Metal District präsentiert...
Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
Skull Metal District - Live Reports: Skull
ROCK IM PARK - Nürnberg, Zeppelinfeld - (06. - 08.06.2008)

ROCK IM PARK 2008: Ein Wochenende mit Konzerten

 
Auch dieses Jahr war der Park wieder auf dem neusten Stand der Technik: immer kleinere Abmessungen bei immer mehr Inhalt. So wurde die anfängliche Freude über die tatsächlich unschlagbar kurz gehaltenen Wege zwischen den 3 Stages von klaustrophobischen Anfällen überschattet. Dies wurde einem nur allzu deutlich als bereits am ersten Abend zahlreiche Besucher durch die on Polizei und Sicherheitsdienst gesicherten Absperrungen aus dem Gelände gedrängt wurden. Es ist auch nicht unbedingt klug bei diesen Massen gerade einmal 2 Ein- und Ausgänge bereitzustellen. Positiv fielen jedoch einige Neuerungen im Sicherheitswesen auf. So wurden doch endlich die nach wie vor „einsturzgefährdeten“  Ränge in der Arena (alias Club Stage) komplett gesichert und durften nur von einigen wenigen todesmutigen Fotographen für journalistische Zwecke betreten werden. Verwunderlich blieb jedoch, weshalb am letzten Tag hunderte von „leicht“ angeheiterten Fussballfans während des EM-Spiels Deutschland-Polen keine Gefährdung für die Bausubstanz darstellten. Aber nun zurück zum eigentlichem Thema… der Musik?
 
 
FREITAG, 06.06.08
 
Der Drehpartner von Pamela Andersons Heimporno trat wie erwartet mit Brille und Hut auf die Bühne, nachdem die nervige Ansagerin von Rock im Park seinen Künstlernamen nach ihrer blabla-Rede geschrien hatte. KID ROCK mit standesgemäßer Goldkette, sang vor einer Südstaatenflagge seine Redneck-Songs und begeisterte damit doch die meisten seiner Fans.  War nix für mich, deswegen war ich auch bald weg. (sebastian)
 
Mein persönliches langes Wochenende mit Konzerten eröffneten die Amis von BLACK TIDE. Für Musik aus dem sonnigen Miami klang das, was die vier Fusselköpfe da auf der Bühne boten, durchaus richtig gut! Saftiger Heavy Metal, halbnackte Männer und ein ganz anständiger Sound ist doch schon mal was. Das allerdings in der Clubstage nahezu keine Stimmung herrschte, von den ersten drei Reihen mal abgesehen, war weniger schön. Aber BLACK TIDE spielten wohl auch ein wenig am Musikgeschmack der breiten Masse vorbei. Schade. (brösel)
 
Unangefochtene Headliner des ersten Abends waren DIE TOTEN HOSEN. Live für mich ein Novum muss ich sagen: Hut ab. Frontmann Campino agiert mit seiner Band nahezu so, als ob sie gerade ihren ersten Gig bestreiten. Spielfreude nicht zu knapp, jede Menge Rumgeturne trotz Gipsbein, ne Menge unverständlicher Ansagen, Kletterpartien am Bühnengerüst und natürlich: Hosen-Hits nicht zu knapp. Neben dem live sehr ergreifenden „Nur Zu Besuch“ gabs natürlich auch „Hier Kommt Alex“, „Pushed Again“, „Eisgekühlter Bommerlunder“ in spezieller Jazz-Version und das unvermeidliche „Jägermeister“ auf die Ohren. Auch wenn Ansagen à la „Ich glaube, dass ihr alle hier seid, zeigt, dass ihr alle eine gewisse Art Bewusstsein habt!“ meiner Meinung nach ein wenig Fehl am Platz sind auf einem 136 € Festival, sprach Campino die braune Vergangenheit des Dutzendteich-Areals an und stimmte danach „Die Moorsoldaten“ an, was allseits etwas verwirrte Gesichter ausgelöst hat. Und nein, das ist nicht die neueste Single der TOTEN HOSEN. Trotzdem, ein sehr gelungener, fast zweistündiger Gig. Kann man sich durchaus mal wieder antun. (brösel)
 
 
SAMSTAG, 07.06.08
 
Der Samstag begann ganz ursprünglich mit schönstem Wetter und strahlend blauem Himmel. Das Billing für den Tag ließ sich sehen, ein langer Tag vor der Alternastage war geplant. Eröffnen sollten für mich persönlich meine absoluten Helden von OPETH. Naja, kaum am Gelände angelangt konnte man das eine oder andere kritisch gen Himmel blickende Auge riskieren und siehe da: ne Menge schwarze Wolken. Aber egal, OPETH sind nun mal OPETH und Verehrung wem Verehrung gebührt. Den ersten Regenschauer kurz vor 16 Uhr konnte man noch trockenen Fußes in der Clubstage abwarten, aber pünktlich zum Auftritt der Schweden besserte sich die Lage. Hurra, hin zur Alternastage.
Denkste. Kaum drei Minuten dort, geruhte das Gewitter, das zunächst brav vorbeigezogen war, einen scharfen Knick zu machen und kam zurück. Und außer Schnee war dann so ziemlich alles dabei. Innerhalb von zwei Minuten nass bis auf die Knochen half auch ein Regenschirm nicht viel, denn es pisste einfach wie aus Eimern. Ein wenig Hagel, Blitz und Donner vervollständigten das Bild. Aber immerhin: OPETH auf der Bühne. Frontmann Mikael konnte sich seine herrlichen schwarzhumorigen Kommentare wieder nicht verkneifen, aber in besagter Lage waren Aussagen wie „I thank you so much for coming. To be honest, in this situation, I wouldn’t come to see myself. But on the plus side: you now have a lot of wet girls around you!” eigentlich schon echte Lichtblicke. Wie dem auch sei, mit göttlichen Liedern wie “Demons Of The Fall”, “Baying Of The Hounds” und “Heir Apparent” von der neuen Scheibe war der Regen schnell vergessen. Erstrecht beim letzten Stück „The Drappery Falls“ … hammergeil, Regen hin, Regen her, das musste gefeiert werden. Scheiß Wetter, aber ein toller OPETH Gig, bei dem garantiert nur echte Fans zugegen gewesen sind. An alle anderen, Hupfdohlen, gestreifte Hemden- und Kirschohrringträger wäre das auch verschwendet gewesen.
Und da es ja nur ein Wochenende mit Konzerten war und kein anständiges Festival, ich nass bis auf die Knochen war und gefroren hab wie Sau, nahm ich mir die Freiheit, nach einem Gig wieder heimzufahren und mir ne Pizza auf der Couch zu spendieren. Herrlich. Ich Weichei. (brösel)
 
Warum berichte ich hier über eine Ska-Band von der weder ich, noch der Leser jemals etwas gehört haben? Ganz einfach… weil ich sie gesehen habe. Nach dem Wolkenbruch retteten sich die wenigen verbleibenden Besucher, zu denen auch ich zählte, in die Club Stage. Die Musik von VINCENT war in diesem Falle eher nebensächlich… Hauptsache man hatte endlich ein Dach über dem Kopf. Nachdem ich mir wie die meisten anderen auch geschätzte 10 Liter Wasser aus der Kleidung gepresst hatte und der Boden langsam an einen schwarzen Teich erinnerte kam doch langsam Stimmung auf. Die Band spielte einen soliden Auftritt, stilecht mit Trompeten und weißen Hosenträgern, der erstaunlicher Weise sogar recht gut klang. Der Mischer setzte ausnahmsweise mal auf Klang statt auf Dezibel. Nach fast 45 Minuten war dann alles vorbei und zum Glück auch der Regen. (dominik)
 
Manchmal fragt man sich schon, weshalb momentan jeder Musiker einer relativ erfolgreichen Band der Meinung ist, dass er es auf Solopfaden versuchen sollte. Es mag verschiedene Gründe dafür geben… Ein zu großes Ego, Langeweile oder einfach nur, weil man sich musikalisch durch seine Kollegen gehemmt fühlt. Was bei SERJ TANKIAN der Grund sein soll erschließt sich mir jedoch einfach nicht. Der Auftritt auf der wetterbedingt lediglich halb gefüllten Center Stage hatte sicher Qualität, was auch niemand bestreiten kann. Dennoch sind die Parallelen zu SYSTEM OF A DOWN nicht von der Hand zu weisen. Technisch gesehen gibt es sogar kaum nennenswerte Unterschiede. Die Besucher sahen das anscheinend genauso. Es wirkte fast so als würde man sich folgender Tatsache bedienen: Wer SYSTEM OF A DOWN mag, dem gefällt auch das Soloprogramm des Frontmanns. Performed wurde unter anderem auch der Hit „Sky Is Over“. Im Großen und Ganzen war es ein solider Auftritt mit mäßiger Abwechslung und der Frage „Warum durften die Anderen nicht mitspielen?“ (dominik)
 
Nach acht Jahren der Trennung hat sich mit RAGE AGAINST THE MACHINE nun eine der beliebtesten Alternative Bands wieder zusammengeschlossen. Trotz der bescheidenen Wetterverhältnisse kamen die Fans wieder aus ihren Zelten gekrochen und begaben sich geschlossen zur Center Stage. Diese war dann auch irgendwann so gefüllt, dass die Besucher sich gezwungen sahen die Ränge der Steintribühne zu erobern. Auf Grund der Massen konnte daran auch die Festivalsicherheit nicht mehr viel ändern. Der Auftritt war gut eingespielt und von der Trennung war rein gar nichts zu erkennen. Gespielt wurden unter anderem „Guerilla Radio“, „Sleep Now In The Fire“, „Bullet In The Head“ und der obligatorische Klassiker „Killing In The Name“. Die Stimmung war aufgeheizt und zur Belohnung gabs dann gleich wieder etwas Regen. Und so endete der zweite Tag genauso wie er begonnen hatten… nass… (dominik)
 
 
SONNTAG, 08.06.08
 
Entgegen anders lautender Aussagen und Berichte, können die Schweden von IN FLAMES nicht die Sonne beschwören. Zwar mag es richtig sein, dass es fast den gesamten Gig über ein nettes Wechselspiel von Regen und Regenbögen gegeben hat und am Ende die Sonne schien, aber inwieweit die Herren auf der Bühne daran beteiligt waren lässt sich im Nachhinein schwer feststellen. Wie dem auch sei, IN FLAMES lieferten einen gewohnt starken Gig ab. Klassiker wie „Only For The Weak“ und „Cloud Connected“ waren natürlich im Gepäck, aber auch das neue Album kam mit „Alias“ und „Disconnected“ nicht zu kurz. Leider kränkelte vor allem in den hinteren Reihen u.a. bedingt durch den recht starken Wind, der Sound dabei mächtig… aber was will man auch bei den Dimensionen erwarten. (brösel)
 
NIGHTWISH danach hatten natürlich ihre neue Sängerin am Start, die, angetan mit einem Kleid aus Gardinen und einer riesigen Sonnenbrille zwar lächerlich aussah, aber mit einer energiegeladenen Bühnenshow und sehr sympathischem Auftreten doch überzeugen konnte. Zwar öffnete auch hier der Himmel wieder seine Schleusen und der Sound war mehr als bescheiden, aber dennoch konnten NIGHTWISH zumindest in den vorderen fünf Reihen punkten. Stücke wie „Amaranth“, „Nemo“, „Wish I Had An Angel“ und die neueste Single „The Islander“ mit einem Gastmusiker am Dudelsack kamen trotz schlechtem Wetter gut an. Zumindest bei den Meisten, meinen Mitschreiberling Herrn D. ausgenommen… (brösel)
 
Dieses Jahr musste sich Korn Frontman JONATHAN DAVIS statt mit der Center Stage mit der relativ kleinen Club Stage begnügen. Alles andere wäre wohl auch Platzverschwendung gewesen, da man angesichts des recht spärlich besuchten Auftritts davon ausgehen muss, dass die meisten Festivalbesucher einfach nicht wussten um wen es sich hierbei handelt. Musikalisch gesehen gab es deutliche Parallelen zur Musik von Korn, was unter anderem daran lag, dass einige Songs wie „Kick The PA“ einfach mal ins Soloprogramm übernommen wurden. Der Bühnenaufbau sollte an eine Art alternative Club-Tour erinnern. So saß der Solokünstler zum Beispiel den ganzen Auftritt über auf einem überdimensionierten Thron, wobei er seinen Bewegungsdrang dadurch in keinster Weise einschränken lies. Auch in der instrumentalen Besetzung gab es einige Änderungen. So wurde das Konzert komplett von einem Kontrabass und einem Geiger begleitet, was dem Ganzen einen swingenden Unterton verschaffte. Der ganze Auftritt war ein riesiges Effektaufgebot und es blieb auch immer wieder genug Zeit, damit die Musiker ihr ganzes technisches Können unter Beweis stellen konnten. Herr Davis ließ es sich auch nicht nehmen seine dürftigen Geigenkünste zu präsentieren. Im Großen und Ganzen war es dennoch eine recht interessante Mischung. Vor allem in Kombination mit den Fangesänge der leicht angeheiterten Fussballfans, welche auf die anschließende Übertragung des Spiels Deutschland-Polen warteten. (dominik)
 
Als alter OFFSPRING-Fan musste ich mich natürlich in die Menge quetschen um festzustellen das nicht nur ich, sondern auch THE OFFSPRING älter geworden ist. Vom Punk ist im Styling der Jungs nicht viel übriggeblieben, zumal der Gitarrist Kevin „Noodles“ Wassermann sehr an den langhaarigen Garth aus „Waynes World“ erinnert... nur mit etwa 10 Dioptrin mehr und gefühlte 40 Jahre älter. Aber geleistet haben sie doch einiges auf der Bühne. Die Menge war definitiv begeistert und sprang und hüpfte bei  jedem Gassenhauer, wie „Self Esteem“ oder „Pretty Fly For A White Guy“, mehr als beim Vorherigen. Außerdem  gab die Band ein paar durchaus attraktive Songs aus ihrem neuen Album zum Besten und waren für mich damit das (, aus gegebenen Grund rein persönliche) Highlight des Festivals dieses Jahr. (sebastian)
 
Ebenso wie im letzten Jahr hatten sich die Veranstalter das Beste bis zum bitteren Ende aufgespart. Pünktlich um 9 gaben sich die Jungs von METALLICA auf der trotz EM-Spiel komplett gefüllten Center Stage die Ehre. Von Anfang an war klar, dass dem Publikum eine Show der Superlative bevorsteht. Das erste Mal an diesem Wochenende kam man in den Genuss eines klaren durchsetzungsfähigen Sounds der keine Wünsche offen lies. Es steht außer Frage, dass die Band um Frontmann James Hetfield auch nach einer jahrzehntelangen Bandgeschichte immer noch alles auf der Bühne gibt und sichtlich Spaß an ihrem Treiben hat. METALLICA sind einfach eine Live-Band ohne Kompromisse. Keine Fehler, keine Aussetzer und eine perfekte Gruppendynamik die von den Fans gierig aufgesogen wird. Die Show wurde von einer Horde von Kameras aufgezeichnet, welche das Spektakel in sinnvollen Schnitten über 3 riesige LED-Leinwände auch für die Besucher im hinteren Drittel gut sichtbar machte. Die Playlist lies keine Wünsche offen und war gespickt mit Klassikern wie „Master Of Puppets“, „The Memory Remains“ und „For Whom The Bell Tolls“. Freundlicherweise wurden wir dieses Jahr von „St. Anger“ verschont. Während  „Nothing Else Matters“ konnte man den Gesang der Fans noch Kilometer entfernt in ganz Nürnberg hören. Was natürlich nicht fehlen durfte war eine ordentliche Pyroshow, welche das Intro von „One“ gelungen untermalte. Nach gut 100 Minuten gab es dann wie erwartet noch eine Zugabe und METALLICA beendeten das Spektakel mit „Enter Sandman“ und „Die My Darling“.
Das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt und einem eher dürftigen Wochenende mit Konzerten wurde doch noch ein spektakuläres Ende spendiert. (dominik)
 
 
Das Fazit folgt auf dem Fuße. Monate vorher ausverkauft waren sowohl ROCK IM PARK 2008 als auch das Zwillingsfestival ROCK AM RING mal wieder die Geldkuh schlechthin, die gemolken werden wollte. Dass das Festival bereits aus allen Nähten platzt, scheint die Veranstalter nicht zu stören, munter werden die Kartenkontingente weiter erhöht und die Leute zum Zelten auf Kilometer weit entfernte, betonierte Parkplätze geschickt. Selber Schuld, was wollen sie auch nicht noch ein wenig mehr Kohle für Centerstage-Camping locker machen… das alles überall heillos überteuert war und man das Bier problemlos vor dem Trinken wegschütten konnte, ist ja eigentlich schon keine Überraschung mehr.
Das Billing fiel dieses Jahr für meinen Geschmack für 136 € Kartenpreis reichlich flach aus, auch wenn die Headliner des jeweiligen Tages durchaus richtig gut waren. Da muss jeder selbst entscheiden, ob es ihm das wert war.
Stimmungstechnisch war das Festival überwiegend friedlich, aber bei den meisten Bands ging nicht wirklich viel ab, nur vereinzelt konnte man Leute tanzen oder gar ihr Haupthaar schütteln sehen. Lag aber wohl größtenteils an der sehr … bunten Mischung des Publikums, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.
Der teilweise derbe schlechte Sound auf allen Bühnen war mehr als ärgerlich, ebenso die veränderte, neue Einteilung des Geländes. Ein kurzer Weg von Bühne zu Bühne ist nett, aber auch nur wenn man lebend ankommt. Das war inakzeptabel.
Fürs Wetter konnte niemand etwas, aber es war definitiv der Faktor, der ROCK IM PARK 2008 buchstäblich hat Baden gehen lassen. Und das werden sich nicht nur die 7 durch einen Blitzeinschlag auf dem Campinggelände verletzten Personen denken. Ihnen gute Besserung und ROCK IM PARK für nächstes Jahr… was auch immer, es wird sich wohl kaum etwas ändern. Ich nehme mal an, Stagediving wird auch 2009 verboten bleiben. Mal sehen ob es metal-district.de dann auch wieder hin verschlägt.
 
Herzlichen Dank für seine Zeilen & Impressionen geht an Sebastian und an den Basti für die Fotos. 
 




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Verfasser:
Brösel

Datum:
11.06.2008

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