BEHEMOTH, SUICIDE SILENCE, DEVILISH IMPRESSIONS, EPICEDIUM - Frankfurt, Nachtleben (18.02.2008)

Statt dem üblichen Bla Bla über verkorkste Anfahrten, peinliche Saufunfälle vor, während oder nach dem Konzert oder diverse Selbstbeweihräucherungen, möchte ich diesmal die Gunst der Stunde nutzen und Martin Schütz von Sub-Kultur, dem örtlichen Veranstalter im Maingebiet, meinen Dank und Respekt erweisen. Vor gar nicht all zu langer Zeit war die Konzertszene in Frankfurt schlicht tot. Außer ein paar Leichenbesuchen alter, vergammelter Acts in der Batschkapp gab es fast kaum noch vernünftige Gigs zu besuchen. Vor allem der Torschluss der Live-Arena und der Hafenbahn versetzen der heimischen Szene derbe Genickschläge.
Martin und Sub-Kultur sorgen seit fast zwei Jahren wieder für einen regen Konzertbetrieb im kleinen, gediegenen Rahmen, aber organisatorisch immer im grünen Bereich und auch die Zusammenarbeit mit unserem Zine funktioniert hervorragend. Danke Martin!
Der Grund für den Auftritt von BEHEMOTH im schnuckeligen Nachtleben, war aber ein ganz anderer. Ursprünglich sollten die Polen mit KATAKLYSM auf Tour kommen. Da die Kanadier es aber mal wieder nicht schafften, ihr neues Album rechtzeitig fertig zu bekommen, wurde die Tour gecancelt und so machten sich BEHEMOTH mit Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern alleine auf den Weg durch Europa.
EPICEDIUM
hatten als Local Act, Überraschungsgast (oder was auch immer) das zweifelhafte Vergnügen vor knapp 70 Leuten den Aufwärmkasper zu spielen. Ob man unter der Woche noch eine Vorgruppe engagieren muss, wenn schon drei Bands im Billing stehen, lasse ich mal offen. Jedenfalls machten die Frankfurter Death/Grinder ihre Sache ordentlich. Der Sound war gut, die technischen Fähigkeiten der Band absolut Top (was auch kein Wunder ist, schließlich machen die Jungs seit weit über 10 Jahren Mucke) und weil die Zeit knapp ist, hetzt man sich in knapp 25 Minuten durch seinen Set. Blickfang der Gruppe ist natürlich Frontgurgler Sascha, der wie eine Art Rübezahl of Death wirkt. Ich würde gern mal die Reaktion eines Publikums wie das des PartySans auf die Truppe sehen.
Jedenfalls war das schon mal ein guter Einstieg in den Abend.
Das totale Kontrastprogramm lieferten dann die Polen von
DEVILISH IMPRESSIONS
die eher auf eine Mischung aus DIMMU BORGIR, alten BEHEMOTH und alten THY DISEASE setzten. Und als ich die Weiß geschminkten Gesichter vor mir auf der Bühne sah, war mein erster Gedanke, dass THE VISION BLEAK ihr Schminkköfferchen das letzte Mal haben stehen lassen.
Letzten Endes gab mir der Auftritt der Mannen nicht viel. Nett aber nicht wirklich essentiell spielte man sich zwar ordentlich durch seinen Set, aber die Art von Mucke ist anscheinend nix für mich. Dazu wabert mir das Keyboard zu sehr und auch sonst wurde mehr Wert auf Klischee denn auf Eigenständigkeit gelegt. Vor dem Gig kannte ich nicht einen Song der Blackies und ich werde es mir wohl auch verkneifen mir eine CD der Polen zuzulegen.
Objektiv betrachtet aber ein ordentlicher Auftritt, der bei der entsprechenden Zielgruppe gut ankam.
SUICIDE SILENCE
.jpg) waren die nächsten und auch von dieser Band hatte ich bis zu diesem Abend nichts, aber auch gar nichts gehört. Und die Jungs passten mal gar nicht in das Billing. Und bevor mir wieder einer mit „du hast keine Ahnung von Hardcore“ kommt. Es ist mir scheißegal ob man das wüste Geballer der Amis jetzt Hardcore, Postcore, Metalcore, Grindcore, Western Alliance Core oder ich hab mir den Arsch nicht abgewischt und jetzt juckt es Core nennt. Jedenfalls wäre die Band bei der letztjährigen Tour mit CONVERGE und JOB FOR A COWBOY besser aufgehoben gewesen. Aber zumindest wurde mit den ersten massiven Tönen der Gruppe der Anteil an Seitenscheitel-, Wollmützen- und Dreadlockträger erklärt. Wobei man sich nie sicher sein konnte, wo die Wollmütze aufhört und die Dreadlocks anfangen.
Aber eine Menge Energie haben SUICIDE SILENCE transportiert. Keine Frage. Vor allem der Sänger machte eine Menge Wind. Dabei sah dieser Dürrrappel eher aus, als müsste man ihn zum nächsten Mcdonald bringen, damit er mal ein büschen was auf die Rippen bekommt.
Guter Auftritt einer Band die sich nur im Billing vergriffen hat.
BEHEMOTH
Den Abschluss bildete nun die Truppe, wegen denen 90% des Publikums gekommen sind. Mittlerweile war das Nachtleben auch recht gut gefüllt und somit stiegen mit der Temperatur natürlich auch die Erwartungen. Beim letzten Gig in der Batschkapp konnte man zwar sowohl showtechnisch als auch bezüglich der Songauswahl überzeugen, aber der Sound ließ doch damals sehr zu wünschen übrig.
Diesmal passte aber sowohl der Sound als auch das Stageacting. Die Mannen um Nergal machten von Anfang an klar, wer hier der Chef im Nachtleben ist. Spieltechnisch sind die Jungs ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Aber die Setlist sorgte diesmal bei mir für Kopfschütteln. Erstens wurde das Set von der vorletzten Scheibe „Demigod“ dominiert. „Sculpting The Throne Ov Seth“, „Demigod“, „Conquer All“ und „Slaves Shall Serve“ dürften gespielt worden sein. Dazu zwei oder drei Songs von „The Apostasy“, das unvermeidliche „As Above, So Below“, „Chant For Eschaton“, „From The Pagan Wastelands“ und das war es auch so ziemlich.
Und zwotens hätte ich mir persönlich noch ein paar Songs von „Zos Kia Cultus“ gewünscht oder zumindest noch „Christians To The Lions“ von „Thelema 6“.
So kam es dann für mich sehr überraschend, dass nach 50 Minuten schon das Ende des Sets angekündigt wurde. Es folgten noch zwei Songs und dann verabschiedete sich die Truppe schon.
Netterweise lies man sich erweichen und kam noch für zwei weitere Lieder auf die Bühne. Warum man aber zwei Coversongs spielte (der eine war wohl irgendwas Hardcore-lastiges…), entzieht sich meinem Verständnis. Man hat so viele göttliche Songs in der Hinterhand und dann spielt man als Zugabe so einen Schrott. Viele im Publikum sahen es wohl ähnlich, da die meisten am Dienstagmorgen wohl wieder früh auf Arbeit mussten und sich nach Mitternacht nicht mit halbgarem Zeug abgeben wollten.
Na ja, bis auf die kurze Spielzeit und den vollkommen überflüssigen Songs der Zugabe, doch ein starker Auftritt.
Dennoch sollte man sich überlegen, ob drei Vorgruppen nicht des guten zuviel sind und der Mainact dann lieber mal 90 Minuten spielt. Aber das nennt sich wohl Zeitgeist.

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