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Letzte Aktualisierung am 01.12.2008
Skull Metal District - Live Reports: Skull
FESTIVAL-MEDIAVAL - Selb, Goldberg - (19.-21.09.2008)

Gastbericht von Floh Hessler


Bandübersicht:

Freitag, 19.09.2008

Corvus Corax -- Runkel -- Des Teufels Lockvögel -- Streuner -- Furunkulus -- Feuerschwanz -- Saltatio Mortis

Samstag, 20.09.2008
Skyclad -- Rhiannon -- Elexorien -- Gothien -- Clanrock -- Ougenweide - Livonia -- Subway to Sally -- Dikanda -- Hedningarna

Sonntag, 21.09.2008
Adas -- Zwielicht -- Faun -- Estampie -- Omnia


 


FREITAG, 19.09.2008


Auf das „Festival Mediaval“ war ich wirklich sehr gespannt, hatten sich doch die Veranstalter bereits im Vorfeld der in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindenden Veranstaltung gleich mit dem Titel „Europas größtes Mittelalterfestival“ geschmückt, und für die Premiere auch ein recht ansehnliches Billing zusammengestellt (siehe Vorbericht). In den Wochen vor dem Festival hatte sich dann unsere Vorfreude durch einige, nennen wir es mal „Absonderlichkeiten“ leider etwas getrübt: Mal im Ernst: Seit wann zahle ich Vorverkaufsgebühr, wenn ich die Tickets direkt beim Veranstalter bestelle? Noch dazu eine Vorverkaufsgebühr, die die 10%ige Gruppenermäßigung mal eben komplett wieder zunichte macht? Dazu ließ der den Tickets beiliegende Hinweis, die Abrisse an den Tickets würden ein Hologramm und einen Strichcode für die elektronischen Kartenlesegeräte an den Eingängen enthalten und wären das ganze Wochenende unbeschädigt (!) aufzubewahren, Schlimmes befürchten. So machten wir uns also mit Vorfreude aber auch einiger Skepsis auf den Weg ins heimatlich-oberfränkische Selb.
Und hurra! – Die erste Sorge löste sich in Wohlgefallen auf: Irgendjemand hatte anscheinend Intelligenz bewiesen und anstatt der angedrohten Strichcodeleser gab es am Eingang dann doch die altbewährten Festival-Armbändchen. Da bis zur offiziellen Eröffnung um 15.30 noch etwas Zeit war, hatten wir Gelegenheit, zunächst einmal das recht weitläufige Veranstaltungsareal auf dem Goldberg zu erkunden und eine erste Orientierung zu gewinnen. Das Gelände war geteilt in zwei Hauptbühnen, oben die „Schlossbühne“ und am „Fuß“ des Berges die etwas kleinere „Burgbühne“, dazwischen lagen die Theaterbühne, auf der auch die Nachwuchsbandwettbewerbe stattfanden, und der Markt. Aber was heißt hier „der Markt“, es gab deren gleich vier: Händler-, Handwerker-, Orient- und Fantasymarkt (wobei ich den orientalischen Markt tatsächlich erst am Sonntag entdeckt habe…). Ein wenig am Rande des Ganzen gelegen befanden sich die diversen mittelalterlichen Lager, die Bogenschießbahn und das Filmzelt.

Corvus Corax

Nach einem kleinen Vorgeplänkel, wie etwa einem, netterweise kurz gehaltenen Grußwort des Selber Oberbürgermeisters, kündigte das waaaaahnsinnig witzige Moderatorenduo „Phaedro“ und „Wandelbar“ mit den Berlinern von CORVUS CORAX endlich die erste Band des Wochenendes an. Diese lieferte dann auch einen soliden Auftritt ab, leider waren zu der Zeit noch recht wenige Besucher auf dem Gelände, so dass sich die Stimmung doch recht in Grenzen hielt. Auch wenn ich die Band einfach ein paar mal zu oft gesehen habe und die brachiale Kombination aus quäkenden Säcken und donnerndem Getrummel nicht mehr so wirklich meins ist, muss ich gestehen, dass mir die Coraxe ein bisschen leid taten. Als Opener waren sie schlichtweg verheizt.

RUNKEL aus „Machteburch“, die als nächstes auf der kleineren Bühne spielten, klangen für mich ein bisschen nach Volkstrott, nur mit weiblichem Gesang. Ganz nett anzuhören, aber vom Hocker gerissen hat’s mich nicht.
Besser gefallen haben mir da dann schon DES TEUFELS LOCKVÖGEL, obwohl ich die gar nicht auf meinem Plan hatte. Aber sich den schönen Melodien von Meister Marcus van Langen und der energiegeladenen Performance von Juliane „La Fey“ Kammerl zu entziehen war schlichtweg unmöglich, so dass der geplante Marktbummel erstmal wieder verschoben werden musste. Definitiv sehens- und hörenswert!
Streuner
Das ganze steigerte sich dann zum ersten Highlight des Tages, dem von mir heiß ersehnten Auftritt der STREUNER. Ihre Mischung aus traditionellem Liedgut und eigenen Texten, alles mit einem Augenzwinkern und dem unvergleichlichen streunerischen Charme vorgetragen, sorgte recht schnell für Stimmung bei den inzwischen doch zahlreicher gewordenen Zuschauern. Die Streuner sind einfach eine Liveband par exellence, und Lieder wie „Männer mit Bärten“, „Schenk voll ein“, „Söldnerschwein“ oder das aus dem jiddischen entlehnte „10 Orks“ zählen an den Lagerfeuern der Mittelalter- und LARP-Szene seit langem zu den beliebtesten Gassenhauern, so dass die Band das Publikum auch nicht erst groß zum Mitsingen animieren musste.

Nach einem entspannten Spaziergang durch die unzähligen Marktstände zurück zur Schloßbühne konnten wir noch den zweiten Teil von FURUNKULUS erleben, wieder eine Gruppe aus der brachialen Dudelsack/ Trommel – Kategorie. Nicht meins, wie gesagt, aber die Stimmung vor der Bühne war gut, und allein das Tier an der Trommel war schon irgendwie sehenswert.

Die nächste Band war für mich eine der größten Überraschungen des Festivals und der definitive Höhepunkt des Abends: Die Franken von FEUERSCHWANZ klingen nach eigenen Angaben wie „J.B.O. + Mittelalter“. Neben leicht umgedichteten Coverversionen eben dieser ebenfalls aus der gleichen Gegend stammenden Spassband, veräppelten die „Verteidiger des wahren Met“ weitere bekannte Songs, etwa von Schandmaul oder Subway to Sally („Hut, Hut, Johanna hat ’nen Hut…“), brachten aber auch zahlreiche Eigenkompositionen zu Gehör. Nach dem Motto „Met und Miezen“ wurde das ganze optisch aufgepeppt durch zwei Tanzmiezen und ein kurzes Bühnengastspiel der Damen von der Feuershow „Leuchtfeuer“. Endgültig überzeugt aber hat mich „des Hauptmanns geiler Haufen“, nachdem wegen des engen Festivalzeitplans keine weitere Zugabe möglich war und man sich spontan dazu entschloss, die Bassboxen im Bühnengraben zu entern um den Auftritt von dort akustisch weiterzuführen. Die beiden Miezen tränkten derweil das feierwütige Volk mit Met aus überdimensionalen Hörnern. – Liebe Feuerschwänze, ihr habt in mir auf jeden Fall einen Fan dazu gewonnen, das hat echt gerockt!

Feuerschwanz

Leider hab ich die Met-und-Miezen-Party an der Burgbühne dann doch irgendwann verlassen, da ich wenigstens noch ein bisschen vom Headliner SALTATIO MORTIS mitbekommen wollte. Fehler! - Aber ich hätte es wissen sollen… Ich mag die alten Sachen aus Marktmusiktagen eigentlich ganz gerne, dem neuen, harten Sound der Band kann ich jedoch nicht allzu viel abgewinnen. Klingt mir irgendwie zu sehr nach Subway to Sally, da kann ich mir dann auch das Original anhören. Leider lag das Hauptaugenmerk eher auf den neueren Songs, lediglich mit der letzten Zugabe „Dessous le pont de nantes“ konnten sie mich noch einmal vor die Bühne locken.

SAMSTAG, 20.09.2008

Skyclad
Am Samstagmorgen quälte ich mich dann zusammen mit zwei anderen Unentwegten aus dem Bett, um pünktlich um 11 bei den Godfathers of Folkmetal SKYCLAD wieder vor der Schlossbühne zu stehen. Doch zunächst passierte erst einmal gar nix, nach einiger Zeit kam dann doch ein statement von den beiden Moderatoren, man müsse den Tag leider mit einer Absage beginnen - SKYCLAD hätten unterwegs ihre Instrumente und die Backline verloren. Als Ersatz wurde uns ein österreichischer Hofnarr angekündigt, der mit Publikumsbeteiligung die Geschichte von Rotkäppchen zum Besten gab. Zwar durfte ein guter Bekannter von mir dabei den bösen Wolf spielen, an sich ganz erheiternd, aber bin ich dafür nun wirklich aufgestanden? Als nächstes dann wieder eine Anfrage der beiden Moderatoren, ob denn jemand von der niederländischen Gruppe ELEXORIEN schon auf dem Gelände wäre, er möge doch bitte zur Bühne kommen, eventuell wäre man ja bereit den Kollegen von SKYCLAD ein paar Instrumente zu leihen? Weiter ging’s mit Rotkäppchen… aha, Teile eines Schlagzeugs werden auf die Bühne getragen, es tut sich was! Schließlich betraten dann endlich die Herren Ridley, English und Walton die Bühne und begrüßten uns mit den Worten: „Hello… we’re the äh…, Skyclad-trio for this morning.“ Denn nicht nur die Instrumente und Verstärker fehlte, die Violinistin Georgie Biddle konnte aufgrund eines Krankenhausaufenthalts leider erst gar nicht mitkommen. Der Auftritt läßt sich leicht mit Kevins eigenen Worten zusammenfassen: „There are a lot of things, you might not have seen before: „Skyclad at 11 ‘o clock… in broad daylight… with no beer… but water instead… and without the violin player… and without amplifiers… this is probably the strangest Skyclad-gig ever!” - Und als solcher war er dann aber doch noch ein, wenn auch etwas verspätetes, Vergnügen. „Another drinking song“ und „Spinning Jenny“ haben auch akustisch gerockt, selbst wenn der inzwischen hinzugekommene Steve mit seinen Händen in der Hosentasche und so ganz ohne Gitarre vor dem Mikro irgendwie verloren wirkte, und man in manchen etwas dünn klingenden Parts doch Georgies Fiddle schmerzlich vermisste. Hinzuzufügen wäre übrigens noch, dass der Auftritt auf der Myspace-Seite der Band mit 23.00 angegeben war – gab es da etwa ein Missverständnis mit a.m. und p.m., hehe?

Von RHIANNON aus Österreich, die als nächstes auf der Burgbühne spielten, hab ich dann leider nicht so viel gesehen, obwohl allein die Klänge der Nyckelharpa eigentlich zum längeren Verweilen einluden. Aber irgendwie kam mir dann doch mein knurrender Magen dazwischen… sorry Folks! Würd ich aber glaub ich gern noch mal sehen, wenn ich grad keinen Hunger hab.
Einigermassen gestärkt ging es dann zum Auftritt der Epic-Battle-Metaller von ELEXORIEN, dem was das musikalische Genre anging wohl „exotischsten“ Konzert des Festivals. Kannte die Band vorher noch nicht und war dementsprechend einigermaßen gespannt. Das ganze entpuppte sich dann als zwar nicht in allen Teilen vom Hocker reißend, aber zumindest als Abwechslung, die doch ganz nett anzuhören und noch viel netter anzusehen war. (Komisch, irgendwie war nach dem Konzert die Speicherkarte meiner Kamera plötzlich voll...? Und NEIN, ich höre nicht mit dem Augen!! Auch wenn böse Zungen das mithin behaupten…) Anzumerken wäre noch, dass sich Elexorien das Schlagzeug von einer anderen Band ausleihen mussten, da das ihre unterwegs wohl irgendwie verloren gegangen war. (Wie war das doch noch mal eben bei Skyclad?)

Elexorien

Nach einem kurzen Reinschnuppern bei der tschechischen Gruppe GOTHIEN, die zwar ganz nett klangen, aber für mich mehr auf einen Markt als eine große Bühne gepasst hätten, wollte ich eigentlich nur ein wenig übers Gelände schlendern, blieb dann aber doch wieder an der Schlossbühne hängen.
Kein Wunder, stachen doch die Musiker der Band CLANROCK aus Luxemburg schon durch ihr Outfit ins Auge. Musikalisch boten sie einen durchaus recht ansprechenden Mix aus harten Gitarrenriffs, gepaart mit elektronischen Klängen von Keyboard und E-Dudelsack, was in manchen Momenten ein bisschen an TANZWUT erinnerte. Kann man sich durchaus wieder mal antun.

OugenweideAls nächstes folgte der Auftritt einer lebenden Legende: Die 1970 gegründete Gruppe OUGENWEIDE zählt zu den absoluten Vorreitern der Mittelaltermusikszene, nicht nur in Deutschland. Nach der Auflösung im Jahr 1985 und einer kurzen Reunion im Jahr 1996, ist die Band seit 2006 in veränderter Besetzung, die aber immerhin noch drei der ursprünglichen Gründungsmitglieder beinhaltet, wieder aktiv. Man durfte also gespannt sein. Um es kurz zu machen, die Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Die Songauswahl die einen Querschnitt durch die fast 40jährige Bandgeschichte bot, ließ kaum einen Wunsch offen, und spätestens als die Gruppe sich mit dem Titelstück des 96er Reunion-Albums „Sol“ schließlich verabschiedete, hatte sich bei mir eine gewisse Gänsehaut eingestellt. Ganz großes Kino!

Die nordischen Runenlieder der estnisch-deutsch-österreichischen Gruppe LIVONIA habe ich mir dann nur recht kurz angetan. Hätte mir eigentlich gefallen können, aber das Keyboard hat irgendwie genervt.
Was die Menge des Publikums vor der Bühne angeht, so hätten SUBWAY TO SALLY sicherlich das Prädikat „Abräumer des Festivals“ verdient. Eric Fish und seine Mannen samt Frau Schmitt boten eine gewohnt energiegeladene Show, deren Setlist von älteren Stücken bis hin zum Bundesvision-Songkontest Siegerlied „Auf Kiel“ reichte. Natürlich durfte auch das unvermeidliche „Julia und die Räuber“ als Zugabe nicht fehlen. Hätte alles so schön sein können, wenn nicht zum einen der Sound einfach mal einen guten Tick zu laut gewesen wäre, und die Band zum anderen ihren Headlinerstatus auf recht seltsame Weise zu betonen suchte: So wurde die Presse nach nur 20 Minuten aus dem Bühnengraben gescheucht und für das Filmteam von noba.tv, das das gesamte Wochenende für die geplante Festival-DVD dokumentarisch begleitete, herrschte während des kompletten Auftritts Filmverbot. Ein absolutes Fotoverbot galt wohl Subway to Sallyauch, wie ich erfahren habe, für das für 5 Fans ausgeloste Meet-and-Greet. Dazu fällt mir eigentlich nichts ein außer: Schade Leute, das hättet ihr echt nicht nötig.

Von der anschließend vor der Burgbühne stattfindenden Feuershow konnte ich nicht allzu viel sehen, dafür der 12jährige Frechdachs auf meinen Schultern wahrscheinlich umso mehr. Laut ihrer Aussage war’s jedenfalls wohl gut.
Der an den Flammenzauber anschließende Balkan- und Weltfolk der Polen von DIKANDA hob sich allein musikalisch doch ziemlich aus der breiten Masse der anderen Gruppen heraus. Da mir ein Kollege aus Lublin vor einiger Zeit zwei CDs der Gruppe hatte zukommen lassen, die seitdem bei mir rauf und runter laufen, war ich auf diesen Auftritt wohl mit am meisten von allen gespannt. Das Tanzbein begann auch alsbald wie von selbst zu zucken, da wäre die Aufforderung der Sängerin und Akkordeonistin gar nicht mehr nötig gewesen: „Befreie Deinen Arsch!“ Und so wie mir erging es den meisten: Das trotz der Kälte oft recht statische Publikum an der Burgbühne geriet plötzlich bis in die hintersten Reihen in Bewegung. Vielleicht nicht unbedingt eine typische Band für ein Mittelalterfestival, aber definitiv einer der Höhepunkte und für mich sogar einer meiner beiden Topfavoriten des gesamten Festivals.

Dieses Mal beschloss ich auch, meinen Fehler vom Vorabend nicht zu wiederholen, obwohl es mir anfangs durchaus leid tat, dadurch den Anfang von HEDNINGARNA zu verpassen. Aber siehe da, es war die richtige Entscheidung! - Als ich schließlich durchgeschwitzt und glücklich wieder an der Schlossbühne angekommen war, wollte mich der Auftritt der Schweden denn dann auch nicht so recht begeistern. Der Mischer meinte wohl nach dem schon deutlich zu lauten Auftritt von SUBWAY TO SALLY die Selber um ein Uhr morgens noch mal so richtig aus ihren Betten schütteln zu müssen. Er hätte wohl stattdessen besser auf die Abstimmung achten sollen. Die Nyckel- bzw. Moraharpas klangen fürchterlich schrammelig, und die Percussion war derart laut, dass sie alles andere in meinen Ohren völlig erschlug. Hinzu kam, dass für mich die, nach dem Weggang der beiden Sängerinnen im Jahr 2003 nun wieder rein instrumentalen, Stücke der Band doch auf Dauer recht monoton wirkten. Nach einem langen Festivaltag entschlossen wir uns dann auch alsbald dazu, das Konzert vorzeitig zu verlassen und den Heimweg anzutreten.

SONNTAG, 21.09.2008


AdasDen Sonntagmorgen musste ich zunächst allein bestreiten, da tatsächlich keiner meiner Mitstreiter geneigt war für die Feen von ADAS sein gemütliches Bett zu verlassen. Selber schuld, kann ich da nur sagen! Nach einem recht unterhaltsamen Soundcheck betraten die Münchner Mädels um die beiden halbspanischen Geschwister Stefanía und Angelika „Geka“ Voigt etwas verspätet die für die frühe Stunde schon recht gut besuchte Theaterbühne, und bezauberten mit ihrer Mischung aus spanischem, keltischem und skandinavischem Folk das Publikum. Wunderschöne, auf akustischen Instrumenten wie Gitarre, Laute, Waldzither, Geige, Whistles und Cajon vorgetragene Melodien, begleitet von teilweise betörend schönen Stimmen, entrückten die Zuschauer in eine mystische Welt. Die Stücke stammten in der Hauptsache vom Debutalbum „Gezeiten“, das im Übrigen von keinem geringeren als dem ehemaligen SCHANDMAUL-Basser Hubsi Widmann produziert wurde, der auch beim Selber Auftritt höchstselbst an den Reglern saß.

Von den Bands der folgenden Stunden kann ich leider nicht viel berichten, da ich mir am letzten Tag dann endlich einmal den lange vernachlässigten, ausführlichen Marktbummel gönnen wollte. Ob des immens großen Angebots an Gewandungen, Waffen, Töpferwaren, Schmuck, Büchern, Fellen, LARP-Zubehör, sowie der Verlockung zu Mäusewetten, Handlesen, Runenziehen und weiterem lustigen Zeitvertreib, suchte meine Geldbörse dann auch sich unauffällig in den hintersten Winkel meiner Tasche zurückzuziehen. Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich die zahlreichen kulinarischen Kostbarkeiten, unter denen für uns die Käsespätzle und der schon am Sonntagmittag ausverkaufte Feuerspieß (exotisch gewürztes Putenfleisch im Teigmantel) zu den großen Rennern zählten. Und natürlich musste ich zwischendurch die durchaus achtbaren Leistungen einiger Recken unserer Gruppe beim großen „Ritterturnier“ (Axt- und Messerwerfen, Speerwurf sowie Bogenschiessen) beklatschen.

So ganz nebenbei konnte ich an der Theaterbühne dann doch noch ein paar Lieder des letzten Beitrags des Nachwuchswettbewerbs in der Sparte „Mittelalter-Rock“ erlauschen. ZWIELICHT, die am Abend dann tatsächlich auch den überdimensionierten „goldenen (Garten-)Zwerg von Selb“ in Empfang nehmen durften, kombinierten keltische Elemente von Harfe, Geige und Flöte mit rockigen E- Gitarren und auch schon mal einem Reggae-Rhythmus. Eigentlich recht nett, nur die Stimme des Sängers war nicht unbedingt meins.

Die mystische Stimmung vom morgendlichen ADAS-Konzert setzte sich dann für mich am Nachmittag bei FAUN auf der Schlossbühne nahezu nahtlos fort. Der Auftritt von Oli SaTyr und Co, die einen bunten Querschnitt durch die Bandgeschichte spielten, wurde auch zu recht vom Publikum gefeiert. Ein besonderes Highlight war in jedem Fall der FaunGastauftritt von Steve und Luka von der befreundeten Band Omnia bei „Wind & Geige“.

Den vorletzten Auftritt des Festivals bestritten ESTAMPIE, wohl eine der anspruchsvollsten deutschen Gruppierungen in Sachen Mittelaltermusik. Michael Popp (u.a. Ex - Deine Lakaien) und die Sängerin Sigrid „Syrah“ Hausen ließen denn auch von Anfang an keine Zweifel an ihrer Vormachtsstellung aufkommen. Ich bin ja der Meinung, ein paar weniger bissig-überhebliche Kommentare in Richtung der Nachwuchsbands hätten es auch getan, aber naja… Die Stücke von „Estampie V“ (dem Stück mit dem komplizierten Rhythmus) bis hin zum „Trommelsolo“ (gab’s da etwa nur eins?) boten dann aber auch einen nicht zu leugnenden Hörgenuss der Extraklasse. Festzuhalten bleibt noch, dass ich durch dieses Konzert meine Zugehörigkeit zur Spezies der „Problemelfen“ (Sumo Elfe Kalorié) erkennen musste. (Ich warte auf das T-Shirt…!)

Wer auch immer dafür verantwortlich ist, die Paganfolker von OMNIA zum Sonntagsheadliner und somit zur letzten Band des Festivals zu machen, ihm gebührt mein nicht enden wollender Dank! Ich mag die Musik der Band seit Jahren, hatte es aber leider bis zu diesem Zeitpunkt noch nie geschafft sie live zu sehen. Meine zugegebenermaßen sehr hohen Erwartungen wurden dann auch nicht enttäuscht: Die in den Niederlanden beheimatete, jedoch international besetzte Truppe um die bezaubernde Jenny Evans-van der Harten und ihren Mann Steve „Sic“ entfachte auf der Bühne ein wahres Feuerwerk an Spielfreude. Begonnen mit „Alive!“ dem Opener des gleichnamigen letzten Albums, auf dem auch der Schwerpunkt der Songauswahl lag, bis hin zum von den Fans frenetisch geforderten „Morrigan“ brachte die Band das Publikum zum Schluss des Festivals nochmal so richtig zum Kochen. Und natürlich ließ es sich auch Herr SaTyr von Faun nicht nehmen, nun seinerseits den Kollegen von Omnia einen Besuch auf der Bühne abzustatten. Einen würdigeren Abschluss dieses Wochenendes hätte es wohl kaum geben können, für mich war der Auftritt von Omnia, neben Dikanda am Samstag, jedenfalls das absolute Highlight! (Kleiner Tip am Rande: Das neue Livealbum „Pagan Folk at the Fairy Ball“ kann auf der Homepage der Band kostenlos runtergeladen werden.)


Fazit

Nicht verschwiegen werden dürfen, bei aller Euphorie natürlich die diversen Kinderkrankheiten, die eine erstmals durchgeführte Veranstaltung unausweichlich begleiten, die das Ganze aber in meinen Augen auch immer besonders reizvoll machen (der Stoff aus dem Legenden werden…): Das anfängliche Chaos beim Bändcheneintausch und die Desinformation mancher Mitarbeiter sei mal dem Erstling geschuldet. Das meiste hat sich ja alles im Laufe des Wochenendes eingespielt. Die Beschilderung war für Ortsunkundige auf jeden Fall aber absolut ungenügend und ist dringend ausbaufähig. Gleiches gilt für sanitäre Einrichtungen auf den Campingplätzen und die Mülleimer auf dem gesamten Gelände. Größter Kritikpunkt aber waren für mich die Preise der Tagestickets. Fast immer, wenn man sich im Kassenbereich aufhielt, traf man auf enttäuschte Einheimische, die gerne mal für ein paar Stunden übers Gelände gebummelt wären, dies jedoch verständlicherweise bei einem Preis von 48 €, respektive 43 € für Ortsansässige, einfach nicht einsahen. Auch die Reduzierung auf 30 € am Sonntagnachmittag konnte da nicht mehr viel Abhilfe schaffen. Eine Abtrennung des Marktgeländes vom Konzertbereich würde den Verkauf von deutlich ermäßigten Tickets fürs Laufpublikum zwar begünstigen und auch den Händlern zugute kommen, für die Dauerkartenbesitzer würde dadurch jedoch sehr viel vom Ambiente des Festivals verloren gehen. Hier muss jedenfalls von Seiten der Veranstalter noch einmal nachgedacht werden, man darf gespannt aufs nächste Mal sein.
Und damit kommen wir zum vielleicht wichtigsten Punkt: Das Festival wird im nächsten Jahr definitiv wieder stattfinden. Zwar erreichte man die angepeilte Zahl von 10 000 Besuchern nicht ganz, was wohl auch an der Kälte gelegen haben dürfte, dennoch werteten die Organisatoren die Veranstaltung als Erfolg. (Noch habe ich keine Kenntnis der offiziellen Zahlen, nach Schätzungen der Security dürften es am Samstag aber wohl insgesamt zwischen sechs- und siebentausend gewesen sein.)

Unbekannte Marktband


Und das war sie auch, denn trotz der angesprochenen vereinzelten Kritikpunkte überwogen die positiven Aspekte doch bei weitem:
Das Gelände auf dem Goldberg scheint geradezu prädestiniert für diese Art von Event und bietet durch die terrassenartige Abstufung und das viele Grün ein einzigartiges Flair. Die hohe musikalische Bandbreite des Festivals, die auch die Randgebiete der Szene abdeckte, bot eigentlich für jeden Geschmack etwas und ließ kaum Wünsche offen. So fand man denn auch im Publikum eine bunte Mischung aus ernsthaften Reenactern, LARPern, Gothics, Metalheads und ganz „normal“ Interessierten. Diese Konzeption ist in der Szene, zumindest in dieser Größenordnung, bislang einzigartig, und ging auch vollends auf. Da fragt man sich, warum nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist? Das inzwischen herumgeisternde Schlagwort vom „Woodstock des Mittelalters“ ist zwar, ob des letztendlich doch kommerziellen Charakters der Veranstaltung, vielleicht etwas übertrieben, dennoch fällt es schwer diese besondere Stimmung in Worte zu fassen, die über dem gesamten Festivalwochenende lag, und der sich kaum einer der Beteiligten entziehen konnte. Egal ob vor oder hinter der Bühne, man spürte überall eine gewisse Neugier und ging offen und freundlich miteinander um (wenn man vielleicht einmal von den Starallüren einer bestimmten, hier nicht noch einmal namentlich erwähnten Band absieht). Die Künstler waren beileibe nicht nur im Backstagebereich anzutreffen, so konnte man unter anderem diverse Mitglieder von Corvus Corax, Saltatio Mortis, Adas, Skyclad, Elexorien oder Omnia beim Flanieren über den Markt und Gesprächen mit den Fans beobachten. Eigentlich sollte man aus der Masse der zahllosen, teilweise ehrenamtlichen Helfer, die zum Gelingen des Ganzen beigetragen haben, niemanden besonders herausstellen, dennoch möchte ich abschließend noch ein paar Sätze zu zwei Dingen verlieren, die mir besonders positiv aufgefallen sind: Da wäre zum einen die Festival-Security: Was die insgesamt nur 15 (ab Samstag Abend durch einen Unfall sogar nur noch 14) Damen und Herren in den blauen Jacken an diesem Wochenende geleistet haben, verdient wirklich allerhöchstes Lob. Trotz Kälte und Schlafmangel immer aufgeschlossen, freundlich und gesprächsbereit, so etwas würde man sich auch bei manch anderem Festival wünschen. Sicherlich auch einer der vielen Faktoren, die zur besonderen, sehr familiären Atmosphäre des Festivals beigetragen haben. Und zum anderen möchte ich auch noch eine Lanze für das Latrinatoren-Team brechen: Der Zustand der Toiletten war ebenfalls überdurchschnittlich gut, und entsprach beileibe nicht dem negativen Standard, den man von anderen Veranstaltungen dieser Größenordnung gewohnt ist. Saubere Arbeit!

So könnte ich jetzt noch eine halbe Ewigkeit weiter lobhudeln und dennoch nicht alles angemessen würdigen, was des Lobes wert gewesen wäre. Auch wenn ich hier nicht näher auf den Nachwuchswettbewerb, das mittelalterliche Lagerleben, die zahlreichen Gaukler, das Filmprogramm, den Bogenschießwettbewerb, das Programm auf tschechischer Seite und manches andere mehr eingegangen bin, so möge mir das verziehen werden, es liegt ganz einfach daran, dass es schlichtweg unmöglich war alle Punkte des umfangreichen Programmangebots wahrzunehmen, ab und an braucht der Mensch eben auch mal ’ne Pause. Aber auch so kam es bei mir schon zu einer kompletten Sinnesüberreizung. Als wir nach dem Konzert von OMNIA am Sonntag den Goldberg verließen, fühlte es sich jedenfalls irgendwie an, als würde man aus einem unwirklichen Traum erwachen, und wir schworen uns bereits in diesem Moment, im nächsten Jahr wiederzukommen. Vielleicht mag jetzt dem ein oder anderen Leser meine Begeisterung übertrieben erscheinen, doch genügt ein kurzer Blick ins Forum der Festivalhomepage, um zu sehen, dass ich damit bestimmt nicht alleine bin. Es fiel mir auch Tage nach dem Festival noch schwer, das glückliche Grinsen aus meinem Gesicht zu bekommen und mich wieder an die Realität meines heimischen Schreibtischs zu gewöhnen.
Ich erhebe das Horn auf viele weitere Jahre FESTIVAL MEDIAVAL, wobei ich jedoch ein wenig befürchte, dass es nie mehr so schön werden wird wie beim ersten Mal…!


In unserer GALLERY findet ihr zahlreiche Fotos vom Festival Mediaval!




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1 Kommentar vorhanden:

redbeard (06.10.2008 00:54:21)

Dieser Thread bezieht sich auf diesen Artikel:
http://www.metal-district.de/live.php?ID=290

Ich habe heute auf meinen Festivalbericht hin Post von SKYCLAD bekommen, die ich hier zunächst unkommentiert veröffentlichen möchte. Um meiner journalistischen Sorgfaltspflicht genüge zu tun werde ich mich aber bemühen auch von den Festivalveranstaltern noch ein statement dazu einzuholen. Hier erstmal die Sicht von Skyclad:


Thanks for posting the link for the review.

I see from the review that it appeared that we lost our instruments. We actually had everything we usually bring to festivals, guitars and the breakable parts of the drum kit, cymbals ect. The things that were missing, were actually the things that the festival organisers were asked to supply in the contract we sent them. The exact same problem happened with another band, and who says lightening doesn't strike the same place twice :-) They were very good at blaming us for the whole situation.

We are still quite angry and frustrated about the whole situation.

But I'm happy you enjoyed what show we managed to pull together against all the barriers that were put in front of us. And that you didn't get up at 11 just to see your friend dressed as a wolf :-D

prost

Skyclad (Arron)


So, heute erreichte mich dann die Stellungnahme der Festivalverantwortlichen, ich stell das einfach mal gegenüber:


das problem war, dass skyclad der meinung waren uns ne email gesendet zu haben, in der sie equipement anfordern, nur konnten wir ihnen nachweisen, dass eine solche email nie bei uns eingegangen ist.
wo genau der fehler lag, ist im nachhinein nicht mehr 100%ig nachzuvollziehen, nur fragt man sich, ob eine band mit derartiger erfahrung nicht wenigstens mal nachfragen sollte, wenn eine solch wichtige email mit der backlineanforderung nicht bestätigt wird.

man muss entschuldigend sagen, dass die band im laufe der vorbereitungen wohl ihren manager gefeuert hat, weshalb es dererlei querelen gab. wir hatten ja auch im vorfeld immer wieder problem kontakt mit ihnen zu bekommen.

beste grüße, Oli

mit freundlichen Grüßen
Oliver Karolkewik

orga@Festival-Mediaval.com


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Datum:
05.10.2008

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