DISMEMBER - Nürnberg, K4 - (08.02.2008)

Die neue Scheibe schlicht „Dismember“ betitelt und noch nicht erschienen, beginnen die Schweden einen Schlachtzug durch Europa, bei dem man sicher einige ausgebrannte Stätten hinterlassen wird. LAY DOWN ROTTEN, FALL OF SERENITY und HATESPHERE sind dabei nur weitere Schmankerl, durch die man die Clubs locker füllen müsste. Das Nürnberger K4, eine Kultstätte für Live-Mucke, in der ich bereits BOLT THROWER und UNLEASHED Anfang der 90er livehaftig erleben konnte, öffnete den großen Saal für die respektable Anzahl bang-williger Hartwurstverkoster und ca. 250 Zahlende kamen zum Auftakt der ‚Europa Burns Tour’.
Wie immer in Zeitnot verpasste ich zwar LAY DOWN ROTTEN und eine Menge Spaß. Begrüßt wurde ich von der vor dem K4 stehenden, rauchenden Gemeinde, in der sich einige neue Fans des Hessengeschwaders befanden. Die Mettwurst nebst Schergen mussten also wie immer ein gnadenloses Brett deftigen Death Metals abgeliefert haben – die zufriedenen und positiv überraschten Gesichter sprachen dafür.
FALL OF SERENITY
mussten demnach mit einer aufgeheizten Menge umgehen können. Arbeitstechnisch boten die Thüringer auch eine tadellose Leistung ab, auch wenn manch einer sich mit dem Melodic Death Metal nicht gern anfreunden mochte. Ihre Fans hatte die Band jedenfalls und durch die Energiegeladene und professionelle Show sicher auch ein paar mehr dazu gewonnen. Querbeet durch ihre vier Alben rockte man die gut ausgelichtete Bühne, wobei der letzt jährige Release „The Crossfire“ natürlich zuvorkommend behandelt wurde, was angesichts der positiv zu erwähnenden Thrashigkeit auch durchaus gut gewählt worden war. Der etwas missratene Gig auf dem Party.San 2006 ist mittlerweile so gut wie vergessen und die Band steigert sich immer weiter – wohin das wohl noch gehen mag?
Die Umbaupause nutzte man wieder mit der Bekanntschaft von frischer, bald zu verrauchender Luft und mehr oder weniger sinnvollen Gesprächen. Einziges, verbliebenes Gründungsmitglied und somit auch Mainmaster Pepe von
HATESPHERE
erläuterte mir noch einmal persönlich, wieso es zu den großen, personellen Umstrukturierungen bei den Dänen kam. Tragisch, aber abzusehen, denn kaum eine andere Band hatte sich in den letzten Jahren so den Arsch aufgerissen, wie HATESPHERE. Nun, der Erfolg spricht natürlich für sich, aber in den Pants, aus denen ein Jacob Bredahl seinen Hintern schon hervorblitzen ließ, muss der neue junge Mann Jonathan ‚Joller’ Albrechtsen erstmal schlüpfen. Stimmlich passt er jedenfalls wie die Faust aufs Auge. Die Aggression konnte er zumindest in Nürnberg aber noch nicht richtig umsetzen, doch wer will es einem 19-jährigen übel nehmen, wenn er noch kein richtiges Charisma besitzt?! Eben!
Doch nicht nur der Posten am Mikro war neu. Heinz hat auch keinen Bock mehr auf so viele Touren, also schickte er seinen Bandkollegen Jakob zu Pepe. Der KOLDBORN-Klampfer lieferte ebenso wie Neu-Basser Mixen Lindberg eine amtliche Leistung ab. Auch der neue Mann hinter der Schießbude konnte mit seinem Können glänzen, doch irgendwie fehlte der Spaß, den diese Truppe live einmal ausmachte. Doch die erste Tour wird dieses Team sicher noch inniger zusammen schweißen. Die alten HATESPHERE werden sicher nicht zurückkehren, doch die neue macht zumindest Hoffnung und solange Pepe sein sympathisches Grinsen nicht ganz verliert, wird diese auch bestehen bleiben.
DISMEMBER
machten derweil immer noch ihre Scherze backstage und waren wie immer locker vom Hocker die Rocker vom Dienst. Bierplauzenverteidiger Matti ‚darf’ ja nun nicht mehr ganz so angetrunken auf die Bühne, aber er selbst gab auch zu, dass es nicht gut ist, wenn einem das schäumende Bier beim Singen wieder hochkommt. Mit ‚Essen’ hat er zumindest namentlich auch seinen Spaß, denn eigentlich will er ja gar nicht ‚essen’, obwohl man dort ja auch einen Termin besitzt. ‚Yeah, Matti! But you must go to Essen to rock!’ – nur eine Sekunde brauchte er, um den Joke zu verstehen und seine Augen durch die Brille auch grinsen zu lassen.
Die Meute vor der Bühne machte sich noch während der Umbaupause für die Schweden lautstark mit ‚Dismember!’-Rufen warm und wurde mit ‚Killing Compassion’, ‚Bred For War’ und dem nach einer Begrüßung durch Matti folgenden ‚Bleed For Me’ vom ersten Album belohnt. Die Köpfe kreisten, die hüften wackelten und die Arme wurden in die Höhe gereckt. Den Spaß, den DISMEMBER jedes Mal auf der Bühne besitzen, färbt sich zwangsläufig auch immer aufs Publikum ab und so konnte eigentlich nur eine Party steigen, die auch neue Hits auf dem Plattenteller servierte. ‚Europa Burns’ könnte sich jedenfalls zu einem solchen entwickeln. ‚Reborn In Blasphemy’ brachte die Menge dann wieder richtig in Schwung. ‚Collection By Blood’ wurden ebenso frenetisch abgefeiert und auch der zweite neue Song ‚Death Conquers All’ wurde positiv von dem verschwitzten Mob aufgenommen und DISMEMBER bedankten sich mit ‚Skin Her Alive’ vom Debut. ‚On Frozen Fields’, ‚Skinfather’ und ein weiterer Frischling namens ‚Under A Bloodred Sky’, der mit seinem zweistimmigen Solo im langsamen Mittelteil eine weitere Hommage an IRON MAIDEN darstellt, leiteten das Ende ein, das durch weitere ‚Dismember!’-Rufe von den Fans nicht akzeptiert wurde. Freilich ließ es sich das Quintett nicht nehmen, noch einmal die Bühne zu entern und die Gäste mit ‚Dreaming In Red' sichtlich erschöpft nach Hause zu schicken. Die Judas Priest-, Iron Maiden- und Motörhead-Flaggen wurden von den Boxen abgehängt und wie der Rest eingetütet, bevor die Reise nun erst richtig los ging und dass man während dessen reichlich Spaß haben wird, sollte anhand des Billings zweifelsohne jedem klar sein. Wer wäre bei dem Haufen trink- und kiffreudiger Mucker nicht gerne Mäuschen im Tourbus?

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Verfasser:
Trabi
Datum:
12.02.2008
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