

Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
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AYREON
Interview mit Arjen Lucassen |
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zu "Universal Migrator Part I + II" Pünktlich zum Release der neuen Ayreon-Meisterwerke The Dream Sequencer sowie Flight Of The Migrator sprach ich mit dem sehr netten und gut Deutsch sprechenden Mastermind und Saitenzupfer Arjen Anthony Lucassen. Nach einem kurzen Anfangsplausch über dies und das kam ich auch schon zu meiner ersten Frage: Arjen, wie bist Du mit den beiden neuen Alben zufrieden? Ich bin sehr zufrieden, sonst hätte ich sie nicht herausgebracht. Aber natürlich höre ich jetzt Sachen wo ich denke, dieses Stück hätte ich besser machen können oder der Gesang ist hier und dort etwas zu leise oder da kommt die Gitarre zu hart. Ich höre immer die gleichen Sachen sofort im Nachhinein, aber im Ganzen bin ich natürlich sehr zufrieden. Wie bei jedem Album. Ich arbeite an jedem Album bis ich vollkommen damit einverstanden bin. Diesesmal waren es glaub ich an die zwei Jahre. Und erst wenn ich denke, jetzt sind es 100 Prozent, erst dann höre ich auf! Und was waren Deine Grundideen, bevor Du mit den Aufnahmen begonnen hast? Also natürlich war da die Idee eine ruhige, aber auch eine Heavyplatte zu machen. Die Idee kam mir nachdem "Into The Electric Castle" fertig war. Da dachte ich mir ich muss etwas neues machen, ich muss mich einer neuen Herausforderung stellen. Ich kam dann also zu dem Entschluss einfach mal die zwei Seiten von Ayreon zu trennen und zwei verschiedene Platten zu machen. Nun, aber wieso hast Du diese zwei CD`s dann nicht einfach als Doppel-CD auf den Markt gebracht, sondern lässt beide seperat verkaufen? Weil sie echt sehr verschieden sind. Aber Fans würden sich doch eh beide kaufen, oder? Das würde ich nichtmal sagen. Das ist nicht wahr, leider *lacht*. Ich würde wünschen dass es so wäre, aber jetzt schon, nach der ersten Woche läuft "Flight Of The Migrator", also die Heavyplatte schon doppelt so gut wie "The Dream Sequencer". Aber eigentlich hatte ich das auch so erwartet, denn es schrieben mir viele Fans über meine Webseite "ah, wir lieben die Metalseite von Ayreon, aber nicht so die Progseite...". Und dieses mal dachte ich mir dann halt auch, ich schreibe eine Platte für die Heavy-Fans und eine, mehr für die Progressive-Fans. Hätte ich "Universal Migrator" nun als Doppel-CD herausgebracht, hätte ich die Fans ja gezwungen sich beide zuzulegen. Desweiteren konnte ich die Produktion nicht so billig machen wie noch beim "Into The Electric Castle" Album. Diese Scheibe war sehr billig, aber die neue hat mich richtig viel Geld gekostet. Ich hab nun so viele Gastmusiker dabei und musste über die ganze Welt fliegen. Also die Platte war sehr teuer und ich konnte es auch in dieser Hinsicht einfach nicht anders machen. Verständlich. Nun, welche der "Universal Migrator"-Scheibe ist denn Deine persönlich favorisierte? Och, das hängt ganz von meiner Laune ab. Ich weiß es echt nicht. Vielleicht aber kann ich in ein paar Jahren sagen: "Ja, die war besser" ... aber im Moment weiß ich es nicht. Für mich ist es eindeutig die Prog-Scheibe, ich finde sie hat mehr Tiefgang... *unterbricht mich* ... Oh, das freut mich zu hören. Und das kann ich schon verstehen. Ich habe an ihr auch dreimal so lange gearbeitet wie an der Heavy-Scheibe. Auch konnte ich in sie viel mehr Emotionen reinstecken. Die "Flight Of The Migrator" dagegen besteht, finde ich, mehr aus Energie oder Aggression... Jepp, da kann ich Dir nur zustimmen. Nun aber zum groß angelegten Konzept von "Universal Migrator". Was gibt es darüber zu berichten? Oh, in Deutsch wird das jetzt schwierig zu erklären, aber ich werde es versuchen! (was er dann auch meisterhaft schaffte - d. Verf.) Gut, "Universal Migrator" ist eigentlich eine Fortsetzung zu der ersten Platte "The Final Experiment". Auf dieser Scheibe habe ich gesagt, im Jahre 2084 wird die Erde vergehen und alle Bewohner sterben. Nun, das ist dann auch passiert, und so beginnt der erste Teil mit dem Namen "The Dream Sequencer". Die Story beginnt im 22. Jahrhundert in einer Kolonie auf dem Mars. Die Personen dieser Kolonie haben auch sehr lange gelebt, aber starben dann nach und nach, weil es mit der Zeit keinen Vorrat an Nahrung und Luft mehr gab. Nur ein einziger Mensch hat überlebt und er findet einen Computer auf dem Mars, der "The Dream Sequencer" heißt. Wenn man in eben diesen Computer hineingeht, kann man unter Hypnose in seine Jugend zurückfahren, aber auch noch weiter, in frühere Leben. Sozusagen also eine Reinkarnation unter Hypnose. Das macht dann auch diese letzte Person und die erste Platte erzählt davon wie er immer weiter zurück geht. Er verfolgt seine eigene Seele zurück in der Zeit und findet zum Beispiel im Mittelalter heraus, dass er früher einmal selbst Ayreon war. Aber auch hier stoppt er nicht, sondern geht immerweiter nach hinten, bis zum ersten Mensch auf der Erde. Auf der zweiten Platte "Flight Of The Migrator" wacht er dann auf und überlegt sich noch weiter zurück zu gehen. Er will wissen, wo die Seele herkommt und wie alles entstanden ist. Der Computer jedoch sagt ihm es sei sehr gefährlich so etwas zu tun, weil das einfach emotional eine zu große Belastung sein wird. Doch er denkt sich dass er eh sterben wird und versucht es also. Und so kommt es dass er ganz an den Anfang, zum BigBang geht und sogar noch weiter in die Vergangenheit reist. Und meine Theorie ist, dass beim BigBang eine große Seele entstanden ist, welche ich "Universal Migrator" nenne. Diese Seele zerteilt sich dann in Millionen von kleinen und diese suchen sich widerum jede einen Planet, dem sie Leben geben können. Auf der CD folgen wir dann der Seele die die Erde erreichen wird und begegnen allen möglichen Phänomenen im Weltall wie schwarzen Löchern und so weiter. Das ist so das Konzept im Groben dargestellt. Fantastische Geschichte! Woher nimmst Du denn diese ganzen Ideen? Ich gucke viele Science-Fiction Filme und Serien. Aber ich habe eigentlich noch nie ein einziges Buch darüber gelesen, also das ist es nicht *lacht* Ja, die Idee fängt bei mir immer klein an. Ich hatte Anfangs die Idee jeden Sänger nur ein Lied singen zu lassen. Auf "Into The Electric Castle" war das ja nicht so, da waren auch mehrere Sänger auf einem Song vertreten. Nun, aber so hab ich mich dann gefragt, wie kann ich eine Geschichte schreiben, wenn jeder Sänger eine Nummer singt, diese aber völlig verschieden klingen. Doch dadurch, dass man ja durch diese Reise im Computer viele verschiedene Personen verkörpert aber dennoch eine Seele ist, kann jeder Sänger individuell klingen. So fing es an und wurde dann immer größer und größer... Und ist die Story eigentlich soweit abgeschlossen oder wird sie im nächsten Album wieder neu aufgegriffen? Es ist natürlich offen. Zwar stirbt er am Ende, aber seine Seele lebt weiter und sucht sich einen anderen Planeten. Ich weiß es noch nicht. Aber ich habe es nicht gemacht mit der Idee, auf der nächsten Scheibe damit weiter zu machen. Du spielst ja fast alle Instrumente selbst, jedoch singst Du nur einen Song... Oh ja, ich singe nur einen Song weil ich das eigentlich überhaupt nicht kann. Ich werde nie so singen können wie ein Bruce Dickinson. Sie sind so viel besser als ich und ich wäre blöd wenn ich singen würde, wo es doch so viele andere gute Sänger gibt. Und außerdem ist ja meine Musik stilistisch sehr verschieden, und so brauche ich für fast jeden Song auch einen anderen Sänger mit einer anderen Stimme... Gibt es denn einen Sänger den Du wirklich gerne mal auf einer Platte von Dir hören möchtest? Ja, sehr viele. Ich habe eine ganze Liste *lacht* Aber Ronnie James Dio ist mein Lieblingssänger. Ich habe auch schonmal bei seinem Management angefragt, aber ich weiß nicht ob dort meine CD liegen geblieben ist und ob er sie je zu Ohren bekommen hat. Jedenfalls habe ich noch keine Antwort bekommen. Leider.. Wäre bestimmt einmal eine gute Sache!! Du spielst ja mit Ayreon keinerlei Live-Gigs, aber wäre es nicht mal eine Idee auf einem Festival aufzutreten, wo ja bestimmt viele Deiner Sänger da wären? Das wäre schon eine Idee, aber ich muss natürlich auch erst mit den Musikern proben bevor es auf die Bühne geht, und ich wüsste viele Effekte die ich auf der Bühne haben möchte und es würde verdammt viel Arbeit geben. Und wenn ich sowas machen würde, dann muss das einfach auch perfekt sein. In dieser Hinsicht bin ich einfach ein Perfektionist. Vielleicht geschieht dies irgendwann mal, aber jetzt noch nicht. Wie siehst Du eigentlich die Entwicklung von Ayreon im Lauf der Jahre? Ich bin der Meinung mit "The Final Experiment" habe ich etwas Großes gemacht. Ich wollte die Leute aufschrecken lassen. Ich wollte nicht dass man so im Vorbeigehen meint "och, ist ganz nett", sondern dass die Leute entweder sagen "Oh, das ist schrecklich" oder dass sie es eben wunderbar finden. Und auf der zweiten Platte habe ich versucht alles alleine, ohne große Stars zu machen. Jedoch hat es nicht so gut funktioniert. Ich finde die CD zwar gut, aber sie hat sich einfach nicht so gut verkauft. Deswegen war ich der Meinung mit der nächsten Platte wieder etwas großes abliefern zu müssen, damit die Verkaufszahlen nicht noch weiter in den Keller gehen und sich Ayreon damit letztendlich auflösen müssten. Ich wollte etwas ehrlicheres als "The Final Experiment" machen, mit echteren Sounds und wenigeren Samples. Und ich hatte da halt auch so viele Ideen, dass es am Ende wiedermal eine Doppel-CD geworden ist. Mit der neuen CD wollte ich halt versuchen wieder etwas neues zu tun und mich nicht zu wiederholen. Und wie siehst Du Deine Entwicklung als Songwriter? Nun, sicher gibt es da auch eine Weiterentwicklung. Es geht einfach viel leichter. Texte schreiben geht einfach, die Songs zu arrangieren genauso, aber natürlich heißt das nicht dass die Musik dadurch auch besser wird. Es gibt ja viele Beispiele wo eine Band selbst immer besser wird, aber das Publikum mit den CD`s nichts anfangen kann. Was war denn der bisher größte Erfolg von Ayreon? Es ist komisch, aber "Universal Migrator" ist jetzt schon der größte Erfolg von Ayreon. Die Platte hat nach einer Woche schon mehr verkauft als "Into The Electric Castle". Ich denke es liegt daran, dass die Leute auf Grund des Vorgängers vertrauen in die neue CD haben und deswegen so zuschlagen. Ja, was ich erreichen will ist auch nicht schwer zu sagen. Ich möchte eigentlich keine Single Auskopplungen oder ähnliches, nur damit meine Musik ein Erfolg wird. Denn irgendwann lebt man dann nicht mehr selbst, sondern wird nur noch gelebt. Und wie es jetzt geht, finde ich es sehr schön. Ich kann von meiner Musik gut leben, kann mit großen Namen arbeiten und kann tun was ich möchte. Wenn es so bleiben würde, wäre es wunderbar. Wer ist denn eigentlich für das coole Coverartwork der beiden Scheibe zuständig gewesen? Also für "The Dream Sequencer" ist es der gleiche, der auch das Cover für "Into The Electric Castle" gemacht hat. Er ist ein Maler und weiß nichts von Computern und lebt nur in seiner eigenen Fantasie-Welt. Es ist wirklich ganz stark was dieser Mann drauf hat. Ich glaube er wird mein Standard-Künstler für Coverarbeiten, so begeistert bin ich von seinen Werken. Für "Flight Of The Migrator" hab ich dann einen anderen gesucht, denn ich wollte nicht nur in der Musik , sondern auch im Cover eine Unterscheidung machen. Die Grafik hat ein Fan aus Kanada erstellt, und er war auch für die Booklets verantwortlich. Eine sehr, sehr gute Arbeit an der er ca. 4 bis 5 Monate gearbeitet hat. Wie steht`s denn so um Deine Lieblingsplatten? Ja, das sind ganz eindeutig Pink Floyd - "Wish You Were Here" und Rainbow - "Rising". Die sind beide perfekt und ich glaube es sind die beiden einzigen Platten die wirklich von vorne bis hinten perfekt gemacht sind! Wann und wieso hast du begonnen Musik zu machen? Ich glaube ich war vierzehn oder so. Als erstes war ich von Alice Cooper und seiner Show recht fasziniert. Ich bin dann auch öfters mal aufgetreten und habe versucht ihn zu imitieren, aber es war alles nur Playback *lacht* ... ich war einfach zu faul das selbst alles zu lernen! Nun, als ich aber dann "Made in Japan" von Deep Purple hörte, dachte ich mir: "Oh, das muss ich auch können". Dann hab ich mir genau so eine Gitarre gekauft und deshalb hab ich dann angefangen. Wie stehst Du denn dem Internet gegenüber? Am Anfang dachte ich, das will ich nicht, das ist alles scheiße und ich habe sogar eine Platte darüber gemacht. "Actual Fantasy" ist das Gegenteil von Virtual Reality. Da habe ich gepredigt man soll doch die Fantasie gebrauchen aber keine Computer. Jedoch als es dann an die Cover-Arbeit vom letzten Album ging wurde mir gesagt ich soll unbedingt einen Internetanschluss haben, denn dann kann man mir gleich die Entwürfe mailen und ich habe es dann halt widerwillig getan. Und seit dem bin ich so ca. 4 Stunden pro Tag vor meinem Computer *lacht*. Also mittlerweile finde ich es echt super. Das ist mein Kontakt zu den Fans. Gut, das war dann auch schon die letzte Frage! Von meiner Seite aus schonmal vielen Dank für das Gespräch. Irgendwelche letzten Worte? Ja, ich habe jetzt zwei sehr verschiedene Platten gemacht, aber ich hoffe dass sich die Metaller ein wenig öffnen und auch den ersten Teil "The Dream Sequencer" wenigstens mal anhören und ihm eine Chance geben werden. Denn es ist wichtig, auch ein wenig offen für andere Stile zu sein! Na das ist doch ein gutes Schlusswort :-) ...
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