OVERKILL, MORTAL SIN, DRONE - Frankfurt, Batschkapp - (12.03.2008)

Es gibt ein paar Bands, die man in seiner Karriere als Metaller schon mal gerne zu Gesicht bekommen würde. Zeigt man sich dem Thrash zugeneigt, gehören OVERKILL sicherlich in diese Kategorie, also nichts wie mit Kollege Frank zusammen geschmissen und auf in die Batsche, als die Szene-Veteranen zum Tanz luden. Der gute Frank hatte mir schon einige Gigs der Jungs voraus [Sämtliche Tourneen von “Taking Over” bis “W.F.O” und ein paar Festivalgigs um genau zu sein-Anm. von Frank], wie auch immer ich es bisher geschafft hatte sie mir durch die Lappen gehen zu lassen. Das steigerte natürlich meine Neugier, und wenn man in Betracht zieht, dass mit MORTAL SIN noch eine weitere Thrash-Band mit gehörig Vergangenheit mit am Start waren, versprach das einen coolen Abend. Gut, direkt zum Einlass hätte ich Frank noch nicht hinhetzen müssen, denn offenbar ließen sich die meisten Leute Zeit mit dem Erscheinen, ich machte mir anfänglich schon ernsthafte Sorge,n ob denn überhaupt einen nennenswerte Menge zusammenkommen würde. Eine Sorge die sich als unbegründet herausstellte, als sich der Laden deutlich füllte und einmal mehr demonstrierte, dass die Arbeit von Sub-Kultur nach einer jahrelangen Flaute wieder eine lebendige Konzertlandschaft in Frankfurt und somit dem Rhein-Main-Gebiet etabliert hat.
Los ging es dann auch pünktlich um 20.30 Uhr mit dem ebenfalls im Gepäck befindlichen Jungs von
DRONE
.jpg) Wir durften die Band ja schon vor einigen Monaten zusammen mit AMORAL und NORTHER erleben, dementsprechend verglich ich natürlich die Leistung der sehr an MACHINE HEAD orientierten jungen Thrasher. Ich wünschte ja, ich könnte den ausgesprochen sympathischen Kerlen eine paar hochtrabendere Zeilen widmen, aber leider präsentierten die Jungs ihre Mucke noch immer relativ flach. Als Einlaufmusik den Pirates Of The Carribbean Soundtrack zu nehmen, würde ich eher RUNNING WILD empfehlen, ansonsten war es zwar nett und an den musikalischen Fähigkeiten gab es nichts auszusetzen, aber so richtig reißen konnten sie mich mal wieder nicht. Ich kann nicht mal hundertprozentig festmachen woran es liegt, denn prinzipiell enthält ihre Musik ziemlich viel das mir an modernem Thrash gefällt, es wirkt nur einfach nicht originell. Dabei fiel auf, dass die deutlich größere Bühne ihnen scheinbar gut tat, denn das Stageacting war deutlich besser, und Sprüche wie: „Äppelwoi? Jaja, ihr habt da unten Äppelwoi und wir, wir haben hier nur schwules Selters, das ist Metal!“ demonstrierten einen gesunden Sinn für Humor und Selbstironie. So zockten sie sich Solide durch ihr Set und das bisher anwesende Publikum reagierte auch recht gut auf den melodiereichen modernen Thrash, wobei Franks Kommentar zum kurz aufkommenden Pit eigentlich alles sagt: „Die sollten hoffen, dass kein Erwachsener mit macht...”
Nach gut 30 Minuten war der Auftritt aber auch vorbei und es wurde Zeit für den ersten Klassiker alter Schule des Abends, denn
MORTAL SIN
betraten die Bühne. Die Herren aus Down Under schickten sich auch direkt an, mit dem was wohl gerne Old School Klänge genannt wird, die Halle zu rocken. Anfänglich reagierte das Publikum noch recht verhalten, der etwas dumpfe Sound war auch nicht die Erfahrung auf die manch einer gewartet hat, aber dann machte es kurz knack und oh Wunder, klare Töne von der Lead-Gitarre, mehr Druck und Klarheit im Klang, das war gleich eine andere Welt. Dann schüttelten die alten Hasen ihr Ass aus dem Ärmel und spielten als dritten Song „Lebanon“, ihren größten und einzigen wirklichen Hit. Das Eis war gebrochen und mit der Stimmung am aufkochen ging es dann langsam richtig los. Technisch größtenteils sauber und energetisch kamen die Riffssalven und Double-Bass-Tiraden und ein Sänger und Bassist, die sich alle Mühe gaben die Menge aufzupeitschen, wenn das beim Tieftonzupfer bisweilen auch etwas merkwürdig anmutete, rundeten den Auftritt ab.
Trotz der langen Zeit zwischen den letzten Alben war auch ein durchaus respektabler Anteil der Leute wegen der Australier da (inklusive zweier Die-Hard-Fans, die ihre Vinyl Ausgaben der ersten beiden Alben vor dem Konzert haben signieren lassen). Das führte nach kurzen Ausführungen zur goldenen Zeit des Thrashs dann auch zum ersten „Erwachsenen-Pit“ des Abends, bei dem es sich Sänger Mat Maurer gegen Ende nicht nehmen ließ selbst reinzuspringen und den Leuten mal zu zeigen wie das geht. Ich zumindest habe mich schon schlechter amüsiert, der Heilige Gral des Thrash Metals war es aber auch nicht gerade.
(Marco)
Insgesamt gesehen war der Auftritt von MORTAL SIN ordentlich. Sänger und Gründungsmitglied Mat Maurer war gut bei Stimme und die Band um Grimassenmonster Andy am Bass erstaunlich spielfreudig. Dennoch zeigte dieser Gig, wie schon das neue Album deutlich, warum die Jungs aus Down under nie den großen Erfolg hatten. Man ist einfach nicht gut genug für die Spitze. Dennoch netter Gig.
(Frank)
Langsam wurde es aber Zeit für die Hauptattraktion des Abends, denn mit lautstarken Fangesängen wurden
OVERKILL
auf die Bühne gefordert.
Nun gut, als Veteran der Thrashszene war es mir vergönnt OVERKILL in ihrer Hohephase zu erleben. Die bisher unerreichten Live-Auftritte der Jungs um Sänger Bobby waren auf ihren Touren zu den Göttergaben “Years Of Decay” und “Horrorscope”. Nie waren die Thrasher stärker, tighter, härter und cooler als Ende der 80er, Anfang der 90er. Im Gegenteil, danach ging es meiner Meinung nach immer stärker bergab. Nicht ein Album mehr, dass komplett überzeugen konnte und die alten Songs wurden Live meines Erachtens nur noch so schnell wie möglich runtergerotzt, ohne dem Liedgut die Möglichkeit zu geben, ihr einzigartiges Feeling zu entfalten.
Nun, auch der Gig an diesem Abend konnte nicht ganz mit den alten Glanztaten mithalten, war aber dennoch der beste Gig der Band seit knapp 17 Jahren und das ist ja auch was.
Jedenfalls hatte es die Setlist in sich. Kaum ein Song der letzten Scheiben mit Dave Linsk. Dafür eine fette 80er Breitseite mit einigen Einschüben der 90er. Neuere Sachen wurden nur am Rande gestreift.
Allein “Skullcrusher” zauberte bei allen Oldschoolern ein seeliges Lächeln ins Gesicht. Die Band war extrem spielfreudig und motiviert, also eigentlich wie immer. Dave Linsk an der Leadgitarre zauberte das eine oder andere feine Lick aus dem Handgelenk und D.D. Verni am Bass ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Nur der zweite Gitarrist, haute neben unzähligen dämlichen Grimassen auch die eine oder andere Ungenauigkeit im Spiel raus.
Aber auch das war eigentlich egal, denn der Star im Team ist nach wie vor Süßwasserkreische Bobby Blitz Elsworth. Der Mann ist jetzt seit über 30 Jahren das Energiewunder und die treibende Kraft bei Live-Auftritten. Dieser Kerl mit der sirenenhaften Reibeisenstimme zeigt immer noch keinerlei Verschleißerscheinungen (ausser man schaut mal näher im Gesicht nach) und pusht Band und Publikum immer wieder an.
Während auf und vor der Bühne der Bär steppte, kämpfte ich ganz vorne mit meiner Kamera, dem exzessiven Einsatz von Trockennebel und diversen Schwachmaten. Vor allem der Vogel mit der kugelrunden Lockenpracht musste ständig seine schmierigen kleinen Händchen vor die Nase von Sänger Bobby halten. Vielleicht sollte dem Bürschchen mal jemand erklären, dass man ab und zu auch mal bangen darf und Sänger ungern mit dem Publikum Händchen halten. Dass so das Fotografieren zum Vergnügen der etwas anderen Art wurde, dürfte jedem klar sein.
Aber egal, OVERKILL spielten mit Zugabe knapp 90 Minuten und boten inkl. starker Setlist mehr fürs Geld, als die meisten anderen Bands in der heutigen Zeit. Auch das muss anerkennen honoriert werden.
Den Abschluss bildete der Gassenhauer “Fuck You!” in welches das AC/DC-Cover “Dirty Deeds Done Dirt Cheap” eingebettet wurde. Zwar sauber intoniert, aber doch ziemlich überflüssig, wenn man sich die Anzahl an großartigen Hymnen ansieht, die noch nicht gespielt wurden. Aber was solls, toller Auftritt, ein ekstatisches Publikum, angesichts der Zuschauerzahlen wohl auch zufriedener Veranstalter und somit dürften so ziemlich alle glücklich heimgefahren sein.
(Frank)
Mich als Debütanten auf einem OVERKILL Konzert hat der Abend begeistert. 30 Jahre Bandgeschichte und noch kein bißchen leise, eher im Gegenteil. Es war ohrenbetäubend laut, energetisch und charismatisch und mit einer „Fickt euch alle“-Attitüde vorgetragen [Was kein Wunder ist, da die Band einen nicht gerade unerheblichen Punkbackground aufweist-Anm. von Frank], dass es eine wahre Freude war. Im Pit war einiges los, aber die Fairness wurde trotz aller schräger Typen vor Ort hochgehalten, auf die auch der Sänger zu sprechen kam, als er meinte „ihr seit alle Metalheads, hart feiernd, Bier und Pit, sich wieder auf die Füße helfend, wenn einer hinfällt!“ Frei nach dem Motto, dass die Pisser ausserhalb der Mauern die uns nicht kennen, geschweige denn verstehen, uns mal querweise können, ging es heiter weiter. Ein Geist der heutzutage vielleicht zu selten durch kommt.
Musikalisch überzeugend und mitreißend, nicht ganz ohne Patzer aber mit umso mehr Bühnenpresänz haben OVERKILL ganz schön gerockt, das hat sich gelohnt.
(Marco)
Setlist OVERKILL (ohne Gewähr)
Devils In The Mist
Hello From The Gutter
Nice Day For A Funeral
It Lives
Rotten To The Core
Bastard Nation
Skull & Bones
Thanks For Nothing
F.U.C.T
Necroshine
Skullcrusher
Hammerhead
Wrecking Crew
Fatal If Swallowed/Elimination (Medley)
Old School
Fuck You

Noch keine Kommentare vorhanden
|
Verfasser:
Azriel
Datum:
15.03.2008
Gelesen:
1016x
Kommentare:
Noch keine Kommentare
|