Metal District präsentiert...
Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
Skull Metal District - Live Reports: Skull
PAGANFEST 2008 - Frankfurt, Batschkapp - (22.04.2008)

Abschlusskonzerte einer ausschweifenden Tour sind in der Regel immer eine Reise wert, denn zusätzlich zu dem Vergnügen die jeweiligen Bands zu sehen, darf man noch auf die ein oder anderen kleinen Eskapaden der etwaigen Spaßvögel aus den Bands hoffen. Da traf es sich natürlich gut, dass der europäische Teil des Paganfest 2008 seinen letzten Gig in Frankfurt hatte und somit Frank und meine Wenigkeit die Gelegenheit hatten dem beizuwohnen. Das Billing war dabei recht vielversprechend, schließlich kamen hier TYR, ELUVEITIE, MOONSORROW, KORPIKLAANI, und ENSIFERUM zusammen, um den willigen Massen einzuheizen. Und gerade Massen ist das richtige Stichwort, schließlich war fast jedes Konzert der Tour ausverkauft, einschließlich des Frankfurt-Termins. Diese, zumindest musikalisch den Frühkulturen verhafteten, Horden machten es uns dann auch unmöglich rechtzeitig zu den örtlichen Gewinnern des Bandwettbewerbs, der von den Veranstaltern online zur Bestimmung des Local Acts abgehalten wurde, einzutreffen. NACHTGESCHREI hat jedenfalls den Slot für Frankfurt gewonnen, wie die waren haben aber wohl nur diejenigen erlebt die nach der ersten halben Stunde nach Öffnung der Türen schon drin waren.
(Marco)
 
Beim Eintreffen wurden zuerst einmal diverse Shirts des Publikums unter die Lupe genommen, um etwaige Unterwanderung von Nazis (wie auf einer HP eines selbst ernannten weißen Riters der Antifa angenommen) zu entdecken und um die Mischung im Publikum generell abzuschätzen. Ersteres war völlig unbegründet und zweiteres sorgte dafür, dass mir der Spruch von THE HAUNTED’s Jensen “In Deutschland musst du Bärte haben und über Wikinger singen, um Erfolg zu haben” wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. Manche “Fans” wurden wohl vor allem durch die Headliner und die zur Zeit bekanntesten Wikinger der Welt AMON AMARTH zum Metal geführt, was sich in diversem superdämlichen Verhalten niederschlug, dass wohl eher zu Festivals der Sorte Rock am Ring oder HipHop Events passt. Aber dazu später mehr.
(Frank)
 
 Jeder der schonmal da war, wenn der Schuppen ausverkauft war, weiß wie „gemütlich“ das ist. Aber sei es drum, für gute Mucke nimmt man das und noch einiges andere ja gern in Kauf. TYR hatte ich schon letztes Jahr gesehen und fand die Jungs von den Faröer Inseln recht unterhaltsam und freute mich dementsprechend. Aber wie heißt es doch so gerne: Zu früh gefreut. Diesmal wollte es nicht so recht klappen, zum einen kamen die Vocals kaum zum Zuge, da deutlich zu leise, zumindest was den Fronter der jungen Band angeht. Und dann war da noch die Sache mit der zweiten Gitarre...der zumindest teilweise verstimmten Gitarre...die sich auch öfter mal eine halben Takt vor oder nach dem eigentlichen Geschehen des Songs tummelte...und Soli auch nur zufällig richtig spielte. Scheinbar hatte da jemand ganz schön was gepichelt, denn so ganz auf der Höhe seiner Kunst war der junge Mann da nicht. Erstaunlicherweise fiel das sogar Teilen des Publikums auf, die nicht da waren um blindlings alles Abzufeiern, dass den Pagan-Stempel, ob nun berechtigt oder wie meist eher nicht, trägt. Ein "Boah, war das Scheiße" vom Typen schräg hinter mir war ein durchaus qualifizierter Kommentar in dem Fall. Naja, das nächste mal hoffentlich wieder besser Kollegen.
 
Dann wurde es aber Zeit für eine der beiden Bands die ich noch nicht Live gesehen hatte und auf die ich schon sehr gespannt war, denn die Schweizer ELUVEITIE waren an der Reihe.
(Marco)
 
Tja werter Kollege, da war ich schon einen Zacken weiter, schließlich durfte ich die Schweizer schon letztes Jahr auf dem Ragnarök bewundern, bei welchem sie nicht nur das Herz von Kollege Trabi im Sturm eroberten.
Und auch diesmal waren die symphatischen Eidgenossen wieder beste Band des Abends. Das lag aber nicht nur an den beiden unglaublich leckeren und anmutigen Damen an Geige und Drehleier, sondern auch am fetten, transparenten und druckvollen Sound und natürlich an den saustarken Songs. Wenn man mal sieht, dass die Band mit immerhin 8 Musikern und mindestens 10 Instrumenten auf der Bühne tobte, dann kann man vor dieser Truppe nur den Hut ziehen und ihnen allen Erfolg wünschen.
Neben dem geilen Auftritt der Schweizer Kelten, machte aber auch das Verhalten diverser Schwachmaten mächtig Eindruck. Selten habe ich auf einem Konzert so ein unsoziales Verhalten erlebt. Ständig bekam man von irgendjemandem den Ellbogen in die Seite, wurde angesprungen oder es wurde versucht einen wegzudrücken. Höhepunkt war die Truppe von ca. 15 Vollidioten, die sich zusammenrottend nach vorne preschten und alles über den Haufen rannten, was nicht schnell genug Platz machte. Wer jetzt denkt “dann geh doch nach Hinten wo es ruhiger ist und steh nicht vor der Bühne am Pit rum”, dem sei gesagt, WIR STANDEN SCHON HINTEN.
Na ja, vielleicht lernt es der eine oder andere noch.
Das tat der Bewertung des starken Auftritts von ELUVEITIE zwar keinen Abbruch, aber ein wenig angepisst war ich jetzt schon.
(Frank)
 
MOONSORROW waren die nächsten im Reigen und die ersten Finnen am Start. Und die Kerle haben Spaß gemacht, während sie ihre epischen Songs anspielten, wobei sie es vermieden, die gar zu progressiven ausladenden Songs jüngerer Zeit auszupacken und sich an Lieder hielten, die zum einen gut anheizten und zum anderen keine 20 Minuten dauerten. Technisch gab da auch so gut wie nichts zu meckern, einzig die Keyboards waren mir einen Tick zu sehr im Vordergrund. Dadurch gingen einige Details des übrigen Sounds etwas verloren, was angesichts der Qualität sowohl des Materials als auch des Vortrags sehr schade war. Spielfreudig und sympathisch gab sich das Quintett, das Live noch einen sechsten Mann ins Boot holt, und auch bei dem ein oder anderen kleinen Eingreifen vom Bühnenrand im Zuge der Abschlussgig-Scherze wurde sowohl Humor als auch spielerische Souveränität demonstriert. So ging es nach viel zu kurzer Zeit aber zumindest musikalisch zufriedengestellt in eine weitere Umbaupause um wohl den Gute Laune Musikern des Abends  Raum zu schaffen.
(Marco)
 
Nun, mir gefielen MOONSORROW letztes Jahr auf dem Ragnarök besser. Gerade die ausufernden, progressiven Songs empfinde ich stärker, als die alten, kurzen Songs.
(Frank)
 
Auch wenn ich gerade mit dem letzten Machwerk der Herren nicht viel anfangen konnte, so freute ich mich doch auf ihren Auftritt, denn meiner bisherigen Erfahrungen nach, würde das eine spaßige Geschichte mit den nächsten Finnen im Bunde werden. Verlass ist aber nur auf den Tod und die Steuer und so wurde ich zu meiner völligen Verblüffung von dem Klan des Waldes eher gelangweilt. Wobei es mir noch immer ein Rätsel ist, wie sie es geschafft haben tatsächlich den Großteil ihres Sets mit eher trägen Nummern zu füllen, bedenkt man ihr eigentlich wie zum feiern gemachtes Repertoire. Und das schien auch bei weiten Teilen den Publikums so anzukommen, denn trotz der hohen Dichte an KORPIKLAANI-Shirts im Publikum habe ich da schon ganz andere Ausbrüche seitens der Meute mit den Jungs auf der Bühne gesehen. Die Wende kam ein wenig mit "Beer, Beer" als dann tatsächlich mal etwas zünftiger ans Werk gegangen wurde und die letzten Minuten doch noch etwas an Drive gewannen und ich zumindest Teile des üblichen Schwungs wahrnehmen konnte. Vielleicht sind zwei Monate auf Tour aber auch einfach für diese Jungs zuviel um dann noch ordentlich Dampf zu machen. Wie dem auch sei, das konnte die Stimmung auch nicht mehr vollends retten oder vielleicht zeigten die Leute einfach die ersten Ermüdungserscheinungen an einem insgesamt doch sehr langen Abend. Eine letzte Band mussten und wollten aber alle noch sehen, denn nun waren
 
ENSIFERUM an der Reihe. Um es mal gebündelt zu sagen: Die Herren und die Dame waren wie immer, was hier durchaus positiv zu verstehen ist, denn mal wieder wurden die Leute souverän gerockt und unterhalten. Riffgewitter rollten über die jolende Menge und die Leute aus Suomi gaben sich sympathisch und humorvoll, der gute Petri mit seinen gewohnten "Do you want to hear some more?"-Rufen war voll in seinem Element und auch die Tatsache, dass ENSIFERUM am ehesten Opfer der Scherze der übrigen Bands wurde, brachte da niemanden aus der Ruhe, im Gegenteil wurde sich einfach mit amüsiert. Selbst als der Fronter von KORPIKLAANI der gesamten Band während eines besonders heftigen Übernehmens der Bühne im Namen des Humors, und in teils sehr schrägen Kostümen, seinen Hintern zeigen musste, blieb trotz Gelächter musikalisch alles im Lot, trieb aber der Keyboarderin, selbst von relativ weit hinten noch erkennbar, die Schamesröte ins Gesicht. Die Setlist enthielt leider deutlich zu wenig Songs des ersten Albums, und hatte eine gewisse Trägheit inne, nichts destotrotz machten Ideen wie das instrumentale Medley, welches unter anderem Anleihen an den Soundtrack zu Conan der Barabar sowie an IRON MAIDENs "The Trooper" enthielt, einfach Laune. Auch das Spontane Jammen als sich eine Gitarrensaite verabschiedet hatte, beinhaltete einen gewissen Unterhaltungswert.
Und so gingen ENSIFERUM auch als einzige Band mit Zugabe in den Rest der Nacht um die überstandene Tour zu feiern.
(Marco)
 
Na ja, die Setlist fand ich jetzt nicht übermäßig toll, auch wenn die Band live spürbar die letzten Jahre gereift ist. Fakt ist, die Band hat ausser dem Debüt keine erstklassige Scheibe mehr vorzuweisen und je weniger man eben von diesem Erstlingswerk spielt, umso schwächer ist die Setlist. Dennoch hat sich der Abend allein wegen ELUVEITIE schon gelohnt.
(Frank)
 
Insgesamt war es ein durchwachsener Abend, der etwas weniger Höhepunkte enthielt als ich zumindest erwartet hätte, aber insgesamt gesehen wohl keine Enttäuschung war. Es wurde auf jeden Fall viel Musik fürs Geld geboten, wie die am Ende von über fünf Stunden Konzertgenuss doch schmerzenden Beine bestätigten. Einzig die hohe Dichte an Idioten nervte etwas, wie so ziemlich jeder der nicht in der Lage war ein Treppe zu benutzen, ohne auf die Fresse zu fallen [Hey, das waren doch definitiv die Highlights des Abends. Dinner For One für Kelten oder Heiden sollst du meiden und Treppen für die Deppen oder so ähnlich-Anm. von Frank] oder dem Kreis von Deppen der sich ohne Rücksichtnahme in einem Pulk von hinten nach vorne durchtankte, egal was die im Weg stehenden Leute davon hielten, mal ziemlich heftig angegangen zu werden. So haben wir das aber auf der Fairer-Metaller-Schule nicht gelernt...
(Marco)




Leserkommentare:

Kommentare Noch keine Kommentare vorhanden


Verfasser:
Azriel

Datum:
27.04.2008

Gelesen:
764x

Kommentare:
Kommentare Noch keine Kommentare






- Heavy Metal, Power Metal, Speed Metal, Thrash Metal, Death Metal, Black Metal, Gothic Metal, True Metal, Doom, Grindcore und vieles mehr -
Metal District - Das Magazin mit Reviews / Rezensionen, Interviews, Underground - Specials, Fotos, News, Konzertterminen, Tourdaten, Mailorder und mehr!