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MEGADETH, MERCENARY, EVILE - München, Elserhalle - (10.03.2008)



Dave Mustaine muss immer noch kleinere Brezen backen. Wie einen Monat zuvor in Berlin wurde auch in München der Tourstopp seiner Band von einer größeren in eine kleinere Halle verlegt. Der Zenith wäre höchstens halb gefüllt gewesen und die große Georg-Elser-Halle bot den geschätzten 600 MegaFans ausreichend Platz. Für EVILE interessieren sich vorwiegend Nichtraucher, doch die bekommen dafür einen ambitionierten Gig der Briten zu sehen. Die auf Minimalleistung laufende Lichtanlage wie auch die musikalische Leistung der Jungs auf der Bühne lassen Underground-Feeling aufkommen. Frühe Metallica und andere Helden vergangener Tage werden reichlich zitiert, auch wenn nie die Klasse der Originale ereicht wird. In den vorderen Reihen werden Haare und Fleischmützen in Bewegung  gebracht. Für den großen Rest des Auditoriums ist es aber doch nur eine halbe Stunde willkommenen Zeitvertreibs und Einstimmung auf den Headliner.


Die kurze Umbaupause wird mit teurem Bier und kostenloser Frischluft verbracht. Gerüche aus dem vor der Halle aufgebauten Imbiss interessieren die Magengegend, doch die Speisekarte und das versifft wirkende Pärchen hinter der Verkaufstheke bekämpfen mit Erfolg den Appetit. Zurück im Saal angelangt, machen sich dänische Börsenmakler bereit. MERCENARY werden aufgrund ihrer Kleidung von Kuttenträgern und Belphegor-Helmuth, der seiner Holden im Schlepptau einen Gefallen tun muss, gemieden, doch die Leistungen der Melodic-Power-Death-Metaller sind zu achten, auch wenn man nicht auf die hohen Screams Mikkel Sandagers steht. Die Routine der Posen bringt ein paar Fäuste hoch und auch die bereits bei EVILE warmgemoschten Wenigen stehen wieder parat. Der Lichtmischer tippt sich im Schneckentempo warm, doch eine Sonnenbrille wird er wohl am ganzen Abend nicht benötigen. Der Sound ist wie bei EVILE gerade so annehmbar, obwohl die Anlage noch wesentlich mehr hergeben muss.















Und das wird auch kurz nach Zehn, als MEGADETH nach dem kurzem Intro von ‚Sleepwalker’ und fordernden Rufen zu einer einundhalbstündigen Zeitreise die Bühne betreten. Der schüchterne Dave verdeckt während den ersten Songs sein Gesicht hinter den rotblond-leuchtenden Haaren, doch macht er mit seinem T-Shirt auf seinen Besuch im Hofbräuhaus aufmerksam. ‚Wake Up Dead’ wird nachgereicht und die Hälfte der Zuschauer wird aktiver. „Rust In Peice“ wird mit dem folgenden ‚Take No Prisoners’ und im weiteren Verlauf des Gigs mit ‚Hangar 18’  und ‚ Tornado Of Souls’ sowie der Zugabe ‚Holy Wars…’ großzügig berücksichtigt, was der Steigerung der Laune unter den eingefleischten Fans durchaus dient. Alte Glanzleistungen am Schlagzeug vermag ein Shawn Drover nicht zu überbieten. Ein Nick Menza ist auch nur schwer, wenn überhaupt zu ersetzen. Das mehr als gut ausgestattete und ca. einen Meter hoch aufgebaute Kit ist mit einem gierigen Airbrush geschmückt und wird zwar ordentlich gedroschen, doch zahlreiche Licks und Loops werden vermisst. Dafür kann der erst kurz vor der Tour engagierte Chris Broderick (ex-Jag Panzer, ex-Nevermore, ex-Ballistic – wow!) mit einer tadellosen Leistung an der Sologitarre glänzen. Dave selbst bemüht sich eher um den Rhythmus, auch wenn er ab und zu ein paar Fiedeleien zum Besten gibt. Dass er noch nie eine kräftige Stimme besaß, ist nicht abzustreiten. Wieso er aber bei längeren Tönen vom Mikro Abstand nimmt, fragwürdig. Überhaupt hat der Mischer mit dem Sound zu kämpfen und erst ab der Hälfte des Sets kommt ein wenig Druck auf. Die Stimmung verbessert sich schlagartig mit der ursprünglichen Version von ‚A Tout Le Monde’. In Mailand gab Cristina Scabbia Schützenhilfe. In München steht das Publikum voll hinter Dave und singt die angebliche Amokläuferhymne zumindest im Refrain fehlerfrei mit. Weitere Highlights der Bandgeschichte folgen, wobei ‚Symphony Of Destruction’ und das vorerst abschließende ‚Peace Sells’ eindeutig am besten abgefeiert werden. Nach den beiden Zugaben ist dann endgültig Schicht im Schacht und wer noch 30 Flocken beim Schnäppchenmarkt übrig hat, darf sich mit einem bunten Shirt bekleiden, damit auch jeder weiß, dass man MEGADETH gesehen hat.
 



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Verfasser:
Trabi

Datum:
29.04.2008

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