Metal District präsentiert...
Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
CENTINEX
Interview mit Martin Schulman (Bass)
Interview: Centinex

zu "Diabolical Desolation"

Mittwoch Abend, ein etwas erkälteter Martin Schulmann (Bass) der schwedischen Death Metal Institution CENTINEX klingelt bei mir durch um über den neuesten Genie-Streich „Diabolical Desolation“ zu plaudern…

Und wie nicht anders zu erwarten gibt’s natürlich auch seit den Aufnahmen der neuen Hammerscheibe wieder Neuigkeiten: „Ja, wir haben mal wieder einen Line-Up Wechsel hinter uns (ja, mal wieder *grins* - pw). Unser Gitarrist Kenneth Wiklund hat uns direkt nach den Aufnahmen verlassen. Allerdings war dies keine wirkliche Überraschung, da sich das schon seit einiger Zeit angedeutet hatte. Er war bei der ganzen Sache einfach nicht mehr richtig dabei und von dem ganzen Musik-Zeug genervt. Insgesamt gesehen ist der Verlust allerdings nicht allzu groß, da Kenneth eh nicht so sehr ins Songwriting eingebunden war. Momentan proben wir mit einem Sessiongitarristen, der aber womöglich bald fest einsteigen wird.“
Und auch in Sachen Konzerte weiß Martin gleich etwas zu berichten: „Wir haben hier einige Gigs in Schweden in der nächsten Zeit und auch eine Tour steht wohl bald an. Aber genaueres kann ich noch nicht sagen, da bisher nicht definitiv gebucht ist…“
Die Antwort auf meine Frage wieso die Band nun nicht mehr bei Repulse sondern stattdessen bei Candlelight spielt,Centinex ist ziemlich einfach beantwortet: „Weil wir unseren Vertrag erfüllt hatten. Wir unterschrieben für 3 Alben und die lieferten wir ab. Schließlich hatten wir am Ende zwei gute Angebote für einen neuen Vertrag und wir entschieden uns für Candlelight, da sie uns die beste Promotion und so weiter in Aussicht stellten. Und bisher sind wir wirklich bestens damit gefahren und absolut zufrieden!“. Auch die Reaktionen sind bisher ziemlich gut ausgefallen, weiß der sympathische 4-Saiten-Zupfer zu berichten: „Ich habe zwar bisher nur ein paar Reviews gelesen, aber alle waren sie ziemlich gut. Unsere Erwartungen? In gewisser Weise haben wir schon mit so etwas gerechnet, denn wir wussten ja ungefähr wie gut unser Material ist.“
Soviel Selbstbewusstsein kommt natürlich nicht von ungefähr… die Band spielt seit knapp 12 Jahren ihren Stiefel und kann auf einen verdammt guten Ruf im Underground zurückgreifen. Die Aufnahmen zu „Diabolical Desolation“ fanden mal wieder im bandeigenen (es gehört Gitarrist Jonas Kjellgren) Black Lounge Studio statt, wo man sich bis dato am längsten einquartiert hatte: „Zu `Hellbrigade´ waren wir knapp 2 Wochen beschäftigt, dieses mal benötigten wir für die Aufnahmen schon 2 Monate. Ich denke auch man hört es dem Album auf jeden Fall an. Einen externen Produzenten hatten wir nicht eingeschaltet, sondern alles selbst geregelt. Es ist zwar vielleicht manchmal ganz praktisch auch Außenstehende Meinungen zu hören, aber das werden wir vielleicht erst beim nächsten Album in Angriff nehmen. Noch ist eh nichts geplant… sicher ist aber dass wir auch nächstes mal wieder hier aufnehmen werden.“ Höchstens für den Endmix werden CENTINEX also in einen High-Tech Bunker verschwinden…

„Uhm, eigentlich ist uns beides gleich wichtig“, antwortet mir Martin auf die Frage ob CENTINEX mehr Wert auf Brutalität oder Melodien legen. „Sowohl als auch. Am besten ist es natürlich wenn wir Melodien erschaffen die einfach brutal und aggressiv klingen. Ich denke dass ist auch gut machbar, was man ja an unseren Alben erkennen kann. Es liegt ein Unterschied zwischen brutalen Melodien und Zirkus-Geplänkel. Die tiefen Gitarren kommen natürlich auch noch hinzu…“

„Da ich sehr an Geschichte und vor allem am zweiten Weltkrieg interessiert bin, handeln die Texte auf `Diabolical Desolation´ hauptsächlich vom Krieg“, tönt es mir bei der nächsten Frage-Antwort Runde entgegen… „jedoch sollte man nicht versuchen sie in die linke oder rechte Ecke zu drängen. CentinexMich interessiert dieses Thema einfach und die Texte sind mehr in sich geschlossene Geschichten über den Krieg als irgendwelche politisch motivierten Statements. Darum geht’s ja auch gar nicht.“
Für Sänger Johan Jansson, der nur wenige Teile den Lyrics beigesteuert hat, ist es übrigens kein Problem die Texte eines anderen zu singen, wie Mr. Schulman zu Protokoll gibt: „Ja, ich habe mit ihm auch schon darüber gesprochen, aber wir haben beide ungefähr die gleichen Interessen und er kann sich mit meinen Sachen auch identifizieren. Aber ich glaube trotzdem dass es für ihn vielleicht eine bessere Situation wäre seine eigenen Kreationen zum Besten zu geben. Mal sehen was er auf der nächsten Platte alles beisteuert!“

CENTINEX sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem sie wohl eher andere Bands beeinflussen als dass sie selbst von irgendwem noch etwas abgucken oder abkupfern müssten: „Das denke ich ebenfalls. Früher spielten wir natürlich irgendwo schon noch von Bands wie DISMEMBER oder ENTOMBED beeinflussten Death Metal, aber im Laufe der Zeit hat sich einfach unser eigener Stil herauskristallisiert…“
A propos alter schwedischer Todesblei: Was hält Martin Schulman eigentlich von der so genannten New Wave Of Swedish Death Metal à la IN FLAMES und Co? „Das ist wirklich nicht meine Musik. Ich meine, für mich ist das einfach kein Death Metal mehr. Die erste ENTOMBED war Death Metal, und das kann man doch nicht mehr mit diesen Bands vergleichen. Aber gut, wenn sie sich diesen Stempel aufdrücken, wieso nicht. Ist ihre Sache und mir macht das wenig aus.“
Richtig geiler Schwedentod kommt heutzutage von VOMITORY. „Auf jeden Fall. Das sind gute Kumpels von uns und wir haben mit ihnen hier in Schweden auch schon einige Shows gespielt.“
Und die Parallelen der beiden Bands sind ja nicht von der Hand zu weisen: die melodische aber unbändige Brutalität kleidet ja bekanntermaßen beide Krachinstitutionen, wo mir auch Martin wieder zustimmt: „Das ist, würde ich sagen, noch richtig guter Death Metal der Marke Schweden. Da kommt auch noch dieses old School Feeling herüber.“ …dem kann ich nur beipflichten. VOMITORY rulez!

Gut, Themawechsel: Spielt jemand von den Bandmitgliedern in irgendeinem Side-Project? „Nein, nicht wirklich. Unser Gitarrist Jonas Kjellgren ist zwar Sänger bei CARNAL FORGE, allerdings ist dies ja eher eine eigene Band und kein Projekt. Von daher kann man das nicht so sagen. Drei von uns spielten früher noch bei „Dellamorte“, aber die liegen seit einigen Jahren auch nur auf Eis.“
Volle Konzentration auf CENTINEX also!

Hundertachtzig-Grad-Wendung nun zu Martin’s persönlichen Vorlieben: „Vinyl ist mir auf jeden Fall lieber“, meldet er sich nach meiner Frage sofort mit Elan zu Wort. „Aber ich kann es auch gut verstehen wenn der heutige Markt einfach mehr nach CDs schreit. Das ist halt einfach praktischer. Nichts desto trotz bin ichApocalyptic Armageddon 7" immer sehr dahinter dass unsere Veröffentlichungen auch auf Vinyl realisiert werden und ich mag auch unsere kleinen 7inch EPs. Das ist vor allem eine gute Möglichkeit kleine Underground Labels zu unterstützen.“
Das sehe ich auch so… daher auch gleich weiter: Sind die Songs der „Apocalyptic Armageddon“ 7“ Scheibe eigentlich irgendwie noch mal anders als über Deadly Art veröffentlicht worden? „Nein….“ – schweigen – „oder doch… das haben die Japaner wieder gekriegt und auch die Nord Amerikaner. Auf der lizenzierten CD Version von `Hellbrigade´ wurden die Songs als Bonustracks verwendet.“
Naja, das kennt man ja mit diesen leidigen Bonussongs… gefällt mir nicht, diese Machenschaft!
„Als letztes hab ich mir übrigens gebrauchtes Vinyl gekauft: das war was von den SCORPIONS, also schon mit gutem Alter behaftet, hehe…“. Aber das war nicht das einzige: „NIGHTWISH steht hier auch noch herum, das hab ich mir auch letztens zugelegt… persönlich bevorzuge ich aber vor allem die 80er Jahre Sachen. Damit bin ich aufgewachsen, das gefällt mir einfach am besten. Egal ob die Black Metal Anfangstage, die Zeit als der schwedische Death Metal anfing oder die alten deutschen Thrash Metal Flaggschiffe.“
Zum Black Metal hat Martin übrigens eine ähnliche Meinung wie zu allen anderen Stilarten: „Ich finde es gibt in fast jeder Sparte ungefähr 90 Prozent an Bands die einfach überflüssig sind. Dafür halt aber auch wieder richtig gute. So ist das auch beim Black Metal, wobei hier oft die Gefahr ist dass wirklich eine wie die andere klingt. Von den heutigen Black Metal Bands mag ich vor allem meine Landsmänner DARK FUNERAL und MARDUK wirklich gerne.“

Es heißt ja immer in Schweden wäre die Metal-Szene richtig am Leben und jeder zweite mit langen Haaren Centinexhätte einen Plattenvertrag. „Nun, sicherlich gibt es hier viele Bands, es sind auch wirklich gute dabei. Auch die Szene selbst wirkt gesund und es gibt viele Leute die sich für den Underground einsetzen. Das einzige Problem hier ist der Mangel an Auftrittsmöglichkeiten. Es gibt nur in den größeren Städten Locations und diese sind meistens auch nur am Wochenende für Gigs zu buchen, da ansonsten das finanzielle Risiko einfach zu hoch wäre. Zu Konzerten kriegt hier irgendwie fast niemand seinen Arsch hoch…“

„For me, Metal means fun“, legt Martin auf meine letzte Frage los. „Sicher darf man den ganzen Business-Mist nicht vergessen. Es ist immer gut Platten zu verkaufen, aber man sollte halt nicht alles und jeden Bierernst nehmen. Im Metal kann man sich verlieren, kann eine Unmenge an Spaß haben und die Zusammengehörigkeit ist einfach großartig. Für mich bedeutet Metal in erster Linie einfach Spaß!“

Abschließend bleibt für mich noch zu sagen: Wer CENTINEX noch nicht kennt aber auf ungemein genialen Elchtod steht sollte unbedingt mal Scheiben wie „Reflections“, „Hellbrigade“ oder den neuesten Hammer „Diabolical Desolation“ anchecken!



Leserkommentare:

Kommentare Noch keine Kommentare vorhanden




Skull Weitere Infos: Skull

Verfasser:
Päddl

Gelesen:
557x

Kommentare:
Kommentare Noch keine Kommentare

» Zurück



















- Heavy Metal, Power Metal, Speed Metal, Thrash Metal, Death Metal, Black Metal, Gothic Metal, True Metal, Doom, Grindcore und vieles mehr -
Metal District - Das Magazin mit Reviews / Rezensionen, Interviews, Underground - Specials, Fotos, News, Konzertterminen, Tourdaten, Mailorder und mehr!