Skull Metal District - Live Reports: Skull
THE VISION BLEAK, NEGURA BUNGET, FARSOT - Frankfurt, Nachtleben - (28.01.2008)


Was haben wir uns gefreut. Das erste Konzert der Saison und es geht direkt mit einem persönlichen Highlight los, denn THE VISION BLEAK luden zum schaurig-schönen Tanz. Mit dem Material ihres letzten Werkes „The Wolfs Go Hunt Their Prey“ im Gepäck und unterstützt durch die Schwarzheimer von FARSOT und den ebenfalls aus der Black Metal Ecke stammenden, aber schon fast avantgardistischen, zumindest aber experimentierfreudigen  Jungs und der Dame von NEGURA BUNGET versprach das ein ansprechender Abend im zumindest ganz gut gefüllten Nachtleben zu werden. Gut, das Versprechen wurde vielleicht nicht zu hundert Prozent gehalten aber dafür gab es auch einiges zu lachen, als es pünktlich um 21 Uhr mit
 
FARSOT
 
los ging. Der erste Gedanke der mir kam, war in der Tat „Kuck mal, wir sind zwölf Jahre alt und haben gerade gelernt uns böse zu schminken.“ Aber wie immer versuchte ich mir erst mal ein Bild aufgrund ihrer spielerischen Qualitäten zu machen. Leider wurde es damit aber nicht wirklich besser, denn während Kollege Frank fleißig Bilder knipste, wurden mir der unerträgliche Rumpelsound, das kläglich ausgesteuerte und zu leise Schlagzeug und der wahnsinnig pathetische, aber blutarm dahinröchelnde, Sänger bewusst. Manche mögen das als echten oldschool Black Metal Sound empfinden, ich empfinde es als Zumutung. Gut, die ein oder anderen brauchbaren Ansätze waren schon zu finden, aber außer dem etwas übermütigen Bassisten, der seinen sechssaitigen Bass fast überwiegend auf zwei Saiten malträtierte und tatsächlich während des ganzen Gigs nur sehr selten zwei weitere hinzuzog (womit sich die Frage stellt, wozu ein Typ der den ganzen Abend nur vier Saiten braucht und die eher schlecht als recht zupft einen luxuriösen Sechsaiterbass braucht, außer zum Posen natürlich.) gab es nichts herausragendes. Aber den Rest, berichtet euch besser Frank, der meinte nämlich schön es würde viel zu nett, wenn ich mich den Kleinen widme.
(Marco)
 
Rumpel, rumpel, rumpele. Das Wandern ist des Schwarzheimers Lust. Nur muss man im ach so finsteren Wald gehörig aufpassen, dass man nicht über irgendwelche Schwarzwurzeln stolpert. Das war dann wohl der Drummer, der unkoordiniert über seine Trommeln gefallen ist.
Rumpel, rumpel, rumpele, ein Männlein steht im Walde und krächzt wie Vater Rabe. Kein Wunder das kein zwitschernder Vogelgesang zu vernehmen war, der dem Gehör schmeichelte. Die blass geschminkte, vor sich hin krächzende Nebelkrähe war dann wohl der Sänger. Rumpel, rumpel, rumpele, ein Jägersmann mit Pfeil und Bogen wanderte durch das finstere Tal, was ein Bogen allerdings mit sechs Saiten sollte, wenn man dazu dann auch nicht den Apfel trifft, sondern den Pfeil direkt durch die Stirn des armen, am Waldrand stehenden, Jungen schießt, ist mir ein Rätsel. Das war wohl der Bassist.
Rumpel, rumpel, rumpele, zwei holde Jünglinge standen Schüchtern am Knusperhäuschen und zupften auf ihren Lauten. Die Hexe, gar nicht angetan von dem talentfreien Gezupfe, schob die zwei gar schnell in den Ofen, damit die blassen Gestalten ein wenig Farbe ins Gesicht bekommen. Rumpel, rumpel, rumpele.
Mal im Ernst, Black Metal soll roh sein? Akzeptiert! Black Metal soll an die niederen Instinkte appellieren und primitiv sein? Muss nicht so sein, kann man aber so sehen. Aber trotzdem sollten die Herren, die sich selbst als Musiker bezeichnen, zumindest ihre Instrumente beherrschen. Das war bei den deutschen BM’lern von FARSOT überhaupt nicht der Fall. Stümperhaft rumpelte sich die Vorgruppe durch ihr Set. Teilweise lag man dermaßen weit neben der Spur, dass sich mir alle Nackhaare sträubten.
Zumindest sorgte der Sänger (wobei ich mir nicht sicher bin, ob er dieses Attribut wirklich verdient hat) mit seinem heiseren Gekrächze für tragikomische Szenen. So konnte ich mir ein paar Mal das Lachen nicht verkneifen. Ernsthaft, im Frankfurter Stadtteil Höchst gibt es Raben die haben mehr Gespür für Melodien als dieses Bübchen.
Das Einzige was diesen völlig verhunzten Auftritt rettete, war der Gang zum Tresen. Dabei wollte ich an diesem Abend nicht so viel saufen. Verdammt!
(Frank)
 
 
Gut, zum Glück dauerte das Ganze ja nicht sonderlich lange und das Wortkarge Quintett machte Platz für die ersten Musiker, denn
 
NEGURA BUNGET
 
bauten ihr Set auf. Und das allein sorgte schon für Verwirrung, fand man doch ein Xylophon, ein großes Holzbrett und einen Hybriden aus Alphorn und Didgeridoo im Blickfeld.
Zugegebener Maßen hatte ich mich bisher nicht zu intensiv mit dem Schaffen der Rumänen auseinandergesetzt, aber das erhöhte zugegebenermaßen die Neugier erheblich. Um das Eis mit dem Publikum von Beginn an zu brechen half es natürlich sehr, dass Sänger und Gitarrist Hupogrammos Disciple's, [ja, der nennt sich so-Anm. von Marco] angesichts der recht knappen Bühnendimensionen, die Zuschauer darum bitten musste ihm das doch recht Lange merkwürdige Blasinstrument hoch zu halten, um die Eröffnungsklänge erschallen zu lassen.
 
Ein witziger Einstieg zu einem recht gelungenen Auftritt. Denn diese Leute hier wussten was sie taten und kamen vor allem einfach sympathisch rüber und noch wichtiger, wie Musiker die ihren Job lieben. Wenn auch recht ruhige und scheinbar leicht schüchterne Zeitgenossen. Es war schon erstaunlich, wie sie es schafften alle genannten Instrumente [Und ja, in den richtigen Händen ist auch ein Holzbrett das mit Hämmerchen bearbeitet wird ein Instrument-Anm.  von Marco] homogen in ein Gerüst von Black Metal und folkloristischen Einflüssen einzufügen und dabei auch noch ansprechende Melodien zu Zaubern.
Wobei ich die Einflüsse zumindest auf Anhieb nicht unbedingt in der rumänische Folklore erkannt hätte, etwas Nordischeres kam mir in den Sinn, gerade wenn die Blockflöte ausgepackt wurde und ich unvermittelt an DIMMU BORGIRS „For Al Tid“ denken musste. Entgegen meinen frühen Befürchtungen war auch durchaus Dampf in dem Auftritt, ordentliches Riffing und treibende Rhythmen sei Dank, sowie eine Songauswahl die eher zum beschwingteren Teil des Bandrepertoires tendierten. Den einen oder anderen Schnitzer konnte man da durchaus verkraften, angesichts eines musikalisch fesselnden Auftritts der etwas anderen Art, zumindest im Metal Sektor, der auch sehr positiv vom an sich recht trägen Publikum aufgenommen wurde.
Nach einer zugestandenen Zugabe wurde es aber Zeit für den eigentlichen Grund unseres Erscheinens an diesem Abend, es wurde Zeit für
(Marco)
 
 
THE VISION BLEAK
 
Und das Erscheinen hat sich für mich in doppelter Hinsicht gelohnt. Zum Einen haben die Lovecraft-Fetischisten einen glasklaren, druckvollen Sound und eine bärenstarke Setlist im Gepäck und zum Anderen sind mindestens drei Mitglieder von THE VISION BLEAK absolute Kameraschlampen. Was die Jungs am Posen, in Stellung bringen und Grimassenschneiden waren, habe ich bisher selten gesehen. Bei anderen Bands würde vieles lächerlich wirken, bei THE VISION BLEAK passt diese aufgesetzte Theatralik aber bestens. [Wovon man sich auch in unserer Gallery überzeugen kann-Anm. von Frank]
Aber das Wichtigste war natürlich die Musik und die bot (fast) alles, was man sich als Fan wünschen konnte. Kein Album wurde benachteiligt und so wurde munter eine Art Best of Set gezockt. Alleine die „Black Pharao“-Trilogie vom neuem Album „The Wolfs Go Hunt Their Prey“ war schon den Eintritt wert.
Noch den Auftritt und die Musik vor den geistigen Augen und Ohren, ist es mir immer noch ein Rätsel, warum diese Band so ein Nischendasein führen und statt in der größeren Batschkapp im kleinen, schnuckligen Nachtleben auftreten muss. Aber so ein Wohnzimmerauftritt hat ja auch was.
Und so rockten sich die fünf Horrorfreaks arschtight durch 75 Minuten voller Highlights, Gänsehaut und jeder Menge Spaß in den Backen. Das Publikum dankte dieser Spielfreude mit grenzenlosem Enthusiasmus. Einer der Höhepunkte war ein sehr junger Fan, der direkt vor Sänger Konstanz ein gefieptes „ihr seid die Besten“ von sich gab. Das Gelächter, oder auch nur ein wissendes Grinsen der älteren Zuschauer, war dem Fan gewiss. Aber wir waren alle mal jung. Und zumindest an diesem Abend hatte der Kleine recht. Auch wenn ich persönlich den besten Song „Deathship Symphony“ schmerzlich vermisste.
Aber sei’s drum. Besser kann man Symphonie Horror Metal mit viel Pathos nicht spielen.
(Frank)
 
Für mich war das der zweite Besuch auf einem Konzert der Band und es war wieder einmal ein sehr geiler Abend, der eine gut gewählte Setlist und mehr als fähige Musiker demonstrierte, die einfach die geborenen Showmaker sind. Man mag sie mit ihrer Schminke belächeln, aber die Jungs treten Arsch und wenn es etwas gab, dass mir an dem Abend gefehlt hat, dann waren es adäquate Zuschauerreaktionen. Die Leute wirkten kraftlos und obwohl es offenbar der Stimmungshöhepunkt des Abends war, fehlte einfach die rohe Energie bei der Meute die eigentlich von der Bühne ausging, aber trotz aller Animationsversuche nur zähe Reaktionen beim Publikum bewirkte, fast wie auf einem hiesigen Gothickonzert. Da kriegen die Leute ihr Blut ja auch kaum zu Wallung. Schade, THE VISION BLEAK hätten da mehr Resonanz verdient. [Mh, direkt vor der Bühne wirkte das anders auf mich. So kann der Stand in der Halle die Perspektive verzerren. Komisch!-Anm. von Frank]
(Marco)
 
Setlist:
Amala & Kamala
Demon Of The Mire
Carpathia
Ktulu!
Wolfmoon
Black Pharao Intro
Black Pharao Part I
Black Pharao Part II
A Shadow Arose
Night Of The Living Dead
The Grand Devilry
The Charme Is Done
The Lone Night Rider
By Our Brotherhood With Seth




Leserkommentare:

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7 Kommentare vorhanden:

Vander (04.02.2008 00:18:15)

Sehr gelungenes Review!

Für mich waren Negura Bunget der Höhepunkt des Abends, was aber nicht weiter verwundert, wenn man bedenkt, dass sie auch zu meinen absoluten Lieblingsbands zählen, hehe.

Bei TVB finde ich die alten Songs live irgendwie mitreissender als die neuen, wobei das daran liegen könnte, dass ich die neuen noch nicht auswendig mitgröhlen kann ;) Wenn ich die Bilder richtig interpretiere hast du quasi genau in unserem Haufen gestanden, Frank, klar war da die Stimmung am überkochen, hehe!


trabi (04.02.2008 01:53:37)

Leider kam ich erst nach Farsot in Hollfeld an, aber laut fachkundiger Aussagen muss die Band auch dort versagt haben.
Negura Bunget waren wirklich sehr fein! Hab die Band bislang ja nur mal kurz angetestet, aber werde mir wohl demnächst die Scheiben zulegen.
Vision Bleak haben gleich beim 3. Song die Sicherung geschossen, was wohl am Sampler lag. Aufjedenfall mussten sie lachen, da es am Vorabend auch schon passierte.
Auch wenn in Hollfeld aufgrund viel zu schlechter Werbung nur etwas über 60 Leute waren, wurden TVB abgefeiert und zum Zugabenteil animiert.
Bilder sind ja schon online. Die von Negura Bunget werde ich auch demnächst noch veröffentlichen.


Azriel (04.02.2008 20:41:07)

Dieser Thread bezieht sich auf diesen Artikel:
http://www.metal-district.de/live.php?ID=249

Sehr gelungenes Review!

Für mich waren Negura Bunget der Höhepunkt des Abends, was aber nicht weiter verwundert, wenn man bedenkt, dass sie auch zu meinen absoluten Lieblingsbands zählen, hehe.

Bei TVB finde ich die alten Songs live irgendwie mitreissender als die neuen, wobei das daran liegen könnte, dass ich die neuen noch nicht auswendig mitgröhlen kann ;) Wenn ich die Bilder richtig interpretiere hast du quasi genau in unserem Haufen gestanden, Frank, klar war da die Stimmung am überkochen, hehe!

Danke! :)

Aber gib doch zu, dass du der kleine Fanboy aus meinem Bericht bist :D


Vander (04.02.2008 21:14:16)

Leider muss ich dich da enttäuschen, aber ich konnte mir definitiv auch ein Grinsen nicht verkneifen, haha! Ich glaub die zwei Gothic-Mädels neben mir haben den auch auf Anhieb total süss gefunden :D


Mr.Vandemar (05.02.2008 14:41:30)

Leider muss ich dich da enttäuschen, aber ich konnte mir definitiv auch ein Grinsen nicht verkneifen, haha! Ich glaub die zwei Gothic-Mädels neben mir haben den auch auf Anhieb total süss gefunden :D

die zwei waren ja eh putzig und wenn ich mich erinnere wie schüchtern die sich teilweise unter den ganzen metallern umgeschaut haben...hihihihi.
zumindest die blonde fühlte sich bisweilen glaub ich etwas überfordert.


Vander (05.02.2008 15:20:18)

Ich hab noch kurz mit ihnen geredet, weil sie unbedingt die Leute von TVB kennenlernen wollten und mitbekommen hatten, dass ich die, O-Ton, "duzen darf" :D

Naja, wir waren alle mal jung, hrhrhrhr


Mr.Vandemar (06.02.2008 13:58:14)


Naja, wir waren alle mal jung, hrhrhrhr

wohl wahr, wohl wahr... :wink:


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Verfasser:
Azriel

Datum:
03.02.2008

Gelesen:
1106x

Kommentare:
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