FLOTSAM & JETSAM, ABANDONED, NON-DIVINE, IZEGRIM - Frankfurt, Nachtleben - (05.03.2008)
Scheiße, ist das wirklich schon so lange her? Genau eine Woche später, am 12.03.2008 werden es 21 Jahre. Damals spielte eine junge, hungrige Truppe im Vorprogramm von MEGADETH auf der „Peace Sells…“-Tour im Frankfurter Volksbildungsheim vor einer Horde Thrasher, stilecht in Kutte mit Schnauzer und schulterlangen Haaren mit Pony. Über zwei Dekaden später stehen einige der damaligen Zeitzeugen wieder in Frankfurt auf und vor der Bühne, um eine Neuauflage des damaligen Spektakels (natürlich ohne Egomane Dave und seine Megatoten) zu bieten.
Aber vorher musste man sich durch drei Mal mehr Mal weniger amüsante Vorbands kämpfen.
IZEGRIM
.jpg) Gegen halb neun betrat eine Truppe mit zwei Damen die Bühne, wie man später erfuhr aus Holland angereist, und versuchte die handvoll Anwesenden mit ihrem Death Metal zu überzeugen. Um es kurz zu machen, die Band hatte es aus mehreren Gründen verdammt schwer etwas zu reißen. 1. war das Songmaterial der technisch überaus fähigen Truppe völlig banal und belanglos. 2. fehlte der Band mit den zwei Damen in ihren Reihen jegliches Charisma und 3. hatte an diesem Abend ohnehin kein Mensch im Publikum Bock auf Death Metal. Alle Zeichen standen auf Thrash und somit verpuffte der Auftritt der Niederländer im Nichts. Aber zumindest mein Kaffee war gut.
NON-DIVINE
Auch Band Nr. 2 war aus Holland, bot aber schon mehr fürs Geld. Die erste Hälfte des Gigs stand ganz im Zeichen rockigen Metals mit ordentlich Groove in den Backen. Bis hierhin machte der Gig richtig Laune. Man spürte die Energie und die Freude am Spielen. So wie es halt sein soll. So waren die Jungs immer in Bewegung und verbreiteten Frohsinn unter dem Volk. Vor allem der Bassist wirkte völlig überdreht, so dass man von diversen Stimulanzen ausgehen durfte und die dürften sich nicht nur auf Jägermeister beschränkt haben. .jpg)
Mit der Ansage „jetzt kommt was schnelles“ gab es einen stilistischen Bruch im Set und es wurde deutlich warum die Band IN FLAMES like in komplett weißem Outfit auf der Bühne stand. Die Parallelen zu den Schweden wurden deutlich und der moderne Death Metal Touch blieb bis zum Ende des Auftritts erhalten.
Trotzdem cooler Auftritt, der der Band mit Sicherheit ein paar neue Freunde eingebracht hat.
ABANDONED
Neue Freunde haben die Hessenthrasher von ABANDONED mit Sicherheit nicht nötig. Innerhalb der letzten zwei Jahre hat man sich ein recht ordentliches Reservoir an Stammhörer erspielt. Dies liegt natürlich nicht nur an dem mehr als soliden Thrash den die Jungs zelebrieren, sondern natürlich auch an der coolen Livepräsenz und den überaus unterhaltsamen Ansagen von Sänger/Gitarrist Kalli.
Ansonsten war es wie immer. Gute Performance, solides Stageacting, Blödeleien zwischendurch, gemischte Setlist aus beiden Alben. Und falls jetzt jemand mit einem „ja, aber…“ kommt, halte ich es mit dem Zitat von Kalli: „Ja, aber….das hör isch immer uff de Abbeit. Des will ich hier net hörn.“
FLOTSAM & JETSAM
Und dann war sie da. Die Stunde des Flotzillas. Gleich der Einstieg mit einem glasklaren, druckvollen Sound und „Hammerhead“, dem Opener des Debüts, beseitigte alle Bedenken. Wer allerdings hoffte, dass man nur Songs der ersten zwei Alben spielte, der wurde enttäuscht. Wer wie ich aber auch die Spätwerke schätzt, für den war die Setlist eine einzige Offenbarung. Allein für „Swatting At Flies“ vom unterbewerteten Album „Quatro“ hätte ich getötet. Ein Kracher folgte dem nächsten. Weder für das Volk vor noch auf der Bühne gab es Verschnaufpausen und so japste ein sichtlich angestrengter Eric A.K. schon nach zwei Songs ins Mikro, wie ein altes Walross. .jpg)
Aber völlig egal was die Jungs aus den US of A auch spielten, sie wurden vom Publikum im Nachtleben bedingungslos gefeiert und das war in der Form nun wirklich nicht zu erwarten. Und so schraubte sich die Spirale der Euphorie immer weiter nach oben. Das Publikum peitschte die Band an, die Musiker spielten voller Energie und feuerten arschtight eine Hymne nach der anderen zurück. Song um Song wurde es lauter, geiler, heißer bis man überall vor der Bühne nur noch fett grinsende Gesichter zu sehen bekam. Gerade dem sonst so schüchtern agierenden Eric bekam die Dusche aus Zuneigung und Jubelstürmen gut. Selten hat man ihn so locker auf der Bühne gesehen und mit soviel Spaß beim Interagieren mit dem Publikum erlebt.
Mit „Forkboy“ gab es zwischendurch noch eine Coverversion von LARD zu hören, bei welcher Jason Ward’s Bruder früher getrommelt hat. [LARD waren ein Projekt von DEAD KENNEDY’s Sänger Jello Biafra und Al Jourgensen und Paul Barker von MINISTRY und sind absolut hörenswert-Anm. des Verf.]
Das frenetisch skandierende Publikum konnte die Band sogar zu zwei Zugaben bewegen. Beim vorletzten Song hörte sich das bei Eric so an: „Eigentlich spielen wir diesen Song niemals live, weil der mich wirklich fertig macht. Aber ihr habt das euch heute wirklich verdient. Ihr seid das beste Publikum bisher auf dieser Tour. Für euch „Doomsday For The Deceiver“.
Und zu diesem Zeitpunkt mit den ersten Noten dieses Götteropus war ich wieder 19 Jahre alt, ein leicht verschüchterter, junger Metaller und bangte mir das Hirn aus dem Schädel. Da hatte sogar ein alter Sack wie ich Pipi in den Augen. Zur letzten Zugabe gab es dann noch das Groovemonster „Smoked Out“ vom „Drift“-Album und dann war viel zu früh endgültig Schluss. Aber selbst wenn die Jungs 3 Stunden gespielt hätten, der letzte Song wäre immer zu früh gekommen. So ging ein absolut denkwürdiger Gig zu Ende. FLOTSAM haben ihren besten Gig seit nahezu 20 Jahren in Deutschland, bei dem ich anwesend sein durfte, abgeliefert und bewiesen, dass zumindest an der Live-Front mit ihnen noch lange zu rechnen ist.
Setlist (ohne Gewähr)
Hammerhead
Me
The Master Sleeps
Swatting At Flies
No Place For Disgrace
Secret Square
Hard On You
Forkboy
Escape From Within
Hallucinational
I Live You Die
Doomsday For The Deceiver
Smoked Out

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