KEEP IT TRUE X - Lauda-Königshofen, Tauberfrankenhalle - (04.+05.04.2008)
Selten zuvor wurde unter den Old-School-Metal-Fans ein Event so herbei gesehnt wie das zehnte Keep It True- Festival. Bereits sechs Monate vor Beginn des Festivals waren die Karten ausverkauft und das bei Nutzung der großen Tauberfrankenhalle, während die Varianten im November ja in einer kleineren Halle statt finden. Bei eBay erzielten die Karten Rekorderlöse von bis zu 200 € je Karte, ehe es sich kurz vor Festivalbeginn relativierte. Doch mit dem Billing, das die Veranstalter da herangekarrt hatten, haben sie sich auch ein Denkmal gesetzt und auch mit den Absagen hielt es sich in überschaubaren Grenzen. Mit PHANTOM X musste lediglich eine der bestätigten Bands absagen, die von OMEN-Sänger Kevin Goocher gefrontet wurden, der sich aufgrund einer Hüftoperation schonen musste.
Das Billing und die Festival-Atmosphäre hatte sich herumgesprochen und so merkte man, dass dieses Ereignis diesmal sehr international war: Anhänger aus Holland, Griechenland, Spanien, Tschechien, Italien, England, Frankreich oder Finnland waren genauso anzutreffen wie Fans aus Argentinien oder Mexiko.
Es fiel den Hellenen von BATTLEROAR (nicht zu verwechseln mit den Italienern von BATTLE RAM, die den Samstag eröffnen sollten!) zu, den Anfang zu machen. Nicht zuletzt wegen MANILLA ROAD waren etliche Griechen anwesend (eigentlich verrückt, denn ein Wochenende später sollten beide Bands in Griechenland auf dem „Up The Hammers“- Festival in Athen spielen!) und zumindest diese sowie einige Undergroundler waren mit dem Songmaterial der Band vertraut, denn trotz bereits zwei erschienener Alben haben die Jungs in Deutschland noch nicht viel reißen können. Ihr Sound ist dabei klassischer traditioneller Heavy Metal europäischer Prägung, leicht episch angehaucht, wobei Einflüsse von Acts wie MANILLA ROAD oder BROCAS HELM unverkennbar sind. So spektakulär wie die genannten Bands gehen BATTLEROAR aber leider nicht vor und so erntete die Band vom neutraleren Publikum nur einigen gutgemeinten Applaus. Während sich also einige Leute den Set der Band anschauten, durchstöberten die ersten Fans bereits die im hinteren Teil der Halle stattfindenden Metalbörse nach CDs, Platten, Shirts und ähnlichem. Den Schlusspunkt setzte die Band mit dem Track „Battle Roar“, der offensichtlich so etwas wie die Bandhymne darstellt, wenn man die Zuschauerreaktionen berücksichtigt.
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Weiter ging´s nach zwanzig Minuten mit den Mexikanern STRIKEMASTER, die Teil der neuen Old-School-Thrash Metal-Szene sind, die aus Übersee kommt. Das Trio thrasht im Vergleich zu Acts wie FUELED BY FIRE eher roh und simpel herum und verweigert sich grundsätzlich Melodien. Sänger und Gitarrist Colonel KMU sah ein bisschen aus wie ein 18-jähriger Highschool-Absolvent, überhaupt scheinen die Jungs noch sehr jung zu sein, was ein wenig überrascht, wenn man weiß, dass es die Band bereits seit vier Jahren gibt. In der Setlist waren sowohl Songs vom Debüt „Up For The Massacre“ als auch Songs der jüngst erschienen EP „Inflexible Steel“. Auf Dauer erwies sich die Mucke der Jungs als recht belanglos und langweilig, für zwischendurch ging es aber in Ordnung. Ein wenig Abwechslung würde der Band definitiv gut zu Gesicht stehen. Sympathisch waren die Jungs auf der Bühne auf jeden Fall, frisch und unbekümmert, wie sie ihre Instrumente bedienten und Bassist Captain Ricardo stach mit seinen ganzen Nieten ziemlich hervor, wusste sie durch korrektes 80er Jahre-Posing aber auch gekonnt einzusetzen.

Beim nächsten Act MERCILESS DEATH musste man sich musikalisch nicht groß umgewöhnen, auch diese Jungs aus den Staaten zocken Thrash Metal der Old-School-Art und erinnern nicht selten an frühe DARK ANGEL. Im Vergleich zu STRIKEMASTER wirkt ihr Sound um einiges professioneller und vor allem strukturierter. Die Soli ließen Vergleiche an das erste KREATOR-Album zu, was sehr sympathisch war und die anwesenden Thrasher nahmen die Kost dankbar auf. Die Optik und einige Klischees sind den Jungs offensichtlich auch wichtig und so fehlten selbst beim Schlagzeuger keine Nieten. Den Gesang teilten sich der Gitarrist und der Bassist und nach 45 Minuten war das Inferno zu Ende. Das war überhaupt auffällig: Selbst die ersten Bands an den beiden Festivaltagen hatten eine Mindestspielzeit von 40 bis 45 Minuten und wurden nicht mit 25 Minuten wie auf den größeren Festivals abgespeist.

Selbst nach diesen drei Bands herrschte am Merchandising-Stand des Veranstalters, wo man die Shirts, CDs und dergleichen der beteiligten Bands erstehen konnte, ein Andrang, der Wartezeiten von 40-50 Minuten erforderlich machte. Bei T-Shirt-Preisen von 15 € für beidseitig bedruckte Shirts (das KIT-T-Shirt kostete sogar nur 13,50 €, ebenfalls beidseitig bedruckt!) und 12 € für CDs konnte man aber auch schwach werden! Ebenfalls präsentierte der Veranstalter „The History Of Keep It True“, ein 64-seitiges Buch, das in schwarzes Leder gebunden war und in dem neben 90 beteiligten Bands auch Veranstalter Oliver Weinsheimer zu Wort kommt. Das Buch wurde für das Festival auf 15 Ocken verbilligt und fand reißenden Absatz.
Mit SENTINEL BEAST erwartete die anwesenden Fans das erste Highlight aus den 80er Jahren. Die Band trat im Original-Line-Up auf, das auch 1986 die einzige Scheibe „Depths Of Death“ eingespielt hatte. Wie so viele Bands präsentierten sich die Jungs um Sängerin Debbie Gunn, die nach dem Ende der Band den ZNÖWHITE-Klassiker „Act Of God“ einsang, optisch ein wenig anders als damals, aber nach zweiundzwanzig Jahren ist das ja auch kein Wunder. Songs wie „Mourir“, „Dogs Of War“, „Depths Of Death“, das IRON MAIDEN-Cover „Phantom Of The Opera“ oder die nach der Band benannte Hymne „Sentinel Steel“ wurden authentisch im klassischen Stil dargeboten und machten echt Spaß. Der angethrashte Speed Metal passte sehr gut in das Programm des Billings und so sah man viele kreisende Matten und glückliche Fans. Auch wenn Debbie gewichtsmäßig einiges zugelegt hat, steht sie doch noch immer im Mittelpunkt.

Bevor METAL INQUISITOR anfingen, griff Gitarrist Blumi zum Mikrofon und machte die traurige Mitteilung, dass Sänger El Rojo einen Tag vorher krank geworden war. Absagen wollte die Band den Auftritt trotzdem nicht und so erlebten die Fans in Lauda-Königshofen meines Wissens nach eine Weltpremiere – denn Blumi sang in Vertretung! Er machte seine Sache im Verlaufe des Sets dann auch gar nicht schlecht, auch wenn es zu El Rojo kein Vergleich war und Blumi nicht so richtig hoch in der Tonlage kam, was den Gesang anging, aber die Töne wurden getroffen. Da die Band von vornherein zwei Gastsänger eingeplant hatte, hat die Band Songs wie „Run For Your Life“ oder „Doomsday For The Heretic“ gut über die Zeit gebracht. Hinzu kam das JUDAS PRIEST-Cover „Invader“, das von einem Kameraden des „Hellbangers Moselfranken“- Fanclubs sehr ansprechend gesungen wurde und das von Brian Ross (BLITZKRIEG) gesanglich veredelte „Trial By Fire“. Etwas obskur war eine Coverversion der polnischen Band OPEN FIRE, von der die wenigsten etwas gehört haben dürften. Bereits 15 Minuten vor dem Ende der offiziellen Spielzeit verabschiedete sich die Band vom Publikum, es folgte aber noch die Zugabe „Daze Of Avalon“.

ATTACKER gehören zu den Bands, die bereits zu Gast bei dem Festival waren, doch diesmal spielte die Band das komplette „Battle At Helm´s Deep“- Album, zweifellos ein Klassiker in der US Metal- Geschichte, komplett durch. Mit solchem Songmaterial in der Hand kann man nicht viel falsch machen und so killten Tracks wie „Slayer´s Blade“; „Downfall“, „(Call On) The Attacker“ oder der Titeltrack gewaltig. Überall sah man fliegende Haare und begeisternde Gesichter, was sicher auch an der fannahen und überaus freundlichen Vorstellung der Band lag, die sichtlich Spaß hatte und es genoss, vor so vielen Leuten aufzutreten. Dazu gehörte auch, dass Sänger Bob Mitchell seine Nietenarmbänder ins Publikum warf, so dass die Amis nur noch mehr abgefeiert wurden. Aufgrund der Spielzeit von einer Stunde hatte die Band noch Zeit für weitere Songs und so kamen Tracks wie „I Am Sinn“ oder das SAXON- Cover „Denim And Leather“ zur Geltung. Trotz einiger Soundprobleme zum Ende hin war das ein sehr gelungener Auftritt, so dass sich die Band mit den Worten „You Are Metal!“ zufrieden zurückziehen konnte.
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Auch OMEN haben schon auf dem „Keep It True“- Festival gespielt und da das letzte Album bereits fünf Jahre alt war, war man froh, die Jungs um Kenny Powell wenigstens mal wieder live zu sehen. Im Line-Up der Band hat sich seitdem allerdings einiges getan, so ist Original-Drummer Steve Wittig zurück und ein gewisser Matt Story ersetzt Kevin Goocher, der sich einer Hüftoperation unterziehen musste. Darüber hinaus gab es einigen Wirbel um ihn, da ihn die Erholung von dieser OP nicht daran gehindert hat, in der US-Show „I Know My Kid´s A Star“ aufzutreten. Natürlich muss man sich an einen neuen Sänger immer erst gewöhnen, gerade, wenn man ihn noch nie gehört hat, doch der Gesang spaltete die Fans in zwei Lager. Denn Matt sang einige Gesangsmelodien anders und zeigte auch sonst eher wenige Emotionen und kam so ziemlich gefühlskalt und lustlos rüber. Vielleicht muss das auch erst mal wachsen. Einige Songs wie der Klassiker „Dragon´s Breath“ wurden darüber hinaus zu langsam intoniert und das ständige Gepose von Bandleader Kenny nervte auch schnell. Doch wenn man Songs wie „Ruby Eyes“, „Warning Of Danger“, „Deathrider“, „The axeman“, „Into The Arena“, „Battle Cry“, „Teeth Of The Hydra“ oder das abschließende „Die By The Blade“ im Set hat, kann nicht viel schief gehen. Ich hätte mir nur noch Songs vom letzten Album „Eternal Black Dawn“ gewünscht.

HELSTAR hatte man seit ihrem glorreichen Auftritt auf dem „Bang Your Head“- Festival 2001, von dessen Open Air- Auftritt es sogar eine DVD käuflich zu erwerben gab, nicht mehr in deutschen Landen gesehen. Und es war nicht irgendein Line-Up sondern das Team, das auch 1986 das Album „Remnants Of War“ veröffentlicht hat. Und obwohl seitdem satte 22 Jahre vergangen sind und sich die Jungs außer Aushängeschild James Rivera optisch doch drastisch verändert haben, zeigten die Jungs, dass Tracks wie „Evil Reign“, „Angel Of Death“ oder „Run With The Pack“ auch 2008 noch hervorragend funktionieren, so dass die Band zu Recht abgefeiert wurde. HELSTAR waren sichtlich begeistert, vor einer ausverkauften Halle zu spielen und genossen jeden Augenblick. Nach dem unrühmlichen Ende bei VICIOUS RUMORS ist James Rivera nicht mehr auf seine BLACK SABBATH- Coverband angewiesen und hat endlich ein sinnvolles Betätigungsfeld wiederentdeckt. Demnächst steht noch eine Live-DVD an, hoffen wir, dass die Jungs dann auch mal wieder neue Songs von sich hören lassen – die Energie dazu haben sie jedenfalls, wie sie eindrucksvoll bewiesen.

Viele Fans waren zu dem Zeitpunkt schon längst im Eimer, kein Wunder bei der Masse an Klasse-Bands. Doch für Anhänger melodischen und technisch anspruchsvollen US Metal gab es nun noch die Vollbedienung: TITAN FORCE, die 1993 zuletzt durch deutsche Lande mit SAVATAGE tourten und danach lediglich 2002 auf dem „Bang Your Head“- Festival zu sehen waren, gaben sich die Ehre. Auch wenn die Band mit „Titan Force“ (1989) und „Winner/Loser“ (1991) nur zwei Alben veröffentlichten, haben sie doch ihre Duftmarke gesetzt, wenn auch nur musikalisch, denn popularitätstechnisch kennt sie leider kaum eine Sau. Von den Songs her ist das absolut unverständlich, denn Göttergaben wie „Blaze Of Glory“, „Fool On The Run“ oder der Hit „Chase Your Dreams“ vom Debüt stehen für sich. Nicht viele Bands können von sich behaupten, technisch anspruchsvolle Songs so melodisch und eingängig zu präsentieren. Auf Songs wie „Eyes Of The Young”, „The Darkness“ vom ´94er Demo oder „Master Of Disguise“ durfte man eigentlich nicht mehr hoffen, live zu erleben und so geriet der Auftritt zu einem Triumphzug sondergleichen. Im Vergleich zu JAG PANZER sang der Tyrant melodischer und harmonischer, aber immer hart und kräftig. Textlich und emotional gehen TITAN FORCE natürlich ganz anders vor und das merkte man der Bühnenshow des Gesangsgottes auch an: er arbeitet unheimlich viel mit verschiedenen Sinnbildern und stellte viel pantomimisch dar. In seinem Hemd und ohne Nieten kam er an seinem Geburtstag fast schon brav rüber.

Nach diesem Tag fragte man sich, wie man einen weiteren überstehen sollte, denn etliche Highlights warteten ja noch. Ein Partyzelt oder ähnliches gab es auf dem Gelände nicht und so zogen sich die Fans nach und nach zu ihren Zelten und Autos zurück. Da das Festival nicht als Open-Air-Event gedacht ist, gab es auf den Parkplätzen auch keine sanitären Anlagen oder ähnliches und auch die Einkaufsmöglichkeiten waren in dem ländlich gelegenen Dorf eher bescheiden, aber als Festival-erfahrene Metaller kommt man damit gut klar. Ärgerlich war das bloß für die Mädels, die mit einer Rolle Klopapier bewaffnet in die Hecke marschieren mussten, womit nicht Jede klar kam. Unverständnis rief beim Verfasser dieser Zeilen der Umstand hervor, dass einige Metalheads schon am Freitag Nachmittag gegen 16 Uhr völlig besoffen waren und in irgendwelchen Ecken pennten – gerade mal zwei Stunden nach Anpfiff und das bei dem Billing! Die Bands haben definitiv die Aufmerksamkeit der anwesenden Besucher verdient gehabt.
Da der Einlaß sich am Samstagmorgen, der um 11 Uhr sein sollte, verzögerte, hatte man genug Zeit, sich die Fans mal näher anzuschauen. Wenn man meint, mit Kutte, Nieten und Leder schon recht old-school auszusehen, dann kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Knöchelhohe weiße Turnschuhe, Spandexhosen und große Sonnenbrillen vermittelten das Gefühl, dass wir wieder das Jahr 1985 haben. Ich frage mich echt, wo die Leute das Zeug her haben, denn so lange kann das ja nicht gehalten haben! Auch wenn das nicht Jedermanns Ding ist- schön anzuschauen ist es allemal.
Sehr pünktlich ging es um 12 Uhr in der Halle mit BATTLE RAM los. Die Italiener genießen in Undergroundkreisen schon jetzt Kultstatus, obwohl die Jungs 2003 lediglich ein Demo veröffentlicht haben. Ihr epischer und treibender Heavy Metal wurde von Sänger Franco Sgattoni veredelt, der von der Gesangstechnik schon erschreckend weit ist. Unheimlich sicher meisterte er seine nicht immer einfachen Melodielinien und vor allem die hohen Tonlagen beherrschte er, doch der Umgang mit dem Publikum muss noch geübt werden – es gab keine Ansagen und keine Kommunikation mit dem Publikum. Gerade für eine eröffnende Band ist das natürlich tödlich. So mussten die Gitarristen Davide Natali und Gianluca Silvi eingreifen. Ich meine, einen Song namens „Run Or Die“ erkannt zu haben, aber aufgrund fehlender Ansagen kann ich das nicht sicher sagen. Mit „Smash The Gates“ und „I Am Heavy Metal“ gab es noch zwei neue Songs, ehe das gleichnamige ANGEL WITCH- Cover und das frenetisch geforderte „Battering Ram“ den Abschluss markierten. Nicht nur die mitgereisten italienischen Fans waren begeistert. Definitiv eine Gruppe, die man im Auge behalten sollte und die den Nachlass von Bands wie MANILLA ROAD und BROCAS HELM würdig verwalten könnte.

Mit FUELED BY FIRE stand ein weiterer Höhepunkt des Festival-Samstags an! Die Kalifornier haben 2006 mit „Spread The Fire!!!“ eine furiose Eigenproduktion veröffentlicht, die im letzten Jahr, mit zwei Bonustracks aufgepeppt und mit neuen Cover-Artwork versehen, über Metal Blade erneut veröffentlicht wurde. Mit dem Opener der Scheibe namens „Ernest Goes To Hell“ ging es dann auch gleich los, weitere Songs vom Debüt waren „Thrash Is Back“, „Dreams Of Terror“, „Striking Death“, „Put To Death“, „Command Of The Beast“ und „Massive Execution“. Darüber hinaus gab es aber auch mit „Atomic Attack“ und „Banging Into Darkness“ zwei neue Songs, die den „alten“ Tracks in nichts nachstanden. Auf der Bühne gab es ein Headbang-Gewitter erster Sahne und auch in Sachen Outfit erfüllte man die gängigen Thrash Metal-Klischees: Enge Hosen, uralte T-Shirts ihrer Helden SLAYER, D.R.I. und DARK ANGEL und natürlich weiße Turnschuhe. Im Vergleich zur CD ist im Line-Up ja Gitarrist Chris dazugekommen, der Gitarrist und Sänger Gio ersetzt, dafür ist der ursprüngliche Bassist Rick Rangel nun an der Gitarre und an dem Gesang zu hören und Anthony Vasquez ist für den Bass zuständig. Die Band war aber bereits so sehr eingespielt, dass man die Änderungen nicht bemerkte, sofern man von ihnen nicht wusste. Im Publikum gab es im Set auch einen waschechten Circle Pit zu bestaunen, in dem auch MERCILESS DEATH- Drummer Cesar Torres aktiv mitwirkte. Auf jeden Fall sehr interessant, so etwas zu sehen, wenn man es noch nicht kennt. Es ging dort jedenfalls sehr fair und respektvoll vonstatten, so dass alle Spaß hatten. Und auch wenn die Band auf Nieten verzichtete, sind die Jungs auch so 100 % Thrash Metal. Beeindruckend waren vor allem die stets präsente Gitarrenwand und die Performance – so sind FUELED BY FIRE ganz vorne dabei, wenn es um die Vorherrschaft der neuen Old-School-Thrash Metal-Welle geht.

Die Macher des Keep It True schaffen es jedes Mal eine Band auszugraben, die heute keine Sau mehr kennt – in diese Kategorie passen DEMON EYES aus Frankreich recht gut. Auf drei Alben, und eine Single haben es die Franzosen gebracht, die bereits 1982 gegründet wurden. Mit fünfminütiger Verspätung stürmten die Mannen um Sänger Philippe „Fil Of Steel“ die Bühne und präsentierten ihren druckvollen und treibenden Heavy Metal, der klassisch europäisch klang, wie man ihn in den 80ern schätzte, zum ersten Mal auf einer deutschen Bühne. Die Band kam, wie glücklicherweise jede Band auf dem Festival, ohne Keyboards aus und entfesselte auch so eine fast schon magische Atmosphäre. Die klassischen JUDAS PRIEST- Einflüsse waren hörbar, aber härtetechnisch legten die Jungs noch einige Schippen drauf. Das optische Erscheinungsbild mit Ledermänteln und Sonnenbrillen war zwar verwirrend, aber wenn so ein musikalisches Endresultat herauskommt, soll es uns gleich sein. Die französischen Texte sind Geschmackssache, aber wen das bei H-BOMB, SORTILEGE und BLASPHEME nicht stört, der wird den Sound von DEMON EYES definitiv lieben! Obwohl die Band lange inaktiv war, hat sie das Posing aus den 80ern immer noch drauf und das passte auch sehr gut zu den kraftvollen Songs. So wurde die Band von den Fans sehr gut aufgenommen. Da die Band wieder zusammen ist, wollen wir mal abwarten, was man von den Jungs noch so zu hören bekommt.
Die nächste Band im Bunde waren CRESCENT SHIELD, die 2006 ihr erstes Album „The Last Of My Kind“ veröffentlichten. Die Bandmitglieder sind keine Unbekannten und spielten in Bands wie NEW EDEN, ONWARD, SINERGY oder SEVEN WITCHES. Dennoch konnte ihr eher durchschnittlicher Power Metal nicht voll überzeugen, da einfach zu wenig im Ohr hängen blieb. Es ist eben nicht alles Gold, was an US Metal zu uns herüberschwappt. Vor allem zu Beginn des Sets wirkte der Sound sperrig und gewöhnungsbedürftig, später kam das Songmaterial etwas eingängiger rüber, wenngleich Bassistin Melanie Sisneros mit ihren ewig langen Haaren und dem Fuchsschwanz am Bass (!!) der Blickfang blieb. Auf der Bühne war alles in allem zu wenig Bewegung, jedoch bewies Sänger Michael Grant mit seinen Ansagen Entertainer- Qualitäten.

Wo sollte eine Band wie PHARAOH auftreten, wenn nicht hier? Die Band passte mit ihrem von IRON MAIDEN beeinflussten US Power Metal-Sound wie die vielzitierte Faust auf das Auge. Die Jungs um Tim Aymar, der schon das Langeisen von Chuck Schuldines CONTROL DENIED veredelte, haben mit „Be Gone“ gerade ihr drittes Scheibchen veröffentlicht, das auch entsprechend vorgestellt wurde. Apropos Tim Aymar: Der gute Mann hat nicht nur gewichtstechnisch gut zugelegt, auch konditionell war er recht schnell am Ende, war jedenfalls gut am Schnaufen, obwohl er sich nicht übermäßig viel auf der Bühne bewegt hat – gesangstechnisch hat er seine Sache aber mehr als gut gemacht und sang wie ein junger Gott. Aufgrund der progressiven Elemente werden es die Amis aber schwer haben, sich am Markt zu behaupten.

Was man von CAGE halten soll, wusste man bis zu diesem Auftritt nicht so recht. In ihrer Karriere haben sie vier teilweise hochklassige traditionelle Metal-Alben veröffentlicht, doch die Aussagen in den Interviews waren mit Selbstvertrauen schon nicht mehr zu erklären, eher mit Arroganz. Doch an der Performance der Band war an diesem Abend nichts zu rütteln, eine erstklassige Heavy Metal-Show, wie man sie nicht erwarten konnte. Sänger und Nietenpapst Sean Peck war in Höchstform und legte all seine gebündelte Aggressivität in den Gesang und die Gitarrenfraktion baute eine fette Gitarrenwand auf. Mit Songs wie „Metal Devil“, „Kill The Devil“ oder „I Am The King“ waren die Fans vertraut und gingen gut mit, obwohl die Amis nie so Recht den Durchbruch in Deutschland geschafft haben. Vielleicht gelingt das ja mit dem neuen Album, das für 2009 angekündigt wurde.

DOOMSWORD umweht immer noch etwas Mystisches, Unfassbares. Das liegt sicherlich daran, dass sie so selten auftreten. Obwohl es zu Beginn ihrer Karriere hieß, dass sie – wie bei BATHORY – gar nicht live spielen wollen. Während ihr Auftritt mit OMEN während der Clubshow auf dem „Bang Your Head“- Festival 2004 noch für Gänsehaut sorgte, ist ein Auftritt der Italiener schon fast gewöhnlich geworden – zumindest für die Leute, die die Band damals gesehen haben. Musikalisch boten die Italiener einen guten Querschnitt aus ihrem bisherigen Schaffen und dass die Jungs schon so manchen epischen Hit geschrieben haben, bewiesen Tracks wie „On The March“, „The DoomSword“, „Helm´s Deep“ oder „Onward Into Battle“. Sänger Deathmaster , seit dem zweiten Album „Resound The Horn“ dabei, war unheimlich präsent und machte durch sein Aussehen einiges her – der Mann sieht aus wie ein echter Wikinger und auch das Trinkhorn fehlte nicht, genauso wenig wie bei den anderen Musikern. Eine Überraschung war sicherlich das Erscheinen von Sänger Nightcomer, der das erste Album einsang. Er stand optisch im Gegensatz zu Deathmaster, ist er doch eher klein gewachsen und hatte mit seinem Haarwachstum nicht so viel Glück. Gesanglich unterschieden die Beiden Welten, doch Nightcomer gab sein Bestes. Währenddessen wechselte Deathmaster an die Gitarre und nahm seinen Platz neben Bruder Geilt ein, der wie immer den Bass bediente. Alles in allem waren die Erwartungen vielleicht auch etwas hoch, aber dass es die Hymne „Sacred Metal“ nur als Medley gab, war trotzdem enttäuschend!

HEATHEN sind ja auch wieder seit ein paar Jahren aktiv, „Recovered“, eine CD mit neu eingespielten alten Gassenhauern und einigen Coverversionen war ein erstes Comebackzeichen und 2005 spielte die Band ja schon auf dem Headbangers Open Air. Ohne ein neues Album am Start zu haben, das ja ursprünglich über Mascot Records im März 2008 erscheinen sollte, wurden die Bay Area- Thrasher also gebucht und man war gespannt, was die Jungs auf der Bühne noch konnten. Um es vorweg zu nehmen – jede Menge! Unheimlich aggressiv ging der Fünfer vor und schien jede Menge Wut im Bauch zu haben. Ob das an der 15-minütigen Verspätung lag, mit der die Band auf die Bühne kam, weiß ich nicht. Aber es war, als wären sie nie weg gewesen. Die Fans waren sehr enthusiastisch und drehten komplett durch, etliche Stagediver, die natürlich nicht bis auf die Bühne gekommen sind, waren die logische Folge. Die Fotografen wurden von der Security nach einigen Songs aus dem Fotograben geführt, da sie durch die ganzen Diver nicht mehr sicher waren. Obwohl die Halle nicht eben klein war, herrschte zwischen Band und Publikum eine unglaublich rohe Energie, was Schwerstarbeit für die Sicherheitskräfte vor der Bühne bedeutete, die schlicht unterbesetzt waren. Spitzensongs haben die Amis ja jede Menge in petto, obwohl sie mit „Breaking The Silence“ und „Victims Of Deception“ nur zwei Alben veröffentlichten. Doch diese beinhalteten Songs wie den Opener „Hypnotized“, „Mercy Is No Virtue“, „Heathen´s Song“, „Death By Hanging“ oder „Open The Grave”. Sänger David White ging dahin, wo es weh tat, nämlich in den Fotograben und schüttelte etliche glückliche Fanhände und sorgte so für etwas Beruhigung. Ein denkwürdiger Auftritt, bei dem die Band gezeigt hat, dass sie nichts verlernt hat. Wenn sie mit dieser Einstellung das neue Album aufnehmen, dürfen sich alle Old-School Speed- und Thrash Metal-Fans auf einiges gefasst machen!

Nach dieser Attacke waren viele der Fans ganz gewaltig im Arsch, nicht jedoch die griechischen Headbanger. Kein Wunder, waren sie doch hauptsächlich wegen MANILLA ROAD gekommen. Deren Popularität bei den Hellenen ist fast schon unglaublich, treten sie dort doch recht häufig auf und haben in Griechenland wahrscheinlich mehr Fans als sonst irgendwo. Der letzte große Auftritt der Band in Deutschland ist ja auch schon ein paar Jahre her, datiert er doch aus dem Jahr 2000, wo die Amis auf dem „Bang Your Head“- Festival performten. Damals sang Mark Shelton noch alle Songs, doch das hat sich zwischenzeitlich ja geändert, denn das tut nun ein junger Mann namens Bryan Patrick. Dieser veränderte allerdings einige Gesangslinien und sang auch tiefer und mit weniger Leidenschaft, so dass er kaum Höhepunkte setzen konnte. Mark Shelton sah recht fertig aus, aber man muss sehen, dass er seit 1977 in der Band spielt und eben auch nicht mehr der Jüngste ist. Sein Stageacting war aber klasse, er spielte viel mit Posen und seiner Gitarre, wobei es ziemlich geil aussah, als er ein Solo auf dem Rücken spielte. Bei Songs wie „Death By The Hammer“, „Flaming Metal System“ oder „Necropolis“ sang er aber dann doch noch, an vergangene Zeiten konnte er jedoch verständlicherweise nicht anknüpfen, denn seine Stimme klingt inzwischen ziemlich kratzig. Da die Band gerade ein neues Album namens „Voyager“, ein Konzeptalbum, veröffentlicht hatte, wurden auch daraus einige Songs vorgespielt, das Highlight war sicherlich der neuneinhalbminütige Titelsong. Auch wenn die Band in den ersten Reihen recht stark abgefeiert wurde, war das ein Auftritt, der okay war, aber nicht an die mystische Atmosphäre herankam, die die Band auf den Platten umgibt.

JAG PANZER liefern nicht nur qualitativ sehr hochwertige Alben ab, sondern sind auch eine absolute Live- Band. Da man die Band länger nicht mehr in Deutschland zu Gesicht bekommen hatte, waren die Fans natürlich gespannt, was sie in den kommenden zwei Stunden (!!) erwarten sollte. Los ging´s gleich mit den drei Tracks „Generally Hostile“, „Warfare“ und „Licensed To Kill“, allesamt vom Klassiker „Ample Destruction“ und schon zu diesem Zeitpunkt hätten eigentlich alle Fans in der Halle auf die Knie fallen müssen! Unklar war vor der Show auch, wie sich der Line-Up-Wechsel auf der Bühne auswirken würde, denn Ausnahmegitarrist Chris Broderick ist ja zwischenzeitlich zu MEGADETH gewechselt. Sein Nachfolger nennt sich Christian Lasegue und ist bislang in keiner anderen bekannten Band gewesen. Er machte jedoch seine Sache sowohl musikalisch als auch von der Performance her weltklasse und konnte Chris sehr gut ersetzen, so dass man ihn kaum vermisste. Mit Sänger Bob Parduba, der das ursprünglich unveröffentlichte und im Jahr 1987 aufgenommene Album „Chain Of Command“ einsang, das Century Media 2004 herausbrachte, präsentierte man eine Überraschung, doch es war klar, das Bob stimmlich nicht gegen den Tarant anstinken würde. Bob ist ein sehr guter Sänger, aber der Tyrant singt einfach in einer ganz anderen Liga und das, obwohl auch er nicht mehr der Jüngste ist. Optisch hatte sich der Tyrant übrigens etwas anders gekleidet als am Abend zuvor: die alte Lederhose und die mehrreihigen Nietenarmbänder wurden herausgekramt und für ein Oberteil war es wohl auch zu heiß, aber der durchtrainierte Oberkörper von Harry kann sich auch sehen lassen. Im Verlaufe des Sets gab es noch eine längere Unterbrechung, weil es technische Probleme gab, doch Songs der Marke „Black“, „Iron Eagle“, „Lustful And Free“, „Battle Zones“, „Shadow Thief“ oder „Take To The Sky“ entschädigten auch dafür.

Danach war dann auch die zehnte Ausgabe des „Keep It True“- Festival zu Ende und man kann den Machern nur zu dem Ablauf und den beteiligten Bands gratulieren. Übrigens wird es ab 2009 nur noch einmal im Jahr das „Keep It True“ geben, da es den Veranstaltern zu stressig geworden ist. Man kann jedem Old-School Heavy Metal-Fan nur empfehlen, dieses Festival zu besuchen. Diese sollten sich aber auch recht früh dafür entscheiden, denn die Tickets und die Hotelreservierungen sind immer schnell nicht mehr verfügbar.

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Verfasser:
Leather Rebel
Datum:
26.04.2008
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