MALNÀTT
Interview mit Porz

In Italien gehen die Wahnsinnigen nicht in die Klappse, zumindest nicht in Bologna. Dort gründen sie Black Metal Bands und bringen höchst unorthodoxe Alben heraus, die aber gerade durch ihren Einfallsreichtum und den Mut Genregrenzen nicht anzuerkennen sehr ansprechendes Material fabrizieren. Ich spreche von MALNÀTT mit ihrem kreativen Kopf Porz, die vor kurzem ihr aktuelles Album „La Voce Dei Morti“ veröffentlichten und auch dieses geriet überzeugend. Da wird es doch Zeit diese Band unseren Lesern etwas näher zu bringen.

Hallo Porz und danke für die Zeit die du in unseren kleinen Plausch investierst. Ich bin ziemlich neugierig was dabei herauskommt, nachdem ich eure letzten beiden Alben „Happy Days“ und „La Voce Dei Morti“ gehört habe und mochte. Ich habe ein paar kleine Recherchen gemacht und mein erster Eindruck ist, dass ihr total verrückt seit [im Original: „I did a little research on your band and my first impression is, you are totally nuts. Anm. d. Verf.] Ich bin aber noch nicht ganz sicher ob in einer guten oder schlechten Weise aber hoffentlich wird dieses Interview mir dabei helfen das herauszufinden. Was meinst du?

Porz: Wir sind total... nuts? Wir übersetzen "nut" mit "noce" im Italienischen (oder
Walnuss in Deutsch) daher verstehe ich die Bedeutung nicht so recht. Ich glaube es geht um unsere mentalen Handicaps...jaja.

Da ihr dem deutschen Publikum noch relativ unbekannt seid, sei so gut und stelle deine Band MALNÀTT unseren Lesern vor.

Porz: WAAAS? Es gibt noch Leute die MALNÀTT nicht kennen? Ist das Möglich? Ha ha ha...
MALNÀTT ist ein mystischer Orden der seine inspiration von den Tempelrittern bezieht und an einem neuen Weltweiten Orden arbeitet. Nach Aussen mögen wir wie eine echte Band wirken aber nur der Innere Zirkel kennt die Geheimnisse des Ordens. MALNÀTT ist eine art Micro-Gesellschaft die parallel (aber nicht untergeordnet) zu unserer altäglichen Macro-Gesellschaft existiert und die kommende Revolution gegen die modernen Zeiten erwartet.
Das Wort „Malnàtt“ stammt aus dem bologneser Dialekt und meint soviel wie „schmutzig“ und wird auf dem Lande häufig als Schimpfwort genutzt.

Das Konzept eures aktuellen Albums „La Voce Dei Morti” ist ziemlich faszinierend, da du nur Texte  von bereits verstorbenen Dichtern verwendet hast, womit du den Albumtitel erfüllst, der mit „Die Stimme der Toten“ übersetzt wird. Wie kamst du auf die Idee und aus welchen Gründen hast du die verwendeten Gedichte gewählt?

Porz:
Weil ich nichts mehr zu sagen hatte. Einige große Poeten haben bereits alles gesagt und das besser als wir es könnten. „La Voce Dei Morti” ist eine Erklärung der Bescheidenheit, eine Hommage an „wahre“ Künstler. Zeitgenössische Künstler sind scheiße. Wir sind scheiße.

Für dieses Konzept musstest du deine Gewohnheit die Texte in dem Dialekt deiner Heimatstadt Bologna zu schreiben, wie noch auf dem Vorgänger „Happy Days“, aufgeben. War das schwierig und warum hast du überhaupt in diesem Dialekt geschrieben?

Porz: In dem Dialekt zu schreiben ist für einen Bürger Bolognas ziemlich schwierig weil in dieser Stadt (und in der ganzen Emilia Romagna Region) Dialekte inzwischen tote Sprachen sind. Nur in den Bergen sprechen die Leute noch eine art Sub-Dialekt!

Trompeten und Akkordions zu verwenden ist nicht gerade ein typischer Black Metal Sound und auch wenn immer mehr folkloristische Einflüsse ihren Weg in den Black Metal finden, speziell in die sogenannten Pagan Black Metal Bands, wirken eure Elemente doch sehr ausserhalb des Spektrums, vielleicht gerade wegen ihrem so italienischen Klangs. Nichts desto trotz finde ich das Ganze klingt frisch und gut. Wie siehst du eure Position im kontemporären Black Metal?

Porz:
Ich denke es gibt keinen „kontemporären“ Black Metal. Es gab eine „Szene“ im Norwegen von '89/'90 und nun gibt es nur Nachahmer auf der ganzen Welt. Bastard Söhne einer Bastard Art von Musik. Nur hunderte von Imitatoren und einige wenige unbedeutende Ausnahmen wie MALNÀTT, NEGURA BUNGET, PRIMORDIAL oder NACHTMYSTIUM die versuchen einen anderen Weg zu finden, mit bescheidenen Resultaten.

Soweit ich es verstehe, sind eure Texte voller Humor, Ironie und Sarkasmus, was ich als Bonus sehe. Allerdings ist diese Art Humor nicht gerade Typisch für Black Metal Bands und einige Hardliner könnten es sogar als unangebracht empfinden. Was denkst du? Sind die meisten Genre Mitglieder und Fans zu ernst oder sind die einzig wahren Black Metal Fans / Musiker die jenigen die Kirchen verbrennen, Barbesucher erschießen und kleine Kinder zum Frühstück verspeisen?

Porz:
Humor ist im Black Metal völlig unangebracht. Dein Gesicht wie einen Clown anzumalen, nackt mit riesigen mittelalterlichen Waffen in den Wald gehen und Bilder an Kaminsimsen und Kandelabern machen und Blasphemien rumzuschreien sind alles sehr handfeste Demonstrationen von Ernsthaftigkeit.

Ein Kollege von mir behauptet gerne, dass der einzig wahre Black Metal aus den Skandinavischen Ländern kommen kann. Du weißt schon, die ganzen „frostbeißende dunkelheit, heimgesuchte Wälder“ Argumente. Was denkst du bedenkt man, dass deine Band eine eher exotische herangehensweise an den Black Metal hat und ihr aus einem mediterranen Land stammt, welches eher für sonnige Tage als für endlose Monate bitter kalten Winters bekannt ist.

Porz:
Ja, der einzig wahre bitterkalte Black Metal kommt aus Skandinavien. Es ist unmöglich, dass ein mediterranes Land wie Italien die Heimat einer Black Metal Band sein kann. Italiener verbringen den ganzen Tag damit Tarantella zu tanzen und Pizza zu essen. Jede Black Metal Band die südlich des Nordpols entstand ist eine Band von Posern.

Wie sieht es eigentlich mit dem italienischen Black Metal Untergrund aus? Gibt es da eine aktive Szene oder seid ihr mehr die Ausnahme?

Porz:
Es gibt eine enorme Underground Szene in Italien aber...sie ist passiv. Es gibt eine menge cleverer Bands aber das ist für mich nicht so wichtig, denn zuerst muss ich die Miete für mein Haus bezahlen.

Eine Sache die mich beschäftigt ist der faschistoide oder Nazi orientierte Symbolismus den du regelmäßig nutzt. Nehmen wir mal euren Fanclub, der sich Malnàtt Jugend nennt, zweifellos auf die Hitlerjugend anspielend. Deren Clubzeichen ist ein rotes Feld mit einem weißen Dreieck anstatt einem Kreis und zwei schwarze Punkte anstelle des Hakenkreuzes und die Aufmachung von deren Website ist auch nicht beruhigend und Faschismus ist in Italien durchaus ein Thema.
Auf der anderen Seite machen die meisten deiner Äußerungen einen eher liberalen Eindruck was ein wenig verwirrend ist. In Deutschland nimmt man derlei ziemlich ernst und kann zu ziemlich schwerwiegenden missverständnissen führen. Warum dieser Symbolismus? Ist das eine andere Ausprägung deines schrägen Humors?

Porz:
Estmal: wir sind keine Nazis oder ähnliche Scheiße. Wir sind pazifistisch, umweltbewusst und ein wenig weibisch. Wir gebrauchen und missbrauchen diese Symbole aus verschiedenen Gründen:
a) Die Visuelle Kraft von Schwarz/Rot/Weiß coloration ist unbestreitbar. Goebbels war ein Verbrecher, kein Idiot.
b) Italien ist unglücklicherweise nicht Deutschland. In Italien ist das alles zwar illegal aber dennoch ist alles möglich: Hakenkreuze, Kelten Kreuze und Faschistentreffen sind Verfassungswidrig aber eine der Parteien unseres Parlaments besteht offenbar aus Faschisten. Es ist total verrückt. Wir sind im freien Staat von Bananien!
c) Ich liebe es Symbole und Worte zu nehmen und sie ihrer ursprünglichen Bedeutung zu entreißen. Ich denke Symbole und Worte sind leere Boxen, die ich mit neuen Inhalten füllen sollte, die ich mir ausdenke.
d) Metaller sind notorisch dumm. ha ha ha;)

Eine andere Sache. Was ist das mit eurer Besessenheit mit Schweinen? Man muss sich nur mal euer Bandsymbol, das Gastronimicon, anschauen und dann hattet ihr ein Album mit dem Titel „Necro Swine Black Metal“ (dessen Titelabkürzung N.S.B.M. politisch auch nicht beruhigend war). Nimmt man dann eure Aussage, ihr wärt ein mystischer Orden der sich an die Templer anlehnt, die meines Wissen so rein gar nichts mit Schweinen am Hut hatten, ist die Verwirrung perfekt.

Porz: Die Antwort ist Punkt „c“ der vorherigen Frage. Alles ist möglich in der Postmodernen Ära!

Hast du schon eine Vorstellung davon in welche Richtung der Sound von MALNÀTT in Zukunft nehmen wird? Im Augenblick habe ich den Eindruck, ihr kehrt zu einem ursprünglicheren Black Metal zurück. Ist das ein andauernder Trend für euch?

Porz: Black Metal ist eine regressive (Anti-progressive) Art von Musik und ein ebensolcher Lebenstil. Zukünftige Musik von MALNÀTT wird sicherlich roher und brutaler.

Welche Bands bevorzugst du im Augenblick und falls du sowas hast, wer sind deine Idole?

Porz: Ich habe keine Idole denn heutezutage ist es gefährlich derartige Idole oder Götter zu haben. Aber ich mag eine Menge Bands!
Ich mag TURBONEGRO sehr, ebenso ENSLAVED und KHOLD. Das letzte Album der FOO FIGHTERS ist voller Hits: Zwölf Songs = Zwölf Singles!
Zwei sehr schöne Songs auf „My Skin Is Cold“: SATYRICON spielt zwei Black Metal Klassiker mit einem philharmonischen Orchester. Zur Zeit höre ich die letzten Alben von YEAR LONG DISASTER und GENTLEMAN'S PISTOLS. Frische italienische entdeckungen sind VADE ARATRO und VANESSA VAN BASTEN, Bands mit einer großen Zukunft!

Gibt es für die nahe Zukunft Hoffnung euch Live zu sehen und was darf das unvorbereitete Opfer bei einer Show von MALNÀTT erleben?

Porz:
Mit seiner verfickten Regierung ist Italiens Wirtschaft im Niedergang begriffen, wir können uns Gigs ausserhalb von Italien schlicht nicht leisten. Auch italienische Gigs sind ziemlich schwer zu managen.

Danke für das Interview und die letzten Worte gehören dir:

Porz:
Danke für diese Bytes und danke an CCP Records für drei Jahre Liebe und Metal. Die besten Wünsche!




Leserkommentare:

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2 Kommentare vorhanden:

Azriel (22.08.2008 23:57:44)

Humor ist im Black Metal völlig unangebracht. Dein Gesicht wie einen Clown anzumalen, nackt mit riesigen mittelalterlichen Waffen in den Wald gehen und Bilder an Kaminsimsen und Kandelabern machen und Blasphemien rumzuschreien sind alles sehr handfeste Demonstrationen von Ernsthaftigkeit.

Muahahahaha, sensationelles Inti. Was hab ich gelacht. :lol:


Mr.Vandemar (23.08.2008 00:18:32)

Dieser Thread bezieht sich auf diesen Artikel:
http://www.metal-district.de/interview.php?ID=283

Humor ist im Black Metal völlig unangebracht. Dein Gesicht wie einen Clown anzumalen, nackt mit riesigen mittelalterlichen Waffen in den Wald gehen und Bilder an Kaminsimsen und Kandelabern machen und Blasphemien rumzuschreien sind alles sehr handfeste Demonstrationen von Ernsthaftigkeit.

Muahahahaha, sensationelles Inti. Was hab ich gelacht. :lol:

als ich das zurückbekommen habe, war ich gerade auf der arbeit und habs überflogen, bin vor lachen fast vom stuhl gefallen :D


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Verfasser:
Mr. Vandemar

Datum:
11.08.2008

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708x

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