CHIMAIRA, MAROON, THE SORROW, DEAD SHAPE FIGURE - Frankfurt, Batschkapp - (23.03.2008)

Nach dem ganzen Oldschool Zeux dieses Jahr nun ein Konzert in Mainhattan für die Anhänger der Nu Church of American Heavy Core, oder so ähnlich. CHIMAIRA aus den Staaten haben sich mit ihren bisherigen Alben eine recht ordentliche Anhängerschaft erspielt und mit ihrem letzten Scheibchen „Ressurection“ einen richtig fetten Brecher an den Start gebracht, der auch mich komplett überzeugen kann. Freunde von LAMB OF GOD und FEAR FACTORY dürften ihre helle Freude an den Songs haben. Zur Freude aller sollten auch die drei Vorbands beitragen, als da wären die Finnen von DEAD SHAPE FIGURE, die Kritikerlieblinge von THE SORROW und MAROON, zu denen man wirklich nichts mehr sagen muss. Starten durften dann die bisher völlig unbekannten Finnen.
DEAD SHAPE FIGURE
Unbekannt bleiben werden die Jungs aber mit Sicherheit nicht lange. Ich durfte lange keinen so guten Opener einer Show mehr genießen. Erstens traf man mit einem Mix aus LAMB OF GOD und FACE DOWN genau meinen Nerv und zwotens sprühten die Jungs nur so vor Energie und Spielfreude. Dies übertrug sich dann auch sehr schnell auf das Publikum.
Auf Betriebstemperatur bringen ist der Auftrag eines Openers und den erledigte die Band mit Bravur. Vor der Bühne wurden im Moshpit die ersten Claims abgesteckt und auf der Bühne rannten sich der Sänger und die zwei Gitarristen auch des Öfteren über den Haufen. Man darf auf das im Mai erscheinende Debüt mit Spannung warten.
THE SORROW
Die Österreicher werden von der Presse heiß und innig geliebt und normalerweise schreit der gemeine Fan dann gleich was von Hype. Nun, im Metalcore scheint man dies ein wenig anders zu sehen. Vor allem wohl weil die Szene selbst von ihrem höchst eigenen Hype lebt.
.jpg) Objektiv betrachtet machen THE SORROW nicht viel anders als alle anderen Melodic Metalcore Death Speed was weiß ich Bands. Klassische gedoppelte Leads, Breakdowns, heiseres Gebrüll und ab und zu clean gesungene Passagen beherrschen die Songs. Business as usual könnte man sagen.
Was die Jungs zumindest live ein wenig heller strahlen lässt als alle anderen, ist die sehr imposante und arschtighte Performance auf der Bühne und das die clean gesungenen Passagen aber auch wirklich perfekt und harmonisch klingen. Das hörte sich bei ähnlich veranlagten Kollegen schon ganz anders, nämlich fürchterlich schief, an.
Mir persönlich gab der Auftritt nicht viel, im Publikum gab es aber nicht gerade wenige die nur wegen den Ösis angereist waren und dementsprechend gut war auch die Stimmung. Und der Moshpit nahm nunmehr „erwachsene“ Dimensionen an.
Positiv war auch die Ansage von Bassist Tobi, der die Mosher im Pit ermahnte doch bitte aufeinander aufzupassen, die dämlichen Karatekicks wegzulassen und sich nicht zu verletzen. O-Ton: „Lasst den Scheiß weg, das braucht echt keiner. Macht’s ganz oldschool, bangen, moshen, pogen, aber gebt aufeinander acht.“ Sehr löblich! Dass er dafür noch Pfiffe von einigen Unverbesserlichen einstecken musste, verbuchen wir mal unter „Trottel gibt es überall“.
Negativ: Diese Unsitte der wall of death konnten sich THE SORROW dann doch nicht schenken, MAROON mussten den Mist natürlich noch mal wiederholen. Nun gut, wer sich den Schädel einrennen will, aber beschwert euch nachher nicht, wenn der Scheitel nicht mehr sitzt und der Kajal verläuft.
MAROON
Die Nordhausener hatte ich jetzt schon mehrfach live gesehen und wurde im Endeffekt nie enttäuscht. Auch diesmal wieder trümmerten sich die Jungs gekonnt durch ihre Alben und sorgten für regen Betrieb vor und auf der Bühne. Allerdings muss ich zugeben, dass ich von ihrem neuesten Album „The Cold Heart Of The Sun“ nicht sehr viel gehört habe und was ich hörte, hat mich nicht wirklich umgehauen. So auch an diesem Ostersonntag, die alten Songs grooven wie Sau, sobald es aber ein wenig aktueller wird, wird es zwar melodischer und musikalisch filigraner, aber der mitreißende Mosh-Effekt fehlt mir.
Das Dargebotene zählte zwar insgesamt immer noch zur Speerspitze des Metalcore, man hat die Jungs um Sänger Andre in den letzten Jahren aber schon besser gesehen.
CHIMAIRA
Der Gig in der Batschkapp stand für CHIMAIRA ganz im Zeichen ihres neuen Albums „Resurrection“. Song eins bis fünf, sieben und neun wurden in die Setlist gepackt. Eine klare Botschaft bezüglich der Qualität des Albums und der Überzeugung, dass diese auch vor Publikum bestand hat. Aber auch für die Fans der ersten Stunde waren noch genug Songs dabei. Von „The Impossibility Of Reason“ packte man immerhin noch drei Songs aus.
Generell werden Bands wie CHIMAIRA gern in die Nu Metal oder Metalcore Ecke gepackt. Dass die Chimären dort spätestens mit dem neuen Album nicht mehr hingehören, dürfte nach dieser Tour jedem klar geworden sein. FEAR FACTORY bezeichnet auch niemand mit klarem Verstand als Nu Metaller.
.jpg) Gut, zugegeben die ersten Alben hatten eine leichte Affinität Richtung KORN, aber davon ist anno 2008 nichts mehr zu spüren. Die Jungs aus Ohio spielten sich verdammt routiniert durch ihren Set, Sänger Mark hat das Publikum jeder Zeit lässig, schon fast arrogant im Griff und symbolisiert damit perfekt die coole Rocksau.
Von der Attitüde, der Show und dem Auftreten im Allgemeinen zeigte sich hier ganz klar, warum eben CHIMAIRA der Headliner dieser Tour ist. Zwischen den nun wirklich nicht schlechten Vorgruppen und den Amis zeigte sich schon so etwas wie ein Klassenunterschied.
Nach knapp 70-75 Minuten war dann aber Schicht im Schacht. Ende, aus, Licht an und gut. Keine Zugabe, nichts. Auch eine Form von Professionalität. Darüber kann und soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Über die Tolerierbarkeit von zu kurzen Konzerten habe ich mich oft genug geäußert.
Die Toleranz ist bei mir aber extrem eng gesteckt, wenn man es mit Schwachköpfen ohne einen Funken sozialer Verhaltensformen zu tun hat. Wenn man sich im Moshpit die Köpfe einschlagen will, bitte schön. Aber was für einen Sinn hat es ständig den Leuten um den Pit herum in den Rücken zu springen? Ich habe beim Fotografieren mindestens ein Dutzend Mal einen Ellbogen abbekommen und das nicht aus Zufall, sondern mit Absicht. Das ging nicht nur mir so, sondern zum Beispiel auch dem jungen Mädel neben mir und das ist verdammt noch mal nicht lustig. Die einzige Möglichkeit solchen Schwachmaten zu begegnen, ist wohl es mit gleicher Münze zurückzuzahlen, sprich ich werde wohl in Zukunft bei ähnlichen Konzerten öfters zutreten müssen, als an diesem Sonntag.
Glücklicherweise konnten sich die Meisten benehmen und so war am Ende alles gut. Hervorzuheben seien auch die fairen Merchpreise. Mancher Act aus den Staaten hat da schon andere Summen verlangt.
Setlist
Pure Hatred
The Flame
Power Trip
Nothing Remains
Horror
Worthless
Black Heart
Cleansation
Pleasure In Pain
SIX
No Reason To Live
Dehuman
Let Go
Severed
Resurrection

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