Mittwoch Abend, ein etwas erkälteter Martin Schulmann (Bass) der
schwedischen Death Metal Institution CENTINEX klingelt bei mir durch um
über den neuesten Genie-Streich „Diabolical
Desolation“ zu plaudern…
Und wie nicht anders zu erwarten gibt’s natürlich auch seit den Aufnahmen
der neuen Hammerscheibe wieder Neuigkeiten: „Ja, wir haben mal wieder
einen Line-Up Wechsel hinter uns (ja, mal wieder *grins* - pw).
Unser Gitarrist Kenneth Wiklund hat uns direkt nach den Aufnahmen
verlassen. Allerdings war dies keine wirkliche Überraschung, da sich das
schon seit einiger Zeit angedeutet hatte. Er war bei der ganzen Sache
einfach nicht mehr richtig dabei und von dem ganzen Musik-Zeug genervt.
Insgesamt gesehen ist der Verlust allerdings nicht allzu groß, da Kenneth
eh nicht so sehr ins Songwriting eingebunden war. Momentan proben wir mit
einem Sessiongitarristen, der aber womöglich bald fest einsteigen wird.“
Und auch in Sachen Konzerte weiß Martin gleich etwas zu berichten: „Wir
haben hier einige Gigs in Schweden in der nächsten Zeit und auch eine Tour
steht wohl bald an. Aber genaueres kann ich noch nicht sagen, da bisher
nicht definitiv gebucht ist…“
Die Antwort auf meine Frage wieso die Band nun nicht mehr bei Repulse
sondern stattdessen bei Candlelight spielt,
ist ziemlich einfach beantwortet: „Weil wir unseren Vertrag erfüllt
hatten. Wir unterschrieben für 3 Alben und die lieferten wir ab.
Schließlich hatten wir am Ende zwei gute Angebote für einen neuen Vertrag
und wir entschieden uns für Candlelight, da sie uns die beste Promotion
und so weiter in Aussicht stellten. Und bisher sind wir wirklich bestens
damit gefahren und absolut zufrieden!“. Auch die Reaktionen sind bisher
ziemlich gut ausgefallen, weiß der sympathische 4-Saiten-Zupfer zu
berichten: „Ich habe zwar bisher nur ein paar Reviews gelesen, aber alle
waren sie ziemlich gut. Unsere Erwartungen? In gewisser Weise haben wir
schon mit so etwas gerechnet, denn wir wussten ja ungefähr wie gut unser
Material ist.“
Soviel Selbstbewusstsein kommt natürlich nicht von ungefähr… die Band
spielt seit knapp 12 Jahren ihren Stiefel und kann auf einen verdammt
guten Ruf im Underground zurückgreifen. Die Aufnahmen zu „Diabolical
Desolation“ fanden mal wieder im bandeigenen (es gehört Gitarrist
Jonas Kjellgren) Black Lounge Studio statt, wo man sich bis dato am
längsten einquartiert hatte: „Zu `Hellbrigade´
waren wir knapp 2 Wochen beschäftigt, dieses mal benötigten wir für die
Aufnahmen schon 2 Monate. Ich denke auch man hört es dem Album auf jeden
Fall an. Einen externen Produzenten hatten wir nicht eingeschaltet,
sondern alles selbst geregelt. Es ist zwar vielleicht manchmal ganz
praktisch auch Außenstehende Meinungen zu hören, aber das werden wir
vielleicht erst beim nächsten Album in Angriff nehmen. Noch ist eh nichts
geplant… sicher ist aber dass wir auch nächstes mal wieder hier aufnehmen
werden.“ Höchstens für den Endmix werden CENTINEX also in einen High-Tech
Bunker verschwinden…
„Uhm, eigentlich ist uns beides gleich wichtig“, antwortet mir Martin auf
die Frage ob CENTINEX mehr Wert auf Brutalität oder Melodien legen.
„Sowohl als auch. Am besten ist es natürlich wenn wir Melodien erschaffen
die einfach brutal und aggressiv klingen. Ich denke dass ist auch gut
machbar, was man ja an unseren Alben erkennen kann. Es liegt ein
Unterschied zwischen brutalen Melodien und Zirkus-Geplänkel. Die tiefen
Gitarren kommen natürlich auch noch hinzu…“
„Da ich sehr an Geschichte und vor allem am zweiten Weltkrieg interessiert
bin, handeln die Texte auf `Diabolical
Desolation´ hauptsächlich vom Krieg“, tönt es mir bei der nächsten
Frage-Antwort Runde entgegen… „jedoch sollte man nicht versuchen sie in
die linke oder rechte Ecke zu drängen.
Mich
interessiert dieses Thema einfach und die Texte sind mehr in sich
geschlossene Geschichten über den Krieg als irgendwelche politisch
motivierten Statements. Darum geht’s ja auch gar nicht.“
Für Sänger Johan Jansson, der nur wenige Teile den Lyrics beigesteuert
hat, ist es übrigens kein Problem die Texte eines anderen zu singen, wie
Mr. Schulman zu Protokoll gibt: „Ja, ich habe mit ihm auch schon darüber
gesprochen, aber wir haben beide ungefähr die gleichen Interessen und er
kann sich mit meinen Sachen auch identifizieren. Aber ich glaube trotzdem
dass es für ihn vielleicht eine bessere Situation wäre seine eigenen
Kreationen zum Besten zu geben. Mal sehen was er auf der nächsten Platte
alles beisteuert!“
CENTINEX sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem sie wohl eher
andere Bands beeinflussen als dass sie selbst von irgendwem noch etwas
abgucken oder abkupfern müssten: „Das denke ich ebenfalls. Früher spielten
wir natürlich irgendwo schon noch von Bands wie DISMEMBER oder ENTOMBED
beeinflussten Death Metal, aber im Laufe der Zeit hat sich einfach unser
eigener Stil herauskristallisiert…“
A propos alter schwedischer Todesblei: Was hält Martin Schulman eigentlich
von der so genannten New Wave Of Swedish Death Metal à la IN FLAMES und
Co? „Das ist wirklich nicht meine Musik. Ich meine, für mich ist das
einfach kein Death Metal mehr. Die erste ENTOMBED war Death Metal, und das
kann man doch nicht mehr mit diesen Bands vergleichen. Aber gut, wenn sie
sich diesen Stempel aufdrücken, wieso nicht. Ist ihre Sache und mir macht
das wenig aus.“
Richtig geiler Schwedentod kommt heutzutage von VOMITORY. „Auf jeden Fall.
Das sind gute Kumpels von uns und wir haben mit ihnen hier in Schweden
auch schon einige Shows gespielt.“
Und die Parallelen der beiden Bands sind ja nicht von der Hand zu weisen:
die melodische aber unbändige Brutalität kleidet ja bekanntermaßen beide
Krachinstitutionen, wo mir auch Martin wieder zustimmt: „Das ist, würde
ich sagen, noch richtig guter Death Metal der Marke Schweden. Da kommt
auch noch dieses old School Feeling herüber.“ …dem kann ich nur
beipflichten. VOMITORY rulez!
Gut, Themawechsel: Spielt jemand von den Bandmitgliedern in irgendeinem
Side-Project? „Nein, nicht wirklich. Unser Gitarrist Jonas Kjellgren ist
zwar Sänger bei CARNAL FORGE, allerdings ist dies ja eher eine eigene Band
und kein Projekt. Von daher kann man das nicht so sagen. Drei von uns
spielten früher noch bei „Dellamorte“, aber die liegen seit einigen Jahren
auch nur auf Eis.“
Volle Konzentration auf CENTINEX also!
Hundertachtzig-Grad-Wendung nun zu Martin’s persönlichen Vorlieben: „Vinyl
ist mir auf jeden Fall lieber“, meldet er sich nach meiner Frage sofort
mit Elan zu Wort. „Aber ich kann es auch gut verstehen wenn der heutige
Markt einfach mehr nach CDs schreit. Das ist halt einfach praktischer.
Nichts desto trotz bin ich
immer sehr dahinter dass unsere Veröffentlichungen auch auf Vinyl
realisiert werden und ich mag auch unsere kleinen 7inch EPs. Das ist vor
allem eine gute Möglichkeit kleine Underground Labels zu unterstützen.“
Das sehe ich auch so… daher auch gleich weiter: Sind die Songs der „Apocalyptic
Armageddon“ 7“ Scheibe eigentlich irgendwie noch mal anders als über
Deadly Art veröffentlicht worden? „Nein….“ – schweigen – „oder doch… das
haben die Japaner wieder gekriegt und auch die Nord Amerikaner. Auf der
lizenzierten CD Version von `Hellbrigade´
wurden die Songs als Bonustracks verwendet.“
Naja, das kennt man ja mit diesen leidigen Bonussongs… gefällt mir nicht,
diese Machenschaft!
„Als letztes hab ich mir übrigens gebrauchtes Vinyl gekauft: das war was
von den SCORPIONS, also schon mit gutem Alter behaftet, hehe…“. Aber das
war nicht das einzige: „NIGHTWISH steht hier auch noch herum, das hab ich
mir auch letztens zugelegt… persönlich bevorzuge ich aber vor allem die
80er Jahre Sachen. Damit bin ich aufgewachsen, das gefällt mir einfach am
besten. Egal ob die Black Metal Anfangstage, die Zeit als der schwedische
Death Metal anfing oder die alten deutschen Thrash Metal Flaggschiffe.“
Zum Black Metal hat Martin übrigens eine ähnliche Meinung wie zu allen
anderen Stilarten: „Ich finde es gibt in fast jeder Sparte ungefähr 90
Prozent an Bands die einfach überflüssig sind. Dafür halt aber auch wieder
richtig gute. So ist das auch beim Black Metal, wobei hier oft die Gefahr
ist dass wirklich eine wie die andere klingt. Von den heutigen Black Metal
Bands mag ich vor allem meine Landsmänner DARK FUNERAL und MARDUK wirklich
gerne.“
Es heißt ja immer in Schweden wäre die Metal-Szene richtig am Leben und
jeder zweite mit langen Haaren
hätte
einen Plattenvertrag. „Nun, sicherlich gibt es hier viele Bands, es sind
auch wirklich gute dabei. Auch die Szene selbst wirkt gesund und es gibt
viele Leute die sich für den Underground einsetzen. Das einzige Problem
hier ist der Mangel an Auftrittsmöglichkeiten. Es gibt nur in den größeren
Städten Locations und diese sind meistens auch nur am Wochenende für Gigs
zu buchen, da ansonsten das finanzielle Risiko einfach zu hoch wäre. Zu
Konzerten kriegt hier irgendwie fast niemand seinen Arsch hoch…“
„For me, Metal means fun“, legt Martin auf meine letzte Frage los. „Sicher
darf man den ganzen Business-Mist nicht vergessen. Es ist immer gut
Platten zu verkaufen, aber man sollte halt nicht alles und jeden Bierernst
nehmen. Im Metal kann man sich verlieren, kann eine Unmenge an Spaß haben
und die Zusammengehörigkeit ist einfach großartig. Für mich bedeutet Metal
in erster Linie einfach Spaß!“
Abschließend bleibt für mich noch zu sagen: Wer CENTINEX noch nicht kennt
aber auf ungemein genialen Elchtod steht sollte unbedingt mal Scheiben wie
„Reflections“, „Hellbrigade“ oder den
neuesten Hammer „Diabolical Desolation“
anchecken!