TORTURE SQUAD - Tourtagebuch - (14.04.-27.04.2008)

TORTURE SQUAD - Tourtagebuch
(14.04. - 27.04.2008)
Bereits zum dritten Male beehren die brasilianischen Thrasher mit Death-Einschlag TORTURE SQUAD das altehrwürdige Europa, aber erstmalig wurde dabei auch Italien beackert. Meine Wenigkeit hatte bislang auch noch nie das Vergnügen den Azurri einen Besuch abzustatten, so dass sich hier die perfekte Gelegenheit bot, Metalszene und Historie des Landes zu erkunden.
14.04.2008 - Abholung mit Hindernissen
Gegen 23.00 Uhr wollten die vier Squad’ler zur Abholung in Aschaffenburg aufschlagen. Zu diesem Zwecke war man seit einigen Tagen mit einem Van, der inklusive Fahrer aus Polen angemietet wurde, unterwegs. Doch die Zeit schritt unaufhaltsam voran und noch immer war kein Van in Sicht. Gut – Brasilianer sind grundsätzlich nicht die Pünktlichsten, aber gegen 4.00 Uhr morgens machte ich mir dann doch langsam Sorgen, zumal ja auch noch der lange Weg nach Turin anstand. Um 4.30 Uhr wurde ich dann aus dem Dämmerschlaf gerissen. Dass ein Van mit polnischem Kennzeichen, zugepierctem Fahrer und vier langhaarigen Metaleiros aus Brasilien Aufmerksamkeit erregen könnte, war irgendwie klar und so fiel man in der Nähe von Dresden erstmal einer 2-stündigen Polizeikontrolle zum Opfer. Da man sich des Risikos bereits im Vorfeld bewusst war, durfte die grüne Einheit nach getaner Arbeit jedoch wieder erfolglos abrücken.
15.04.2008 - Welcome to Italy
Da der ganze Tross völlig übermüdet war, klemmte ich mich hinters Steuer und passierte problemlos die deutsch/schweizerische Grenze von wo ab uns eine herrliche Berglandschaft begleitete, die unsere Brasilianer sichtlich beeindruckte. Fahrerwechsel war wieder angesagt und etwas später ging es über den San Bernadino-Pass nach Italien. Aber denkste!!! Ich gebe gerne zu, dass ich mit gewissen Vorurteilen gegenüber Italien behaftet bin (hauptsächlich aus fußballerischen Gründen), aber hier bewahrheiteten sich meine Befürchtungen umgehend. Die Carabinieri hatte an der Grenze nichts Besseres zu tun, als uns armes Häufchen Metaller drei Stunden auf Herz und Nieren bezüglich Drogen, illegalem Merchandise (!) oder grundsätzlich illegalem Aufhalten in Europa zu prüfen. Zu guter letzt durfte jeder von uns auch noch die Freuden des „Arschaufreißens“ genießen, denn auch da könnte ja eine illegale Substanz versteckt sein. Unser Driver „Mosquito“ schob dabei einen besonders dicken Hals, da er die Schnauze langsam voll davon hatte, dass jeder denkt, ein Wagen mit polnischer Zulassung resultiere automatisch aus einem Diebstahl. Endlich in Turin angekommen, fühlen sich die Brasis gleich heimisch, denn das Chaos dort erinnert durchaus an ihre Heimat Sao Paulo. Ziel ist der „United Club“, dessen Betreiber Mario „Spesso“ uns gleich herzlich in Empfang nimmt. Nach der ersten italienischen Pasta (der noch viele, viele folgen sollten) und einem kurzen Soundcheck fiel dann der Vorhang für den ersten Italien-Gig, der zwar recht spärlich besucht war, aber von den Anwesenden durchaus abgefeiert wurde.
16.04.2008 - Highway to Hell
Nachdem wir unseren Schlafsäcken bei „Spesso“ entfleucht waren, holten wir unseren Trailer am Club ab und weiter ging’s Richtung Süden. Da in den kommenden zwei Tagen keine Show zu spielen war beschlossen wir, einen Abstecher nach Rom zu machen, um uns ein wenig dem Tourismus hinzugeben. „Spesso“ gab uns auch gleich noch den Tipp, dass wir bei einem Bekannten von ihm, der in einer Festung wohnt, kostenlos übernachten könnten. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen, denn die Autobahnen in Italien sind höllisch teuer und rissen so ein unerwartetes Loch in die Tourkasse. Auf dem Weg gen Süden passierten wir Pisa, was eine heftige Diskussion im Van auslöste. Als korrekter Deutscher war ich nämlich der Überzeugung, dass man den schiefen Turm doch irgendwie wieder in die Senkrechte kriegen sollte. Der Pole hingegen wollte ihn klauen und die Brasilianer das Teil einfach nur kaputt machen. Vor lauter Lachattacken verpassten wir dann die richtige Ausfahrt und so dürfte das schiefe Ding immer noch „unbeschadet“ in Pisa rumgammeln. In Rom angekommen, stellt sich unsere Übernachtungsmöglichkeit tatsächlich als uralte, mehrere Fußballfelder-große Festung heraus, die allerdings von einem Haufen Punks einfach besetzt wurde und die in der Zwischenzeit dort sogar Restaurants, Bars und Live-Clubs installiert haben. Sehr kultig ist auch der Weinkeller, der früher als Bunker diente. Die Betreiber des selbigen dürfen sogar legal gewisse grüne Pflänzchen zur medizinischen Verwendung anbauen. Es bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung, dass wir in dieser Nacht auf massive medizinische Hilfe angewiesen waren. Die hygienischen Verhältnisse in diesem Squad waren zwar gelinde gesagt übel, aber dafür alle Leute absolut cool drauf und die Verpflegung geriet zu einem deliziösen Vergnügen.
17.04.2008 - Die spinnen die Römer
Heute ist für die komplette Mannschaft ein ausführlicher Touri-Tag angesagt. Bewaffnet mit Videokamera und zahlreichen Fotoapparaten werden die Ruinen des römischen Reiches begutachtet und auch das Kolosseum entgeht dem Blitzlichtgewitter nicht. Reichlich bescheuert ist allerdings die Tatsache, dass die Römer diese Denkmäler von unschätzbarem Wert nicht etwas separat belassen, sondern drum herum lauter Hauptstraßen gebaut haben. Auch den Petersdom lassen wir uns nicht entgehen. Zwar ist Pope Benny gerade in Südamerika unterwegs, aber wenigstens seine Vorgänger liegen chronologisch nebeneinander in der Gruft herum. Reichlich gerädert fallen wir recht früh in unsere Schlafsäcke – jedoch nicht, ohne vorher noch mal um medizinischen Beistand in den Gemäuern der Punks zu bitten.
18.04.2008 - Ab in den Süden .JPG)
Gleich morgens geht’s los nach Bari. Sonne, Strand und eine Pizzeria erwarten uns. Pizzeria? Ja – denn der Gig findet heute tatsächlich in einer eben solchen namens Target Club statt. Unter der Woche tummelt sich hier die italienische Großfamilie zum Schlemmen und am Wochenende finden Events statt, die bis hin zum Striptease reichen. Heute handelt es sich um die Vorausscheidung des Wacken Metal Battle und so bekommen wir im Vorprogramm einen netten Querschnitt dessen geboten, was metal-mäßig im Süden Italiens derzeit so die Speerspitze bildet. Mit ein paar verrückten Italienern beschließe ich, den Abend in feucht-fröhliche Gefilde zu führen, was zum völligen Verlust jeglicher Motorik oder Rhetorik führt und unsere gesamte Truppe beschließt, sich lieber zusammen in ein einziges Hotelzimmer zu quetschen, als den grenzwertigen Schlafensgeräuschen des Verfassers in Zimmer Numero 2 zu lauschen.
19.04.2008 Rote Pillen
Stark verkatert geht es wieder ein wenig Richtung Norden nach Pescara, wo der nächste Metal Battle stattfindet. Hier treffen wir auf die Band Red Pill, mit denen wir umgehend Freundschaft schließen. Die Jungs spielen einen geilen (wenn auch modernen) Thrash und sind außerdem sehr party-kompatibel und vor allem von „Octopussy“, wie sie TORTURE SQUAD-Schlagzeuger Amilcar liebevoll nennen, schwer begeistert. Der Publikumszuspruch hält sich allerdings wieder in Grenzen, da meiner Meinung nach die Promotion-Maschinerie hier schon ein wenig versagt hat.
20.04.2008 Chaos Corporation
Heute geht’s wieder ein Stückchen nördlicher nach Bologna. Da unser Navigationssystem die Grätsche gemacht hat, fahren wir in Bologna ewig durch die Gegend, bis wir die Location finden. Dass der gemeine Italiener kaum englisch spricht, vereinfacht die Sache nicht unbedingt. Entschädigt werden wir aber durch eine große Bühne mit fetter PA, so dass TORTURE SQUAD eine Stunde lang richtig mächtig durchfegen. Vor allem „Chaos Corporation“ und „Hellbound“ werden heute besonders abgefeiert. Die Supportbands entpuppen sich allerdings als nicht sonderlich kommunikationsfreudig und wirken streckenweise sogar richtig arrogant. Doch als aus dem Nichts plötzlich wieder die Jungs von Red Pill mit samt Anhang auftauchen, ist die Freude groß und die Party für den Abend gerettet. Dementsprechend lustig gestaltet sich die Rückfahrt zum Hotel, denn nur meinereiner kennt den Weg, aber in diesem Moment nicht mal mehr seinen eigenen Namen. Also wird wieder der Versuch unternommen, Einheimische um Rat zu fragen. Doch Sonntagnacht tummeln sich lediglich ein paar Nutten auf den Straßen, die sofort Reißaus nehmen, als wir nur die Autoscheibe runterleiern. Ich bin überzeugt davon, dass einige Ausschnitte des nächtlich geschossenen Videos ihren Weg auf die nächste DVD finden werden.
21. – 23.04.2008 In Vino Veritas
Am nächsten Morgen schälen sich alle nur mühsam aus den Federn, zumal die Unterbringung im örtlichen Hotel aller Ehren wert ist. Außerdem sind die nächsten drei Abende spielfrei und so beschließt man brasilianische Freunde in der Nähe von Mailand zu besuchen, die uns dann auch für einige Nächte Unterschlupf gewähren. Dort angekommen liegt für alle die Priorität auf einer ausgiebigen Nutzung des Internets, da dies schon seit geraumer Zeit kaum möglich war. Am zweiten Abend besucht ein Teil unseres Trosses die Show von Down, während der Rest sich einer ausgiebigen Weinprobe hingibt, da einer der uns Unterschlupf gewährenden selbst in der Weinherstellung tätig ist. Nach den ersten paar Fläschchen wird dann auch reichlich Unsinn gelabert und so manch pikante Anekdote aus vergangenen Tourneen amüsiert die Anwesenden. Ein bisschen Sightseeing gibt man sich auch und so wird unter anderem die Mailänder Scala mit einer Ausstellung über Maria Callas besucht. Horrend sind allerdings streckenweise die Preis in der Mailänder Innenstadt: 6 bis 7 Euro für eine 0,25 l-Cola ist leider keine Seltenheit.
.JPG)
24.04.2008 Milano rocks!
Nach drei Day Offs merkt man TORTURE SQUAD an, das es wieder in den Fingern kribbelt. Aber zunächst lädt uns die Booking Agentur in eine erstklassige Pizzeria ein, wo auch dem Wein schon ein wenig gefrönt wird und so geht’s anschließend gut gelaunt in den Zoe Club, welcher eine gute Atmosphäre hat und gern frequentiert zu sein scheint. Dies hat zur Folge, dass dieser Auftritt zum Bestbesuchtesten in Italien wird. Moshpits begleiten das brasilianische Abrisskommando von der ersten Minute an und wer hätte es gedacht? Es tauchen doch tatsächlich wieder die Nasen von Red Pill auf, die die 250 km Entfernung nicht gescheut haben. Das heißt natürlich auch wieder: Partytime!!! Im Discoteil des Clubs fährt man heute die volle Breitseite an 80er Heavy Rock auf und so wird lautstark zu Twisted Sister, Accept, Kiss und Skid Row gegröhlt und gebechert. Herrlich! Nur unter heftigen Protesten ließen wir uns dann um 5.00 Uhr morgens von den Clubbesitzern nach Hause beordern.
25.04.2008 Kopfaua
Eigentlich wollten wir an diesem Tag relativ früh los fahren, damit wir auf der langen Strecke von Mailand nach Hamburg noch einen Zwischenstopp einlegen können. Da aber jeder noch mit den Problemen der letzten Nacht (Alkohol respektive Frauen) zu kämpfen hat, kommen wir erst gegen 18.00 Uhr los, was bedeutet, dass die ganze Nacht durchgefahren werden muss. Fahrer Mosquito wird dabei auch mal von Gitarrist Lopes abgelöst und selbst ich erbarme mich, die letzten 200 km vor Hamburg hinter dem Steuer zu verbringen.
26.04.2008 Veni Vidi Vici
In Hamburg werden wir gleich wieder von einem brasilianischen Kumpel empfangen, der uns erstmal mit der berühmten brasilianischen Feijoada (Bohnen/Dörrfleisch/Reis) kulinarisch auf Vordermann bringt. Die heutige Show in der Markthalle findet wieder als Metal Battle-Vorausscheidung für Wacken statt bei der TORTURE SQUAD abermals als Special Guest fungieren dürfen. Viel wichtiger ist aber, dass alle Leute, die in Europa eine wichtige Rolle für TORTURE SQUAD spielen bzw. spielen werden anwesend sind: Label, Promoter, Vertrieb, die Wacken-Organisatoren etc. alle sind am Start und als besonderes „Leckerli“ gibt’s mit all diesen Leuten eine satte Party im Nebenraum zu der auch die Metal Battle-Veranstalter aus den anderen Ländern (z.B. auch Israel) eingeladen sind. Selbst der brasilianische Vertreter Airton vom Roadie Crew-Magazin ist extra rüber gejettet und so ist die Freude allseits groß. Diese steigt sogar noch, als während der Show diese ganzen „VIPs“ auch noch anfangen zu bangen und die Songs lauthals mitzugröhlen. TORTURE SQUAD selbst zeigen sich enorm beeindruckt und geehrt von dieser Resonanz seitens der Business-Leute und so werden gleich nach der Show weitere gemeinsame Ziele (neben dem Buffett und dem Bierstand) in Angriff genommen.
27.04.2008 Home Sweet Home
Reichlich geschlaucht, geht es heute wieder nach Hause ins Bandquartier nach Aschaffenburg. Dort heißt es auch Abschied von Mosquito zu nehmen, der sich im Bus zum wiederholten Male eine aberwitzige Wortschlacht mit TORTURE SQUAD liefert bei der unser polnischer Fahrer nur portugiesische Wörter und die Squadler nur polnische benutzen dürfen. Das solch eine Konversation kaum über die Gürtellinie hinaus kommt, dürfte klar sein. Die Brasis können nun ein paar Tage relaxen, denn dann geht es mit den Holländern von CiLiCe ausgiebig auf Tour und im Juli/August stehen reichhaltig Festivals auf dem Programm. Wenn sich die Truppe dort genauso bärenstark präsentiert, sollte dem Vormarsch auch nichts mehr im Wege stehen … höchstens noch die italienische Polizei ….
.JPG)

Noch keine Kommentare vorhanden
|
Verfasser:
Hansy
Datum:
25.07.2008
Gelesen:
636x
Kommentare:
Noch keine Kommentare
|