Metal District präsentiert...
Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
Skull Metal District - Live Reports: Skull
ASP, LAHANNYA – Frankfurt a.M., Batschkapp - (26.03.2008)

Little Black Metalhead im Gothicland zum zweiten wäre wohl eine gute Überschrift, denn ich wagte mich mal wieder in die musikalischen Pannesamtregionen vor, um meiner Schwäche für das ein oder andere aus der Ecke etwas Futter zu geben. ASP ist gerade mit seinem Best Of Album unterwegs und sich bei der Gelegenheit sein Heimspiel in Frankfurt anzusehen konnte sicher nicht Schaden. Gesagt getan machte sich unser kleines Grüppchen auf und reihte sich an einem ekelhaft nasskalten Abend in die sehr lange Schlange vor der Batschkapp ein. Unbestreitbar schaffen es die Herren regelmäßig nicht gerade kleine Hallen gut zu füllen, ihre Anhängerschaft erscheint loyal und begeistert und vor allem im Wachstum begriffen (einige Exemplare auch noch im Wortsinne). Demenstprechend stellte sich auch die Menge, welche da Einlass begehrte dar. Neben dem klassischen Gruftie über den Trendgothen und dem ein oder anderen verloren wirkenden Zufallsbesucher (nicht zu vergessen schaffte ASP vor kurzem eine Chartplatzierung) sowie erstaunlich vielen Leuten in Metalshirts waren auch ein paar verwirrt dreinblickende Elternteile mit ihren Kleinen vor Ort.
Los ging es in der gut gefüllten Batsche dann auch recht pünktlich um kurz nach 21 Uhr mit dern Anheizern des Abends, als
 
LAHANNYA

die Bühne betraten. Auf die ersten Töne stellte sich deren Mucke als ganz netter Gothic Rock mit einem leichten Hau zum Gothic Metal in den Riffs samt Frontelfe heraus. Leider muss ich sagen dass sie mich nur begrenzt überzeugen konnten, denn auch wenn die meisten Songs durchaus etwas Elan entwickelten, fehlte es doch an Biss und Abwechslungsreichtum. Die Songstrukturen wiederholten sich häufig im „erst Samples, Schlagzeug einsatz, Bass einsatz und alle“ Muster und auch wenn ich Basslastiges Spiel mag, sollte damit eine gewisse Komplexität der Basslinien einhergehen, aber der gebleichte Herr am Tieftöner war eher mit „gut“ aussehen beschäftigt, vielleicht eine altlast seiner Mitgliedschaft bei UMBRA ET IMAGO. Der Herr an der Gitarre machte da schon eine bessere Figur und als einziger ohne Gechlechtsverschleiernde Schmink- und Haarfärbeverbrechen wirkte er auch eher mit der Musik beschäftigt...und mit dem Ventilator der ihm die Haare verwegen fliegen ließ. Der Schlagzeuger zeichnete sich neben recht präzisem Spiel wohl noch am ehesten dadurch aus, dass wir eine Weile über sein Geschlecht rätseln mussten aber nun stolz verkünden können uns beinahe sicher zu sein dass es sich um einen Mann handelt...vielleicht.
Die junge Dame am Mikro und Namensgeberin der Combo Lahannya selbst hingegen gab sich durchaus Mühe, aber es mangelte auch hier an entscheidenden Punkten. Zunächst war ihre Stimme zwar an sich recht passabel, aber ließ sehr an Volumen vermissen womit sie kaum gegen die Instrumente ankam. Das mit der Bühnenpresenz sollten wir vielleicht auch noch mal üben, das Ganze wirkte doch recht ungelenk und nicht gerade beschwingt wenn mal Bewegung ins Spiel kam. Aber dafür war sie recht hübsch und hatte blaue Haare und eine passende blaue Korsage, das ist nach langläufiger Meinung ja auch schon was. In den Worten meiner Freundin klingt das dann vielleicht eher so: "Poserband die zu sehr mit dem drumherum und zuwenig mit dem Wesentlichen beschäftigt scheint." Aber das habe ich so ja nie gesagt...
Das Publikum (bis auf die nicht ganz Wenigen die meiner Meinung waren) zumindest war nach den etwa 40 Minuten recht zufrieden, auch das muss man anerkennen.
 
Auf in die Umbaupause und schon füllte sich der vordere Bereich der Halle noch etwas mehr, schließlich war nun der Lokalmatador und Szeneliebling an der Reihe, denn düster vernebelt mit wenig aber effektvollem Licht und einstimmenden Introklängen wurde es Zeit für
 
ASP.
 
Gewohnt spielfreudig ging es dann auch direkt zur Sache und Asp selbst schwelgte wieder in seinen Posen, stets bemüht sein Publikum zu unterhalten. Der Mann mit dem unbegrenzten Gesichtsfasching legte sich mal wieder mächtig ins Zeug und bot den gesamten Gig über auch optisch großes Kino. Theatrale Gesten untermalten seinen Auftritt in tausend, mal humorvollen mal Pathos geschwängerten, Grimassen. Unabhängig davon was man von seiner Mucke auf Konserve halten mag muss man ihm aber zugestehen, dass er das nicht veranstaltet um von mangelndem Können abzulenken, denn Singen kann der Kerl. Auch instrumental präsentiert sich die Band Live in einem deutlich ansprechenderen Licht und setzte somit eine sehr gute Bilanz in Sachen Livequalität fort. Nicht, dass hier fehlerfrei gezockt wurde, das war diesmal nicht der Fall. Sie vergriffen sich einmal bös im Tempo und es gab in der Tat eine Textschwäche und zum Ende hin ist auch die Stimme zweimal nicht stabil geblieben. Aber das störte wenig, denn es war ein ungeheuer intensives Konzert mit einem zunächst sehr gut gelaunten Asp, der gewohnt souverän mit dem Publikum interagierte und scherzte, eine kleine lustige Rede über sein Freude vor heimischem Publikum zu spielen und dass das gar nicht so leicht wäre wie man immer behauptet.
Umso dankbarer und auch gerührter zeigte er sich im Verlauf des Konzerts bei steigender Stimmung. Im Wechselspiel zwischen Begeisterung des Publikums einerseits und völligem Verausgaben der Musiker anderseits während sie sich durch ihre beliebtesten Songs zockten, von "How Far would you go?" über "Weltunter" oder  "Sing Child" und auch dem Duett mit Lahannya "Nie mehr" gipfeltes das in Tränen seitens der Musiker in den emotionalsten Songs (Und ja, man könnte jetzt Scherze über die weinerlichen Gothen machen...oder einfach anerkennen, wie nah ihm die Beisgeisterung seiner Fans geht und inwieweit er sich in seine Musik fallen lässt).
Solch einfach echtes Verhalten peitschte das Publikum natürlich zu noch mehr Begeisterung und "wir wollen brennen" rufen auf.
Darüber vergaß er aber nicht, sich bei den Veranstaltern der Batschkapp dafür zu bedanken, dass sie seinem Wunsch entsprachen und nicht die gesamte Kapazität an Zuschauern ausnutzten um ein wenig Platz zum atmen auf dem Ausverkauften Gig zu lassen und somit auch auf eine nicht unerhebliche Summe Geldes verzichteten um den Anwesenden ein unbeschwerteres Konzertvergnügen zu ermöglichen, ein Sieg des musikalischen Miteinanders über die Gier.

Und da wir es gerade von Gier haben, manch einer mag etwa 25 Euro für ein Ticket als Gierig empfinden und über deren generelle Veröffentlichungs und Geldscheffelpolitik muss ich keine Worte verlieren aber am Ende des Abends standen alleine ASP einschließlich dreier Zugaben mitsamt dem abschließenden "Ich wil brennen" 140 Minuten auf der Bühne und das macht heute fast keiner mehr, ganz zu schweigen davon sich im Anschluss sichtlich erschöpft noch eine gute Stunde mit den Fans auszutauschen, Autogramme zu geben und für Fotos zu posieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





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Verfasser:
Mr. Vandemar

Datum:
01.04.2008

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