CHRONICAL MOSHERS OPEN AIR VI - Hauptmannsgrün, Mühlteich - (13.-14.06.2004)
Freitag der 13.06.2008 – durchwachsenes Wetter – Nachmittag gegen 15 Uhr – die zwei Autos starke Karawane zieht aus dem gerade mal eine Stunde entfernt gelegenen Ostthüringen los. Ziel der Reise: Vogtland - Hauptmannsgrün – Chronical Moshers Open Air. Das scheinbare Unglücksdatum bringt dann auch noch verschiedene Stolpersteine mit sich, (wie z.B. ein Dönerladen, welcher trotz einer riesen Auswahl zwischen „Salat“ oder „Fleisch“ trotzdem fast eine halbe Stunde für einen Döner braucht oder die endlose Suche nach Dosenbier; einem Auto, welches selbst auf der Landstraße mit Mühe und Not die 80km/h schafft und hilfsbereiten aber doch eher nutzlosen Informationen von Anwohnern, die uns durch die Umleitungen lotsen wollen) welche die Reisezeit dann letzten Endes verdreifachen. Und so kommt man doch leicht angesäuselt, aber mit freudigen Erwartungen auf dem Parkplatz an, packt seine sieben Sachen unter den Arm, um zum etwa 200 Meter entfernten Campingplatz zu laufen. Schnell das Zelt aufgebaut, Stuhl aufgeklappt und natürlich erstmal ein Bier aufgemacht. Das Wochenende kann also beginnen.
20 Uhr dann mal zur ersten Band ins nahegelegene Festivalzelt gewatschelt, um sich COMING FALL anzusehen. Musikalisch irgendetwas zwischen Death und Black Metal, aber alles in allem doch sehr belanglos und langatmig. Als Opener in Ordnung, aber nichts, was mich vom Hocker reißen würde.
Anschließend stehen STEELCLAD aus Dresden auf der Bühne. Bis dato hatte ich noch nie etwas von dieser Heavy Metal Band gehört, muss ich doch sofort feststellen, dass es sich um meine Überraschungs-Band des Festivals handelt. Lupenreiner Heavy Metal im Stile von SAXON oder PRIEST, Spandexhosen, Kutte, Nieten und eine Stimme, die so manche Melodicdeather „eierlos“ nennen würden. Was geht mir doch das Herz auf, endlich mal wieder solche Töne von einer Undergroundband zu hören. Das Zelt füllt sich auch rasch und zum SAXON-Cover „Denim and Leather“ sowie Dudelsackeinlagen schraubt sich das Publikum die Birne ab.
Danach folgen PURGATORY. Nun, für mich bereits das fünfte Mal PURGATORY live und auch das fünfte Mal der fast identische Auftritt. Die Band wirkt sehr routiniert, als sie ihren recht skandinavisch angehauchten Death Metal gerade zu herunter spielt. Alles in allem in Ordnung, aber nichts Weltbewegendes. PURGATORY eben.
Die schon den ganzen Tag auf T-Shirts und von Frauenchören hoch angepriesenen ARTLESS bilden die Ouvertüre zum feuchtfröhlichen Ausklang des Abends. Man könnte fast denken, die Jungs hätten den halben Zeltplatz bestochen (bei dieser übermäßigen Besucherzahl natürlich für eine Undergroundband nicht unrealistisch), die andere Hälfte des Zeltplatzes zum Marsch vor die Bühne ab zu kommandieren, da sie musikalisch nicht wirklich überzeugen können. Für mich eine weitere Band die sich in die "wir spielen Gothenburg Death"-Sparte einordnen lässt - also nichts besonderes, aber auch nicht schlecht. Bühnentechnisch überzeugen mich ARTLESS auch nicht wirklich. Die Fanscharen sehen das etwas anders und somit ist die allgemeine Stimmung doch recht gut.
Als dann, nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten, die Musik aus der Konserve auch beim Publikum Anklang findet, ist diese Freude doch recht schnell verflogen, da aufgrund einer mangelnden Genehmigung nur bis um 2 Uhr gelärmt werden darf. Anbei hieß es noch einige Stunden zuvor in hervorragendem Vogtlandsächsisch: "Hey du bist hier uffm Moshers, da brachste de dir keene Sorschen machen, dass de um Eense im Bette lieschst", womit der Mr. Entrance am Ende auch durchaus Recht behielt. Tag 1 ging somit auf dem Zeltplatz zu Ende, was sich im Endeffekt aber doch eher positiv auf Stimmung und Alkoholkonsum auswirkt. Nicht zuletzt durch die Dudelsackeinlagen des STEELCLAD-Sängers und deren Anhängerschaft aus dem Elbflorenz, harrte man bis zu den ersten Sonnenstrahlen aus.
Der Samstag beginnt etwas gemächlicher. HIAM, eine noch nicht all zu lang existierende Doom Metal Band, versuchen mit ihren langatmig düsteren Stücken die Zeltenden langsam aus dem Schlaf zu rütteln. Allerdings erreichen sie mit ihren hypnotischen Stücken bei mir eher das Wiedererwachen des Rauschzustandes. Musikalisch überzeugen HIAM, wenn auch die verhältnismäßig langen Lieder nicht unbedingt den morgendlichen Geist der Besucher wecken.
Ganz anders bei den Jenaer MORTJURI, die mit ihrem Mix aus Death-, vor allem aber melancholisch angehauchtem Black Metal die Stimmung auch nicht unbedingt auf Partyniveau anheben, aber wohl ihre Fans mit an Bord haben. Meines Erachtens nach eher eine Band zum Pausieren, für andere doch ein Lichtblick, denn das Zelt füllt sich.
Mit RECAPTURE kommt dann zumindest ein kleiner Umschwung. Musikalisch orientiert man sich, wider meine Erwartungen, wieder sehr stark an den sanfteren Schwedendeath-Klängen der frühen 90er, aber auf der Bühne zeigte sich positiver Weise etwas Aktion. Beachtung finden die Growls von Frontbiest Michéle, die einem schon des Öfteren auf dem Festivalgelände entgegen geschlendert kam. Für mich hätten die Lieder vom Debutalbum "... straight from hell", als auch vom noch nicht veröffentlichten zweiten Silberling, doch noch etwas direkter kommen können. Alles in allem aber ein solider Auftritt. (Franz)
Nachdem mein Körper dank VW und ner Menge Gas am Mühlteich aufschlug und ich Kollege Franz das feuchte Patschehändchen geschüttelt hatte, stolziere ich in das Festzelt, aus dem bereits die wuchtigen Klänge ABROGATIONs schwallen. Von einer großen Fanschar war nicht die Rede, doch über den Zeitraum ihres routinierten Gigs lockte man immer mehr Besucher zurück zu den Boxen und erhielt für die melodisch angehauchten und recht thrashig-groovigen betonten Songs keineswegs nur Höflichkeitsapplaus. Im Grunde genommen schade, dass die Band zu einer solch unglücklichen Zeit spielen musste.
Nun gut, dass die Chronical Moshers gerade bei den Preisen für Getränke und Essen sich nicht lumpen lassen, ist mittlerweile bekannt. Dass man aber das frisch am Ausschank gekaufte Bier bei einem kurzen Abstecher zum Campingplatz nicht mehr ins Festivalgelände mitnehmen darf, ist absolut lächerlich. Freilich lässt sich das Bier noch schnell zu Ende trinken, doch spornt man mit solchen Aktionen nicht gerade die Besucher zu einem Wettsaufen an, auch wenn das Bier nur 2 Euronen kostet. Saufen schmeckt gut - Freiwillig Saufen schmeckt besser!
Das sollte DISREPUTE weniger interessieren. Die Show wird kurzum zur kleinen Releaseparty umgewandelt, da ihr neues Album „Hunting The Scum“ endlich fertig ist, und in der zweiten Hälfte des Gigs verschenkt man 5 Scheiben an flinke Bühneneroberer verschenken. Das Gedränge ist groß, da sich schon vorher eine beachtliche Anzahl Bangwilliger eingefunden und die Band abgefeiert hatte. Sicher kommt den Vogtländern ihr Status als regionales Aushängeschild zu Gute, doch ist der Gig eben auch mit viel Fleiß, Schweiß und innerlich wie äußerer Spielfreude ein willkommenes Geschenk für mich, denn das Herz an der richtigen Stelle ist mir weitaus wichtiger als der fette Labelvertrag oder lächerliche Sicherheitsvorkehrungen, die einfach nur abgehoben und arrogant wirken. DISREPURE-Shouter Jens z.B. entert auch mal die erste Reihe und bangt gemeinschaftlich mit den Fans – Metal ist eben auch Gemeinschaft und DISREPUTE SIND METAL!!! (trabi)

Na also! Der Abend läuft langsam aber sicher auf die Höhepunkte des Festivals zu. DESASTER entern die Bühne und mit ihnen wird auch das Zelt voller und voller. Kurzes Intro, dann geht’s los mit „Satans Soldiers Syndicate“ und das Quartett aus Koblenz macht mal wieder klar, warum sie für mich eine der besten Live-Bands Deutschlands, wenn nicht sogar weltweit sind. Mit einer atemberaubenden Spielfreude wird sich durch alle Alben gebolzt und das Publikum geht ab wie ein Zäpfchen. Aufgrund einer leider viel zu kurzen Spielzeit muss man leider noch auf’s POSSESSED-Cover verzichten. Dennoch ein absolut gelungener Gig, bei dem mir persönlich nur „Nighthawk“ im Set gefehlt hat. (Franz)
Irgendwie mussten MANOS gedacht haben, dass sie gegen eine solche Band wie DESASTER eh verlieren und stellten zu den üblichen Geschützen wie Eules mit einem aufblasbaren Badekrokodil am Holzgestänge getunten Bass und der kultigen Wattjacke des Sängers und Gitarristen Andrew eine noch verdeckte Zwerchfell-Flak am Bühnenrand auf. Dabei hätten sie das gar nicht nötig gehabt, denn die Moshers sind schon seit Jahren an dieser Band dran und dieses Mal bekamen sie endlich mit aufs Billing. Und die Verfassung der ostdeutschen Legende (Nein, nicht die Moshers sind gemeint) ist einfach nur top! Eule ist schon zu Beginn ratzedicht und Andrew verwirrt wie ein Chemielehrer. Sämtliche Gassenhauer wurden in die Menge gefeuert und selbst die ‚ernsteren’ Songs der aktuellen Scheibe „Genocide“ wurden frenetisch abgefeiert. MANOS machen einfach Laune. Egal, ob sie die Riesenbockwurst über den Köpfen des Mobs tanzen lassen oder endlich die neue Show-Einlage enthüllen – eine Kinderrutsche, auf der die Fans in Reihe von der Bühne rutschen können. Wahnsinn und Genie gehören zusammen – dafür bürgen MANOS mit ihren Shows. Unglaublich, wie lange die Mosher fröhlich die Rutsche benutzen. Stage Diving ist out – Stage Sliding ist in! Und MANOS rulen einfach immer! Für mich zweifellos die Headliner des Abends und jeden Cent wert! 
Die hessische Volksfront gegen Verharmlosung der Emo-Seuche hatte natürlich zu kämpfen, die durchschwitzten Körper zu reanimieren. Dass LAY DOWN ROTTEN mit einer späten Spielzeit aber durchaus zu recht kommen, haben sie bereits des Öfteren bewiesen. Sänger Joost wird wie gewohnt vom Mett-God persönlich in allen Belangen unterstützt. Nur das alleinige Bierverteilen bei den Fans lässt er sich nicht nehmen. Beide harmonieren aber wie immer und ergänzen sich in ihren nicht immer ernst zu nehmenden Ansagen perfekt. Aber auch der Rest der Truppe bangt und post sich durch die gute Stunde feinsten Death Metals aus deutschen Landen. Momentan kommt man eben auch kaum an der Truppe vorbei und will es im Grunde genommen auch nicht – sie sind einfach zu geil! Allerd8ings frage ich mich schon langsam, wie viel LDR der gemeine Death Metaller verträgt. Nun, wir werden sehen. Solange es jedenfalls soviel Spaß macht, der Truppe und dem ausklinkenden Mob zu zuschauen, kann ich mir eine Verringerung ihrer Bühnenaktivitäten nicht wünschen. (trabi)
Sich MASTER als Headliner zu holen, ist sicherlich keine schlechte Wahl für ein kleineres Festival. Mit den über 20 Jahren Bandgeschichte lässt sich aus einem breiten Spektrum schöpfen und auch an diesem Abend zeigen Speckmann & Co, dass sie eine hervorragende Live-Band sind. Leider scheint ein Großteil der Zuschauer diese Meinung nicht zu teilen und verlässt schon in der Umbaupause das Zelt. Für mich vollkommen unverständlich, denn MASTER sind nun einmal MASTER! Man bekommt, was man erwartet. Nach dem gleichnamigen Opener wurde eine Death/Thrash Granate nach der anderen abgeschossen, ohne jegliche Kompromisse. Speckmann zeigt sich wiedereinmal von der charmanten Art und reagiert auch auf Zurufe aus dem Publikum ("Master play faster!"), mit gewohnter Gelassenheit, indem er beteuert, dass MASTER, so Speckmann wörtlich, keine neuschulische Terrorgruppe sei, sondern im "Medium"-Bereich oldschoolig dahin rumpele - und so war es auch!
Neben alten Nummern, unter anderem vom Debut oder der Überscheibe "On The Seventh Day God Created... Master" (wobei "America the Pitful" leider fehlte), werden natürlich auch neue Gassenhauer z.B. vom aktuellen "Slaves of Society" Album dargeboten. Zusätzlich gibt es erfrischende Soli von Gitarre und Schlagzeug, die das Spektakel auf gute 2 Zeitstunden aufstocken. Für mich eine der besten Bands des Abends, da sie eindeutig Kultstatus besitzen und über all die Jahre keine Müdigkeit zeigen. (Franz)
MASTER hatte auch ich schon einige Male gesehen und diese Show gehört absolut zu den besten ihrer langjährigen Karriere! Meister Speckmann fühlt sich sehr wohl in der Rolle des Headliners und lässt die Sau richtig krachen. Selten habe ich den Opa des Death Metal so engagiert gesehen und selten wurden einem die Blues-Einwüchse so bewusst, wie an diesem Abend. Wahrscheinlich ist Paule doch nur der uneheliche Bruder der ZZ TOP-Family.
Die Theke ist anschließend nur noch eine knappe Stunde geöffnet und so mancher lässt sich nur ungern vom Platz trollen. Man stakst durch die Dunkelheit und führt gern einen betrunkenen Nachtblinden gen Parkplatz. Eine Nacht unter Zecken ist nicht empfehlenswert und wieder einmal zählt die metallische Gemeinschaft, die bei den Chronical Moshers unbedingt am Leben erhalten bleiben muss – egal welche Erfolge oder Niederlagen man noch einstecken sollte. (trabi)

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Verfasser:
Trabi
Datum:
06.07.2008
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