dunklen Mutter’ des Urchaos, der Mutter der Zauberei, gesungen wird, die von vielen Hexen im Mittelalter angebetet wurde und die heute noch von vielen Voodoo Priesterinnen aus Südamerika angerufen wird. Sie besitzt eine starke weibliche Kraft, die Fruchtbarkeit bringt, Wünsche erfüllt, aber keine Gebete erhört.
Eure EP wurde vor einigen Tagen, am 17.04., auf dem Roadburn Festival offiziell veröffentlicht. Wurde euer ‚Live-Ritual’ euren Erwartungen und Ansprüchen denn gerecht?
Ja, auf jeden Fall. Die Atmosphäre war gigantisch und unsere Energie ist auf das Publikum übergesprungen. Obwohl es schon spät und die Leute ziemlich erschöpft waren, ist jeder geblieben, um unsere ‚Ceremony of Darkness’ anzusehen.
Wie hat man sich denn einen typischen Auftritt von euch vorzustellen?
Ungeheuerliche Rock’n’Roll Extravaganz, extreme Arroganz und Hochmut, egozentrische Teufelsanbetung, Drogen, Feuer, Alkohol, Blut, Schmerz, Freude und die Liebe zu all den unreinen Dingen.
Gibt es denn einen speziellen Ort, an dem ihr gerne mal auftreten würdet?
Es gibt da einige Orte, die sich gut als Umgebung für unsere Konzerte eignen würden: ein Santeria-Ritual in Südamerika, ein Walpurgisnacht-Konzert auf dem Brocken im Harz, antike Gräber auf dem Balkan und die Ruinen mittelalterlicher Burgen in Frankreich. Hauptsache, der Ort hat außergewöhnliche spirituelle oder sagenumwobene Qualitäten. Ich würde sogar in einer Kirche spielen, um ein Gegengewicht zur verrückten christlichen Weltanschauung zu bilden.
Wo liegen deiner Meinung nach eure Haupteinflüsse? Sowohl musikalisch als auch anderweitig?
Diese Frage kann ich nicht mit wenigen Worten beantworten. Vom Musikalischen her ist es einfach – die Musik, die ich gerne mag, beeinflusst mich auch: Black Metal á la INQUISITION, Rock and Roll wie Roky Erickson und THE 13TH FLOOR ELEVATORS, Hard Rock á la LED ZEPPELIN und BLACK SABBATH, Okkultrock im Stile von COVEN und BLACK WIDOW…die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Eine weitere Quelle der Inspiration sind die Werke von Autoren wie Baudelaire, Eco, Poe, Lovecraft, King, Blatty, Wheatley und natürlich all die alten Horrorfilme. Auch satanische, jüdisch-christliche und hinduistische Schriften sind in diesem Zuge auch noch zu nennen.
Nun eine etwas generelle Frage: wie entstehen eure Songs normalerweise? Wie läuft das Songwriting ab?
Normalerweise setzen wir uns mit einer Akustikklampfe hin, wenn wir an neuem Material arbeiten. Sobald das grobe Gerüst eines Stückes steht, nehmen wir den Song als Demo auf (wie die Songs auf unserer MySpace Seite) und proben die neuen Tracks mit der ganzen Band. Als Quelle der Inspiration dienen beispielsweise ein Buch das ich gelesen, ein Film den ich gesehen habe usw.
Was macht THE DEVIL’S BLOOD eurer Meinung nach zu etwas Besonderem? Wieso sollten die Leute da draußen eure Musik hören und was unterscheidet euch von anderen Bands?
Soweit ich weiß, gibt es momentan keine Band, die das macht, was wir machen. Wir sind eine der besten Bands, die die holländische Rockszene seit Jahren hervorgebracht hat und wir bieten etwas, das die meisten nicht bieten. Ob die Leute unsere Musik hören oder ob sie unsere Platten zum Frisbee-Spielen verwenden, interessiert mich eigentlich gar nicht. Ich bin mir unserer Überlegenheit auf allen Gebieten bewusst…
Gibt es irgendeine Band, mit der ihr gerne verglichen werden möchtet?
So etwas ist mir nicht wichtig.
Nenne mir bitte drei Dinge, ohne die du nicht leben kannst.
• Blut
• Musik
• Sex
Stell dir vor, du hättest die Chance, dir deine eigene Band für eine Party zusammen zu stellen. Welche Musiker würdest du wählen und wieso?
Da THE DEVIL’S BLOOD die einzige Band sind, die ich gerne live sehen möchte, würde ich uns wählen.
Lass uns mal ein paar Worte über das Artwork der EP verlieren. Wer hat es entworfen und hat es eine spezielle Bedeutung, außer dass es ziemlich rot und oldschool ist?
Huub V. hat es gemacht und es stellt die direkte Verbindung zu den Lyrics von „The Graveyard Shuffle“ dar. Es zeigt ein Festmahl aus allerhand Dingen, die so auf einem Friedhof passieren können und der zunehmende Mond ist der Chakra Swadhisthana des Teufels.
Wie sieht es denn mit euren Plänen aus?
Was wünscht ihr euch für die Zukunft und habt ihr schon konkrete Pläne für ein neues Album?
Irgendwann im Herbst werden wir ein neues Album aufnehmen. Eventuell wird es schon im Sommer zwei kleinere Veröffentlichungen geben, aber das ist noch nicht ganz sicher.
Ich wünsche mir, so lange wie möglich diese Musik zu machen und mich dabei auf mich selbst verlassen zu können. Ich möchte keine Vorschriften und niemanden, der mir befiehlt, was ich tun und lassen soll.
Dann bedanke ich mich vielmals für das Interview und deine Zeit und bin schon mal gespannt auf Neuigkeiten von euch.
Die letzten Worte gehören wie immer dir…
Wir danken euch, weil ihr uns eine Plattform gebt, um unsere Botschaft zu verbreiten. Wir grüßen all diejenigen, die das hier lesen und heißen sie herzlich im Kult von THE DEVIL’S BLOOD willkommen.